Altdorf soll zum Standort für Logistik-Studium werden

Die Hochschule Luzern geht eine Zusammenarbeit mit dem Altdorfer Logistikum ein, das im Urner Talboden ein Testcenter plant. Ab 2022 soll der erste Masterstudiengang beginnen.

Florian Arnold
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Altdorf soll zum Kompetenzzentrum für Logistik werden. Die Hochschule Luzern ist gewillt, ab 2022 in Uri einen Masterstudiengang anzubieten – der erste in diesem Fach in der Schweiz. Dies teilte die Hochschule am Dienstag mit. Ende 2019 wurde bereits in Altdorf das ausseruniversitäre Bildungs- und Innovationszentrum Logistikum vom Verein Netzwerk Logistik, der Fachhochschule Oberösterreich und Detranz gegründet. Dieses ist zurzeit im Workingpoint in den Räumen der Dätwylerstiftung untergebracht. Wenn die Finanzierung zustande kommt, soll im Raum Urner Talboden auch ein Testcenter für Logistik entstehen.

Unter anderem soll darin ein autonomes Lager entwickelt werden, das mithilfe von Robotern, Drohnen und weiteren Gerätschaften betrieben wird, wie Herbert Ruile, Leiter von Logistikum Schweiz, ausführt. Schon seit längerem habe man in der Schweiz versucht, eine solche Einrichtung aufzubauen. Mit dem Kanton Uri habe man nun einen Partner gefunden. Das Projekt wird über Gelder der Neuen Regionalpolitik unterstützt. Zudem sei Uri mit seiner Geschichte prädestiniert dafür. «Der Kanton Uri ist das logistische Schloss Europas», sagt Ruile und spielt damit auf die Nord-Süd-Achse an. «Es macht Sinn, dass man dieses Schloss mit noch mehr Kompetenzen ausstattet und weiterbringt.» Bisher konnte die Logistik an den Schweizer Hochschulen keinen Schwerpunkt bilden.

In Uri soll ein Testcenter für Logistik entstehen. Im Bild: Impressionen aus der Logistik bei Also in Emmen.

In Uri soll ein Testcenter für Logistik entstehen. Im Bild: Impressionen aus der Logistik bei Also in Emmen.

Bild: Manuela Jans-Koch

Mit der Hochschule Luzern konnte eine Partnerin gewonnen werden. Angesprochen für die Masterausbildung in Uri sind Bachelorabsolventen, primär in Betriebswirtschaft. Aber auch Know-how aus den Departementen Technik & Architektur und Informatik fliessen ein, wie Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern, sagt. Fachwissen im Bereich der Logistik und dem sogenannten Supply-Chain-Management werde in der globalisierten Welt immer wichtiger, sagt Hochschulrektor Hodel. Wie lässt sich der Fluss von Waren, Informationen, Geld und Personen koordinieren? Wie können Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt werden? Und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung? Diesen Fragen geht die Hochschule Luzern bereits heute in ihren Aus- und Weiterbildungsangeboten sowie in Forschungsprojekten nach. Der Studiengang soll auch dazu weitere Impulse geben.

Grundlagenfächer werden teils in Luzern unterrichtet

«Für das Thema besteht in Uri eine hohe Standort-Affinität», sagt Markus Hodel. «Uri ist als Transitkanton prädestiniert dafür.» Zudem unterstütze es die Hochschule Luzern, dass in Uri – selber Trägerkanton der Hochschule – in einem wirtschaftsnahen Bereich Ausbildungen auf der Tertiärstufe angeboten werden können. Einzelne Grundlagenfächer sollen zwar in Luzern unterrichtet werden, die Vertiefungsmodule aber in Altdorf. In welchen Räumlichkeiten der Unterricht in Altdorf stattfinden kann, ist noch nicht klar. Denkbar wäre es auch, die Studierenden in der Nähe des neuen Kantonsbahnhofs zu unterrichten.

Von den Studierenden dürften auch lokale Unternehmen profitieren, denn Supply-Chain-Management, Einkauf und Verkehr seien in Uri gut vertreten. Denkbar sei etwa, dass sich Studierende in Vertiefungsmodulen mit den Abläufen und deren Optimierungen in diesen Firmen auseinandersetzten.

Studiengang soll Fachkräftemangel beheben

Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind ist begeistert vom Projekt. Er sieht für die Wirtschaft noch weitere Effekte. «Der Fachkräftemangel ist heute ein Problem. Das Logistikum wird Menschen mit einem technischen oder wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund ansprechen. Gut möglich, dass sie über dieses Studium in einem Urner Betrieb Fuss fassen.» Das Projekt sei für Uri eine grosse Chance. «Das Studium soll nicht nur Urnerinnen und Urner ansprechen, sondern vor allem auch junge Leute von aussen in den Kanton bringen.» Die Abwanderung ist in Uri nach wie vor ein Problem – insbesondere von gut Ausgebildeten: «Heute machen viele Urnerinnen und Urner die Matura, studieren dann auswärts und bleiben irgendwo hängen, weil sie eine Arbeitsstelle finden oder sich verlieben.» Von diesem Effekt möchte man somit auch in Uri profitieren.

485'000 Franken wurden für die Startphase des Logistikums über NRP-Gelder zur Verfügung gestellt. Davon tragen der Kanton Uri und der Bund je die Hälfte. Der Studiengang wird über die reguläre Hochschulfinanzierung getragen. «Dass es ein Erfolg wird, dafür arbeiten wir mit den richtigen Leuten zusammen. Wir müssen darauf hoffen, dass das Studium Anklang findet. Das Potenzial und die Nachfrage aus der Wirtschaft sind auf jeden Fall gegeben.»

Herbert Ruile, selber Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, geht davon aus, dass sich im ersten Jahr etwa 15 Studierende einschreiben werden. Später rechnet man für beide Studienjahre je mit rund 20 bis 25 Studierenden.