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ALTDORF: So tönt es, wenn der Tango auf die Volksmusik trifft

Robert Schmidt hat fünfzehn UR-Tangos geschrieben. Heute Samstag wird im Theater Uri das Geheimnis gelüftet, und das Publikum hört erstmals, wie diese neue musikalische Mischung klingt.
Das UR-Tango-Orchester probt für den grossen Auftritt. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. November 2017))

Das UR-Tango-Orchester probt für den grossen Auftritt. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. November 2017))

Wer zurzeit die Treppen zum Haus der Volksmusik im zweiten Stock des Zeughauses in Altdorf hochsteigt, hört ungewohnte Töne. Leidenschaftliche, eher schwermütige Tangomelodien mischen sich mit lüpfiger, tänziger Urner Volksmusik.

Beim Betreten des Raumes trifft man Musiker in lockerer Atmosphäre. Von Hektik ist keine Spur. Das ist erstaunlich, denn es geht nicht mehr lange bis zum grossen Auftritt. Doch geduldig spielen die Musiker des UR-Tango-Orchesters an der Probe Stück für Stück. Dazwischen gibt es auch ein paar argentinische Tangos zu hören. Am Konzert kommt Urner Volksmusik dazu. Fünfzehn Uraufführungen sind es insgesamt, die heute Samstagabend im Theater Uri zu hören sind.

Piazzollas Tangos fuhren ein wie ein Blitz ins Herz

«Die Idee, Tango und Volksmusik miteinander musikalisch zu verbinden, hatte ich schon lange», sagt Robert Schmidt aus Erstfeld. Der 55-jährige professionelle Tango-Pianist stiess mit seinem Projekt auf offene Ohren. Die Urner Kantonalbank unterstützte ihn im Rahmen ihres Wettbewerbs zum 100-Jahr-Jubiläum. «Damit standen mir die Mittel zur Verfügung, das Projekt auch umzusetzen», blickt Schmidt erfreut zurück.

Begonnen hatte alles mit der Musik der Tango-Legende Astor Piazzolla. Diese liess ihn nicht mehr los. «Sie fuhr mir wie ein Blitz ins Herz», sagt Schmidt. Nach seinem Musikstudium machte er in einem der ersten Tango-Ensembles europaweit mit. Verschiedene kleinere und grössere Formationen folgten. Mit dem Tango-Real-Quartett aus Berlin steht Schmidt seit mehr als 20 Jahren auf den Konzertbühnen.

Die Liebe zog Robert Schmidt von Berlin in den Kanton Uri. «Meine Frau stammt zwar aus dem Aargau. Sie wohnte aber in Erstfeld, als wir uns kennenlernten.» Daher war Robert Schmidt viel im Kanton Uri und fand Gefallen an der Natur, den Menschen und den Tieren. Inzwischen wohnt er mit seiner Frau zusammen in Erstfeld. Seine Eindrücke und Erlebnisse im Kanton Uri hat er nun in seinen UR-Tangos festgehalten. Titel wie «Bristenblick», «Am Mathis siini Butschä», «Der Montags Sepp», «Der Jonny spielt», «Vor em Hiis­li» erzählen davon.

Schmidt selber bezeichnet sich als «Lachoonigä». So heisst denn auch eine seiner Kompositionen. Eine Liebeserklärung an den Gothardkanton ist der UR-Tango «Miis Üri». Es ist der einzige UR-Tango, der nicht instrumental gespielt wird, sondern gesungen wird. Im Text zur Tango-Ballade erzählt Schmidt seine eigene Geschichte. Dank der Hilfe seiner Frau Annette Schmidt und von Jeanine Hauser erklingen die Worte in Ürner Mundart.

Um sich intensiver mit der Urner Volksmusik auseinanderzusetzen, besuchte Robert Schmidt fleissig die «Mäntigs-Stubetä» im Schützenhaus in Altdorf. Jonny Gisler war oftmals mit von der Partie. Der Urner hat auch einige Tangos in seinem umfangreichen Repertoire. Ideen für neue Stücke kommen Robert Schmidt manchmal mitten in der Nacht. «Ich habe immer einen Rekorder neben dem Bett», sagt er. Da kann er dann – manchmal ganz schlaftrunken – seine Ideen singen.

Gäste und Tanzpaare stehen auf der Bühne

Zuerst fanden Tanzkurse statt, um Urnern die Tangomusik schmackhaft zu machen. Im April 2016 ging das Startkonzert zusammen mit Ländlerkoryphäe Jonny Gisler über die Bühne. Da mischten sich zum ersten Mal Tango und Volksmusik. Das Miteinander kam bei den Musikern und auch beim Publikum gut an. Der Weg war frei für Musikworkshops. Inzwischen ist ein zwölfköpfiges Orchester bereits ein Jahr lang am Üben. Robert Schmidt und seine Frau Annette (Querflöte) sind dabei. Zum Orchester gehören des Weiteren Maria Grazia Arnold (Querflöte), Bruno Styger, Engelbert Baumann, Antoinette Nell (Klarinetten), Naemi dal Farra (Violine), Jeanine Hauser (Akkordeon), Ernst Sommer (Gitarre), Carola Maibach (Klavier), Eugen Herger (Baritonsaxofon), Mildred Walker (Kontrabass). Als Sänger tritt Werner Kruse auf.

Beim Konzert heute Samstag wirken rund 30 Personen mit. Als Gäste sind dabei: Andi Gabriel (Violine), Matthias Leupold (Violine), Christian Gerber (Bandoneon), Peter Gisler (Kontrabass), Franz Schmidig (Akkordeon), die Gruppe Pflanzplätz mit Thomas Aeschbacher und Simon Dettwiler (Schwyzerörgeli), Jürg Nietlisbach (Kontrabass). Ein argentinisches Paar und zwei Paare der Trachtengruppe Flüelen tanzen dazu.

Reise nach Buenos Aires ist immer noch ein Traum

In Buenos Aires ist man zwar noch nicht auf die UR-Tangos aufmerksam geworden. «Mindestens aber in der Schweiz lebende Menschen aus Argentinien haben uns schon zugehört», sagt Schmidt nicht ohne Stolz. Zudem habe eine deutsche Tageszeitung einen grossen Artikel über das Projekt geschrieben.

Die Kompositionen von Robert Schmidt erscheinen im Februar 2018 in einem Notenheft. Das Konzert am Samstagabend im Theater Uri wird aufgezeichnet und ebenfalls im Februar 2018 als CD veröffentlicht.

Schmidt denkt schon über ein Folgeprojekt nach. «Den Musikern macht es Spass», erklärt er. «Den Schwung sollten wir mitnehmen und weitermachen.» Wer weiss, vielleicht liegt dann sogar einmal eine Reise nach Buenos Aires drin.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hinweis

Das UR-Tangokonzert heute Samstag, 4. November, im Theater Uri beginnt um 20 Uhr. Tickets gibt es unter 041 874 80 09 sowie an der Abendkasse.

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