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ALTDORF: «Sperrung hätten wir nie akzeptiert»

Das Gewerbe im Urner Hauptort spricht sich für eine Begegnungszone aus. Marco Hauger und Beat Marty erklären, weshalb es zu einem Sinneswandel kam.
Interview Bruno Arnold
Für Marco Hauger (links), Präsident von Neues Altdorf, und Beat Marty, Präsident des Gewerbevereins Altdorf, ist eine Begegnungszone die aktuell beste Lösung. (Bild Florian Arnold)

Für Marco Hauger (links), Präsident von Neues Altdorf, und Beat Marty, Präsident des Gewerbevereins Altdorf, ist eine Begegnungszone die aktuell beste Lösung. (Bild Florian Arnold)

Im November kommt die Vorlage zur West-Ost-Verbindung (WOV) vor den Urner Landrat. Zusammen mit den Flankierenden Massnahmen (Flama) soll die WOV dazu beitragen, dass der Verkehr ab 2021 nicht mehr hauptsächlich über die Gotthardstrasse durch Altdorf Richtung Schächental und Schattdorf fliesst. Die Altdorfer Gewerbetreibenden taten sich anfänglich schwer mit der WOV und den Flama. Mittlerweile stehen sie aber hinter den Plänen der Baudirektion. Marco Hauger, Präsident von Neues Altdorf, und Beat Marty, Präsident des Gewerbevereins Altdorf, erklären, weshalb eine Begegnungszone für Altdorf die aktuell beste Lösung ist.

Schon vor Jahrzehnten hat sich das Altdorfer Gewerbe gegen eine Umfahrung gewehrt. Lange war auch der Widerstand gegen eine WOV gross. Weshalb?

Marco Hauger: Vor Jahrzehnten hat man vermutlich Angst gehabt, dass eine Umfahrung dem Gewerbe schaden könnte. Es herrschte damals wohl die Meinung, dass weniger Verkehr weniger Kunden bedeuten würde. Das war aber nicht nur in Altdorf so.

Beat Marty: Aus dieser Angst heraus haben sich auch andere Gemeinden jahrelang gegen eine Umfahrung gewehrt. Das war aber auch in Zürich nicht anders. Nicht umsonst fuhr der ganze Transit jahrelang durch die Stadt. Es war einfach eine andere Zeit. Vielleicht hätte ich damals auch so entschieden.

Heute will das Altdorfer Gewerbe eine WOV und auch Flama. Wie erklären Sie sich dieses Umdenken?

Hauger: Die Luft- und Lärmbelastung durch den Verkehr ist effektiv ein riesengrosses Problem für den Altdorfer Dorfkern. Das stelle ich selber tagtäglich fest. Wir müssen deshalb jenen Verkehr, der effektiv nicht durch den Dorfkern fahren müsste, aus Altdorf verbannen. Mit der WOV und den Flama bietet sich eine machbare und finanzierbare Variante. Kommt hinzu: Wenn sich Uri als Wohn- und Tourismuskanton vermarkten will, dann muss der Kanton auch dafür sorgen, dass die Dörfer attraktiver werden.

Marty: Das Problem sind bekanntlich vor allem die grossen Fahrzeuge. Dank der WOV werden diese zum grossen Teil aus dem Dorfkern verschwinden. Wichtig wäre aber auch, dass man eine Lösung für die rund 500 Cars findet, die pro Jahr auf dem Winkelplatz halten. Wenn Cartouristen einen etwas längeren Weg zum Telldenkmal machen müssten, wäre dies volkswirtschaftlich sicher kein Nachteil (schmunzelt). Heute wird das Telldenkmal fotografiert, sofern es mal frei vom Verkehr ist, es wird auf dem Winkelplatz ein Sandwich gegessen und dann wieder weitergefahren.

Die Luft- und Lärmbelastung ist nicht neu. Sie kann also kaum der Grund für das Einlenken des Gewerbes sein. Was hat den Ausschlag gegeben?

Marty: Anfänglich war im Zentrum eine Fussgängerzone mit öffentlichem Verkehr angedacht. Für uns war dies aber weder Fisch noch Vogel. Die Schmiedgasse wäre gesperrt worden, nicht aber der Rathausplatz. Das konnten wir nicht nachvollziehen und auch nicht mittragen. Es gibt in der Schweiz genügend abschreckende Beispiele von Fussgängerzonen mit Busverkehr. Das funktioniert einfach nicht und wäre auch für Altdorf keine Lösung gewesen. Die nun vorgeschlagene Begegnungszone ist für Altdorf sicher die aktuell bestmögliche Variante.

