ALTDORF: Staatsanwaltschaft sieht sich bekräftigt

Am voraussichtlich letzten Tag des Prozesses gegen einen Erstfelder Barbetreiber ist erneut die Komplotttheorie im Zentrum gestanden. Die Staatsanwaltschaft sieht diese dank eines neuen Dokumentes endgültig erledigt.

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Oberstaatsanwalt Thomas Imholz am Freitag auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz am Freitag auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz sagte am Freitag vor dem Urner Obergericht, die Verteidigung sei mit dem Dokument aus den Fugen geraten. Selbstbewusst sagte der in den letzten Tagen in die Kritik geratene Imholz, er habe nun der Verteidigung die Zähne gezogen.

Grund für Imholz Optimismus war ein Dokument, das die Staatsanwaltschaft Luzern bei einer Hausdurchsuchung an einem früheren Wohnort des Beschuldigten sichergestellt hatte. Die Polizeiaktion hatte nichts mit dem Erstfelder Barbetreiber zu tun. Gemäss Imholz widerlegt das Dokument die Komplotttheorie, die die SRF-Sendung «Rundschau» ins Spiel gebracht hat und die auch von der Verteidigung zur Entlastung des Beschuldigten verwendet worden ist.

Vom Opfer inszeniert?

Dem Beschuldigten wird unter anderem vorgeworfen, 2010 einen Killer auf seine damalige Gattin angesetzt zu haben. Die Frau wurde durch mehrere Schüsse verletzt. Der Auftragsschütze wurde rechtmässig verurteilt. Er erklärte später in einem Interview mit der «Rundschau», die Gattin des Barbetreibers habe den Anschlag inszeniert, um ihren Mann ins Gefängnis zu bringen. Geschossen habe ein weitere Person, deren Name nicht genannt wurde.

Beim neuen Dokument handelt sich um ein Schreiben des Auftragsmörders an die «Rundschau». Eine Kopie war bereits in den Gerichtsakten, aber mit geschwärzten Namen.

Die ungeschwärzte Version zeige nun, dass die geschwärzten Stellen nicht wie erwartet den Namen des unbekannten Schützen enthielten, erklärte Imholz. Dies beweise, dass die Komplott-Geschichte erfunden sei. Der verurteilte Auftragskiller habe offenbar nicht genügend Intelligenz, um eine Komplottgeschichte zu erfinden.

Fernsehsendung in der Kritik

Imholz, aber auch die Rechtsbeiständin der Ex-Frau des Beschuldigten, kritisierten die «Rundschau», dass sie trotz allem an der Komplotttheorie festgehalten habe. Claudia Zumtaugwald sagte, die Fernsehsendung habe eine falsche Fährte legen wollen und plump das Gericht beeinflussen wollen.

Auch Verteidiger Jaeggi sagte, dass der im Brief genannte Mann als Schütze nicht in Frage komme. Er sagte, er habe das Dokument seinem Mandanten zugestellt. Es gehöre zur Anwaltskorrespondenz und dürfe deswegen nicht gegen seinen Mandanten verwendet werden.

Oberstaatsanwalt Imholz sah dies anders. Mit dem Brief sei das Verbot, dass der Beschuldigte nicht in Kontakt mit anderen Verfahrensbeteiligten treten dürfe, ausgehebelt worden, kritisierte er. Der Brief sei nicht «Anwaltspost», sondern «dicke Post».

Oberstaatsanwalt: «Sturm im Wasserglas»

Der Beschuldigte soll 2010 nicht nur einen Auftragskiller engagiert, sondern auch gegen einen Gast geschossen haben. Er war vom Obergericht 2013 wegen versuchter Tötung und versuchtem Mord zu 15 Jahren verurteilt worden, doch hob das Bundesgericht das Urteil 2014 auf.

Das Bundesgericht verlangte vom Obergericht, dass es weitere Anstrengungen machen müsse, den Gast für eine Befragung zu suchen. Die Verteidigung wirft der Staatsanwaltschaft vor, eine erneute Befragung des Mannes über Jahre möglicherweise rechtswidrig hintertrieben zu haben. Imholz geriet darob unter öffentlichen Druck.

Der Oberstaatsanwalt wies dies erneut zurück. Beim Prozess vor dem Landgericht 2012 hätten alle gewusst, dass der Gast in Frankreich in Untersuchungshaft sei. Später sei er auch für die französischen Behörden unbekannten Aufenthaltes gewesen. Bei den Vorwürfen handle es sich um einen Sturm im Wasserglas.

sda