ALTDORF: Staatsanwalt fordert Bestätigung des Urteils

Im Fall Ignaz Walker hat die Urner Staatsanwaltschaft das Obergericht aufgefordert, seinen Schuldspruch von 2013 zu bestätigen. Der 47-Jährige solle wegen versuchter Tötung und versuchten Mordes 15 Jahre ins Gefängnis.

Merken
Drucken
Teilen
Ignaz Walker (rechts) mit seinem Verteidiger Linus Jaeggi am Montag. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Ignaz Walker (rechts) mit seinem Verteidiger Linus Jaeggi am Montag. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Das Bundesgericht hatte das Urteil des Obergerichtes 2014 aufgehoben und zur Neubeurteilung an dieses zurückgesandt. Für Oberstaatsanwalt Thomas Imholz änderten die beiden Rügen des Bundesgerichtes nichts an der bewiesenen Schuld des Barbetreibers.

Ignaz Walker soll 2010 gegen einen Gast geschossen haben und wenige Monate später aus finanziellen Gründen einen Killer beauftragt haben, seine damalige, von ihm getrennte Frau zu töten. Diese wurde durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Bei beiden Schussabgaben wurde dieselbe Waffe, eine Blow Mini, verwendet. Für Imholz ist diese Waffe der gemeinsame Nenner der beiden Fälle.

Die Rügen des Bundesgerichtes betrafen nur die Schüsse auf den Gast, nicht aber den mutmasslichen Anschlag auf die Frau. Die Lausanner Richter erklärten, dass eine DNS-Spur auf einer Patronenhülse nicht mehr als Beweis verwendet werde dürfe. Zudem müsse das Obergericht weitere Anstrengungen unternehmen, damit der Gast als Hauptbelastungszeuge erneut befragt werden können.

«Schuldspruch ohne DNS-Spur möglich»

Diese erneute Befragung kam nicht mehr zustande. Diverse Zeugen hätten aber die Richtigkeit der Aussagen des Gastes bestätigt, erklärte Imholz. Dessen Aussagen seien vollumfänglich verwertbar. Der beschuldigte Barbetreiber könne deswegen auch ohne DNS-Spur vom Obergericht für schuldig gesprochen werden. Motiv sei ein Streit gewesen, der wegen einem Missverständnis entstanden sei.

Auch dieser dritte Prozesstag war von einem grossen Publikumsinteresse begleitet. In den letzten Monaten hatten Medien, allen voran die SRF-Sendung «Rundschau», angebliche Ungereimtheiten im Verfahren angeprangert. Sogar die Politik schaltete sich ein.

Am Mittwoch hatte der Verteidiger des Beschuldigten, Linus Jaeggi, der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, eine erneute Befragung des Gastes als Zeugen hintertrieben und sich möglicherweise der Urkundenfälschung und des Amtsmissbrauches schuldig gemacht zu haben.

«Schattenstrafuntersuchung»

Oberstaatsanwalt Imholz warf dem Verteidiger am Montag vor, mit diesen Anschuldigungen eine Grenze überschritten zu haben. Jaeggi wolle Zweifel säen und für Verwirrung sorgen und führe via Medien eine «Schattenstrafuntersuchung». Die Staatsanwaltschaft habe nie gelogen oder etwas verschwiegen. Es sei nicht ihre Aufgabe gewesen, den verschwundenen Zeugen zu suchen, sondern die des Obergerichtes, das das Verfahren führe.

Die «Rundschau»-Berichte betrafen auch die Schüsse auf die damalige Gattin des Beschuldigten. Der Mann, der rechtmässig als Auftragsschütze verurteilt worden ist, hat vor laufender Kamera erklärt, dass die Frau mit ihrem Freund den Mordanschlag inszeniert habe, um ihren Mann ins Gefängnis zu bringen. Geschossen haben soll eine andere, drogenabhängige Person.

Unglaubwürdiges «Himmelfahrtskommando»

«Ein Märchen erster Güte», sagte Imholz. Was der Mann im Interview sage, klinge auswendig gelernt. Er vermutete, dass die «Rundschau» Druck auf den Verurteilten ausgeübt habe. Der Oberstaatsanwalt berief sich bei dieser Einschätzung auf die Rohfassung des Interviews.

Es sei nicht einsichtig, wieso für Schüsse in einem fingierten Anschlag ein Drogenabhängiger, der entweder «high» oder «auf dem Aff» sei, solle engagiert worden sei, sagte Imholz. Rhetorisch fragte er, wer sich an einem Ort, an dem man fast nichts sehe, freiwillig anschiessen lasse. Bestärkt fühlte er sich von der im September 2015 durchgeführten Schussrekonstruktion am Tatort. Ein Mordkomplott habe sich dabei als «Himmelfahrtskommando» erwiesen, sagte er.

Das Argument der Verteidigung, dass der Beschuldigte sicher nicht die Waffe, mit der er im Januar 2010 gegen den Gast geschossen haben solle, im November 2010 für den Auftragsmord zur Verfügung gestellt hätte, sticht gemäss Staatsanwaltschaft nicht. Der Beschuldigte habe nämlich erst 2011 erfahren, dass beim ersten Vorfall Patronenhülsen gefunden worden seien, sagte Imholz.

Mehr zum Thema am 27. Oktober in der Neuen UZ.

sda