Hauger: Eine Sperrung der Schmiedgasse hätten wir nie und nimmer akzeptiert. Die Vorteile einer Fussgängerzone vermochten die Nachteile, die sich mit dem Busverkehr ergeben hätten, nicht zu überwiegen. Die nun geplante Begegnungszone ist allerdings nicht einfach ein zumutbarer Kompromiss, sondern effektiv eine Lösung, die Altdorf attraktiver machen wird.

Wie stark musste das Gewerbe für diese Lösung kämpfen?

Hauger: Es war in der Tat nicht ganz einfach. Ich habe die Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Stellen des Kantons anfänglich als eher mühsam empfunden. Mit der Zeit wurde die Sache aber immer konstruktiver.

Marty: Ich teile diese Einschätzung. Der Grund für die anfänglichen Dissonanzen lag vor allem darin, dass die Termine mit der Baudirektion relativ kurzfristig angesetzt wurden und wir nicht immer über alle nötigen Informationen verfügten. Es hat sich gelohnt, dass wir uns stark engagiert und nicht klein beigegeben haben.

Wo sehen Sie die positiven Aspekte einer Begegnungszone?

Hauger: Der grösste Vorteil besteht darin, dass die Schmiedgasse nicht gesperrt und das Gewerbe in Altdorf nicht erdrückt wird. Nur eine Begegnungszone, die lebt, bremst den Verkehr richtig. So gesehen erachte ich auch die vorgelagerten Tempo-30-Zonen als zweckdienliches Instrument.

Marty: Es stellt sich allerdings noch immer die Frage, wie die Begegnungszone dereinst ausgestaltet wird. Wenn man die aktuelle Infrastruktur – beispielsweise die schmalen Trottoirs in der Schmiedgasse – beibehält, dann hat man ausser Langsamverkehr durch Altdorf eigentlich nichts Neues. Wir müssen bereit sein, Geld in eine schöne Gestaltung der Begegnungszone zu investieren. Nur Signalisationstafeln allein genügen nicht. Als Beispiel könnte man etwa Brunnen nehmen: Dort wurden die Plätze und Strassen attraktiv gestaltet. Heute fliessen dort zum Beispiel Trottoirs und Strassen ideal ineinander über, und der Verkehr ist entsprechend reduziert und langsam. Eine derart gestaltete Begegnungszone könnte nicht nur den unnötigen Verkehr aus Altdorf verbannen, sondern effektiv zu einer Aufwertung des Dorfkerns beitragen.

Und wie reagieren Ihre Kunden auf die Idee der Begegnungszone?

Hauger: Ich bin eigentlich erstaunt, denn ich höre kaum negative Bemerkungen zur Idee der Begegnungszone. Und auch bei der Infoveranstaltung der Baudirektion Ende September im Winkel kamen kaum Fragen oder kritische Anmerkungen. Ich glaube, die Bevölkerung hat erkannt, dass es flankierende Massnahmen braucht und dass eine Begegnungszone die aktuell beste Variante ist.

Marty: Und auch bezüglich Anlieferungen dürfte es keine Probleme geben. Problematisch wäre es nur bei einer Sperrung der Schmiedgasse geworden.

Anwohner befürchten, dass der Verkehr wegen der Begegnungszone auf die Quartierstrassen ausweichen könnte. Haben Sie Verständnis für diese Befürchtungen?

Hauger: Dafür habe ich grosses Verständnis. Und ich bin überzeugt, dass man dies mit den richtigen Massnahmen verhindern kann, sei es durch entsprechende Signalisationen oder mit baulichen Massnahmen. Das vom Kanton und den Gemeinden geplante Monitoring wird solche Schwachstellen aufzeigen. Zuerst muss aber die geplante WOV ihre Wirkung richtig entfalten können.

Marty: Es wird ganz wichtig, dass die Leute die WOV benützen respektive dass sie selber merken, dass die WOV die schnellste Verbindung ist, ob man nun im Süden von Altdorf oder auch im Schächental wohnt. Aber auch für den Fall, dass man beispielsweise aus dem Oberland kommt und in Altdorf, Bürglen oder Schattdorf etwas erledigen will. Verkehr ist wie Wasser. Er fliesst dort, wo er den geringsten Widerstand spürt. Der Verkehrsteilnehmer muss merken, dass dies bei der WOV der Fall ist.

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