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ALTDORF: Spitzenbergsteiger Dani Arnold motiviert Urner Schüler

Der Spitzenbergsteiger Dani Arnold hält diese Woche am BWZ Uri eine Vortragsreihe. Im Gespräch verrät der 34-jährige Bürgler, was das Bergsteigen und eine Berufslehre gemeinsam haben und was er als Nächstes angehen möchte.
Urs Hanhart
Dani Arnold gibt seine Erfahrungen im Spitzenbergsport an angehende Berufsleute weiter. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 27. März 2018))

Dani Arnold gibt seine Erfahrungen im Spitzenbergsport an angehende Berufsleute weiter. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 27. März 2018))

Interview: Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Dani Arnold, worin besteht das Ziel der Vortragsreihe am BWZ Uri – was wollen Sie den angehenden Berufsleuten vermitteln?

Ich will den Lernenden aufzeigen, dass es sich lohnt, an etwas, das einem wichtig ist, dran zu bleiben und alles zu geben. Egal, ob andere daran zweifeln, ob dies der richtige Weg ist. Jeder sollte sich Ziele vornehmen und alles daran setzen, diese zu erreichen. In meinem Fall sind es beispielsweise Berggipfel, die noch niemand bestiegen hat, und bei den Lernenden ist es die Abschlussprüfung, die sie bestehen wollen. Es gibt immer wieder Momente, in denen man sich neu motivieren muss.

Haben Sie die Vortragsreihe anders aufgebaut als jene für ein breiteres Publikum?

Es gibt schon Unterschiede. Die Komponente, sich etwas Langfristiges zu erarbeiten, ist deutlich stärker gewichtet. Ich möchte vor allem rüberbringen, dass man bei einem Misserfolg – zum Beispiel bei einer schlechten Prüfung – den Bettel nicht einfach hinwirft, sondern dranbleibt und noch härter arbeitet. Auch in den Bergen muss man akzeptieren, wenn es mal nicht zum Gipfelerfolg reicht. Das das ist noch kein Grund, einfach aufzugeben. Bergsteigen und das Absolvieren einer Berufslehre weisen viele Parallelen auf. Unter anderem ist der Teamgeist sehr wichtig. Man muss sich auf die Leute, mit denen man zusammenarbeitet oder auf eine Expedition geht, verlassen können. Es gibt Situationen, in denen man als Einzelkämpfer nicht viel ausrichten kann.

Sie haben eine Lehre als Polymechaniker abgeschlossen. Können Sie von der Ausbildung in Ihrem Job als Extrembergsteiger irgendwie profitieren?

Ja, meine Ausbildung kommt mir sehr zugute. Ich bin auch in der Materialentwicklung für die Firma Mammut tätig und häufig am Schleifen, Schweissen und Tüfteln, beispielsweise an Pickeln fürs Eisklettern, Steigeisen oder Eisschrauben.

Lernende haben während ihrer Ausbildung Hochs und Tiefs. Kennen Sie überhaupt Motivationsprobleme?

Doch doch. Meistens ist es so, dass ich nach dem Abschluss eines Projekts keine Lust mehr habe aufs Bergsteigen oder sonst irgendein Risiko einzugehen. Nach dem Weltrekord an der Eigernordwand war ich mental völlig ausgepowert und sechs Monate in einem Loch. Aus Erfahrung weiss ich aber mittlerweile, dass die Motivation nach und nach zurückkehrt. Ich setze mir jeweils kleinere Ziele und baue mich dadurch langsam wieder auf. Anspruchsvolle Projekte kann ich nur dann anpacken, wenn ich sowohl physisch als auch mental voll bereit bin. Bei Spitzensportlern, die ein Highlight wie Olympische Spiele anpeilen, ist das ganz ähnlich.

Betreiben Sie Mentaltraining oder etwas Ähnliches, um mit schwierigen Situationen klarzukommen, die in den Bergen immer wieder vorkommen?

In diesem Bereich mache ich nichts. Ich bin aber ein extrem selbstkritischer Mensch, der seine Stärken und Schwächen ständig hinterfragt. Meine inzwischen grosse Erfahrung hilft mir in heiklen Situationen, richtig zu reagieren. Das war der entscheidende Faktor, dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin. Rein körperlich gibt es bessere Kletterer als ich. Es gibt aber nur wenige, die ohne Seilsicherung auf schwierigen Routen klettern können und mit den entsprechenden Gefahren mental umgehen können.

Sportklettern wird bald olympische Disziplin. Für Sie kein Thema?

Nein, definitiv nicht. Das Klettern in der Halle ist etwas ganz anderes als am Fels. Indoorklettern mache ich nur selten.

Mit zunehmendem Alter werden die meisten vorsichtiger, nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen. Wie ist das bei Ihnen?

Ich bin sicherlich auch vorsichtiger geworden. Meine Projekte werden zwar immer anspruchsvoller. Aber ich bereite mich auch viel besser darauf vor und profitiere dabei von meinen Erfahrungen.

Vor einem Jahr ist Ueli Steck ums Leben gekommen. Wie war das für Sie?

Das hat mich natürlich schon sehr beschäftigt. Ist ja logisch, wenn man das Gleiche macht. Bei Todesfällen von Kletterkollegen versuche ich immer herauszufinden, was genau geschehen ist, damit mir nicht dasselbe passiert. Ich bin häufig auf Ueli Steck angesprochen worden, was auf der Hand liegt. Aufzuhören mit dem Extremklettern wegen solcher tragischer Ereignisse ist für mich aber kein Thema.

Haben Sie bereits neue Projekte in der Pipeline?

Ich habe verschiedene Ideen im Kopf, die ich aber noch nicht verraten möchte. Künftig möchte ich weniger auf Zeit klettern, sondern vermehrt auch andere Sachen machen wie Expeditionen oder Projekt im Eisklettern, bei denen die Zeit keine Rolle spielt. Schon bald möchte ich im Berner Oberland eine neue Route probieren. Am Gross Grünhorn gibt es eine Wand, die noch niemand durchstiegen hat. Wir haben dort bereits im letzten Jahr einen Versuch unternommen, sind jedoch gescheitert. Ich war erst kürzlich in Patagonien und Kanada und bin erst vor drei Wochen zurückgekehrt. Deshalb habe ich momentan nicht gross Lust, ins Ausland zu gehen.

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