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ALTDORF: «Sie reagierten schon sehr misstrauisch»

Cindy Walker unterstützt Frauen in Kenia bei der Herstellung von Produkten. Ihr Start im Entwicklungsland vor drei Jahren verlief harzig. Sie hält Rück- und Ausblick.
Philipp Zurfluh
Cindy Walker versteht sich in der Textilwerkstatt – nach anfänglicher Skepsis – bestens mit den Frauen aus Kenia. (Bild: PD)

Cindy Walker versteht sich in der Textilwerkstatt – nach anfänglicher Skepsis – bestens mit den Frauen aus Kenia. (Bild: PD)

Philipp Zurfluh

Cindy Walker erinnert sich noch genau an die ersten Begegnungen mit den Frauen in Kenia. «Sie reagierten schon sehr misstrauisch mir gegenüber», so die 37-jährige Altdorferin. Sie hätten geglaubt, dass sie sich nur aus eigenem Profitdenken am Projekt beteilige. So sei es von Beginn an wichtig gewesen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Nach einiger Zeit hätten dann die Frauen gemerkt, dass sie ihnen nur helfen wolle.

Frauen leben am Existenzminimum

Cindy Walker war während dreier Jahre als Fachperson von Comundo und als Koordinatorin bei einer Frauen-Textilwerkstatt in der westkenianischen Kleinstadt Gilgil tätig und kehrte kürzlich für einen Aufenthalt in die Schweiz zurück. Restart Africa, eine Partnerorganisation von Comundo, schafft dort Arbeitsplätze. Das Unternehmen produziert Taschen und Schmuck für Warenhäuser. Das Hauptziel des Projekts: Frauen fördern und ihnen ein Einkommen ermöglichen.

Cindy Walker, die gelernte Schneiderin und Schnitt-Technikerin, teilte ihre Fähigkeiten und ihr Wissen mit den Frauen. Die Altdorferin ist neben dem Handwerk auch für andere Bereiche verantwortlich. Sie vermarktet die Produkte, kontrolliert deren Qualität und baut Netzwerke zu Auftraggebern auf.

Cindy Walker erzählt, dass viele Frauen keinen Job finden würden, vor allem alleinerziehende Mütter. Eine Ausbildung oder eine Anstellung zu finden, ist schwierig – die Arbeitslosigkeit hoch. Cindy Walker hat grossen Respekt vor den Frauen. «Sie sind wahre Überlebenskünstlerinnen, leben in den Tag hinein und denken nicht an übermorgen.» Die Menschen in Kenia seien aufgeschlossen und lebendig. «Ich bewundere, mit welcher Fröhlichkeit die Menschen ihren Alltag meistern», betont sie. Viele verheiratete Frauen würden von ihren Männern früh verlassen und müssten dann selbstständig die Kinder versorgen.

Schicksal schweisst zusammen

Dass die Zusammenarbeit unter den 30 Frauen so gut funktioniert, sei keine Selbstverständlichkeit, so Cindy Walker. «Die Mitarbeiterinnen kommen aus verschiedenen Stämmen und treten einander mit grossen Vorurteilen gegenüber.» Vor allem der Stamm der Kikuyu und der Stamm der Luo trauten sich gegenseitig nicht über den Weg und stünden sich feindlich gegenüber. Doch die Schneiderin relativiert: «Bis jetzt ist es unter den Frauen noch nie zu einer Auseinandersetzung gekommen.» Das hat einen Grund: «Die Frauen sind Leidensgenossinnen und haben dasselbe Schicksal – das schweisst zusammen.»

Die Cindy Walker betont die Wichtigkeit von Projekten für eine bessere Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Schweiz und afrikanischen Ländern. «Ich bin überzeugt, dass personelle und finanzielle Hilfe vor Ort viel bewirken kann, um den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen.» Doch Geld allein reiche nicht: «Oft geraten die finanziellen Mittel nicht in die richtigen Hände.» Das habe auch damit zu tun, dass Korruption in Kenia ein weitverbreitetes Phänomen sei.

«Ich bin gelassener geworden»

Durch das Projekt habe sie sich auch selbst verändert. Sie habe gelernt zu improvisieren, wenn mal etwas nicht sofort geklappt habe: «Ich bin gelassener geworden», meint die Altdorferin.

Cindy Walker hat sich entschieden, zwei weitere Jahre in Gilgil zu verbringen, um das Projekt in andere Hände zu übergeben. Sie musste nicht lange überlegen: «Ich sah täglich, dass die Frauen mit Leidenschaft an der Arbeit sind und immer mehr Fortschritte machen.» Während dieser zwei Jahre wird sie eine einheimische Person in ihre Tätigkeit als Koordinatorin einarbeiten und betreuen.

Frauen sollen Chance erhalten

Auf die nächsten zwei Jahre freut sich die Urnerin riesig. «Ich kann meine wertvollen Erfahrungen und mein Wissen weitergeben», sagt sie stolz. «Mir ist wichtig, dass man möglichst vielen Frauen die Chance gibt, selbstständig ein Einkommen zu erwirtschaften.» Bevor sie in zwei Wochen wieder nach Kenia reist, möchte Cindy Walker noch etwas abschalten und entspannen: «Das habe ich jetzt dringend nötig.»

HINWEIS

Am kommenden Mittwoch, 31. August, 18.30 Uhr, wird Cindy Walker bei Changemaker an der Kramgasse 9 in Luzern über ihr Projekt berichten. Der Eintritt ist frei (Kollekte).

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