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ALTDORF: Tiere erobern die Kirchenorgel

In der Pfarrkirche St. Martin ertönt der «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns. Dabei ersetzt die Orgel ein ganzes Orchester. Zu Gast ist an der Orgelnacht aber auch der Jugendchor – und einige junge Organisten feiern einen grossen Auftritt.
Markus Zwyssig
Karl Arnold und Lea Ziegler Tschalèr spielen vierhändig und vierfüssig auf der Orgel. Matteo Schenardi erzählt seine eigene Version des «Karnevals der Tiere». (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 10. November 2017))

Karl Arnold und Lea Ziegler Tschalèr spielen vierhändig und vierfüssig auf der Orgel. Matteo Schenardi erzählt seine eigene Version des «Karnevals der Tiere». (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 10. November 2017))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Die Hühner gackern. Der Kuckuck ruft. Der Esel macht Ii-aa. Die Kolibris zwitschern und flattern umher. Die Elefantin legt ­einen Tanz hin. Selbst das Blubbern der Fische im Aquarium ist zu hören. In der Kirche St. Martin in Altdorf geht es am kommenden Samstag, 18. November, zu Beginn der 15. Orgelnacht tierisch zu und her.

Die musikalische Suite «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns wird sonst von einem ganzen Orchester und zwei Klavieren gespielt. Für einmal ist das Werk auf der Kirchenorgel zu ­hören. «Wir hoffen, dass wir auch viele Familien mit Kindern ansprechen werden», sagte Lea Ziegler Tschalèr. «Das Werk ist lustig und witzig. Die Kirchen­orgel mit ihren vielen Möglichkeiten eignet sich sehr gut, die Tierlaute zu imitieren.» Lea Ziegler wird zusammen mit Karl Arnold die Suite vierhändig und vierfüssig spielen.

Mystische Atmosphäre inspirierte den Erzähler

Matteo Schenardi wird als Erzähler dem Publikum seine eigene Version des «Karnevals der Tiere» vortragen. «Inspirieren liess ich mich dabei von der mystischen Atmosphäre der Empore und dem Orgelspiel von Karl Arnold und Lea Ziegler», sagt er. Christoph Gautschi leistet einen wuchtigen Beitrag als Perkussionist. Zu Lebzeiten hat der Komponist das rund 25 Minuten dauernde Stück nicht zur Veröffentlichung freigegeben; heute ist es eines seiner bekanntesten Werke. Saint-Saëns fürchtete um seinen Ruf. Denn abgesehen davon, dass er in den Stücken allerlei Tier­rufe durch die Instrumente imitierte, hatte er zudem mehrere seiner Berufskollegen veralbert. Jacques Offenbach wird bei den «Schildkröten» zitiert und Hector Berlioz beim «Elefanten». Auch Rossini bleibt nicht verschont, indem eine seiner Arien unter den Fossilien parodiert erklingt. «Die musikalischen Zitate sind etwas Spezielles», sagt Lea Ziegler. «Es geht nicht nur darum, sich lustig zu machen über die Kollegen. Saint-Saëns hat diese auch verehrt.» Rossini habe er sogar persönlich getroffen. Dieser war zu jenem Zeitpunkt aber bereits in einem fortgeschrittenen Alter und bezeichnete sich selber als «musikalisches Fossil». So wurde das Werk in einem Hauskonzert ein einziges Mal gespielt, dann aber zur Seite gelegt. Heute ist die musikalische Suite aber das bekannteste Werk von Saint-Saëns.

«Wir bieten Hörkino», sagt Karl Arnold. «Jeder, der das Konzert besucht, kann sich bei unseren Klängen etwas vorstellen.» Es sei ein attraktives Programm, bei dem die Orgel für einmal ganz im Zentrum stehe. «Wir können alle Register ziehen», sagt Karl Arnold. Lea Ziegler freut sich auf die Plattform für Organisten. «Das Publikum motiviert uns jedes Mal, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen.» Während des Jahres sei es sonst kaum möglich, ein richtig langes Werk zu spielen. «Unsere kurzen Auftritte bei einem Gottesdienst dauern in der Regel nicht länger als zwei bis drei Minuten.»

Die Kirche wird an der Orgelnacht mit viel Kerzenlicht erhellt. Geboten werden vier Konzert­blöcke, die allesamt oder auch einzeln besucht werden können. Zwischen den Konzerten besteht die Gelegenheit, sich im Pfarreizentrum St. Martin im «Orgelnacht-Beizli» zu stärken und ­allenfalls aufzuwärmen.

Im zweiten Block singt der Jugendchor St. Martin unter der Leitung von Aaron Tschalèr, zum Teil begleitet von Lea Ziegler Tschalèr an der Orgel. 20 singbegeisterte junge Leute im Alter von 16 bis 30 Jahren machen mit. «Wir freuen uns, dass so viele dabei sind», sagt Lea Ziegler. «Toll wäre es, wenn wir noch ein paar zusätzliche junge Männerstimmen hätten.» Das Programm des Jugendchors besteht am Samstagabend mehrheitlich aus Kirchenmusik. Am Schluss sind Volkslieder zu hören.

Von Queen bis zum Mord im Beichtstuhl

Im dritten Teil sind junge Urner Organisten und eine Organistin zu hören. Jasmin Müller eröffnet den Konzertreigen mit einem Präludium von J. S. Bach. Für den 14-jährigen Luca Walker ist es die erste Orgelnacht, bei der er mitspielt. David Fischer spielt ein eigenes Arrangement der «Bohemian Rhapsody» der britischen Band Queen. Daniel Vetter und Jonas Gisler sind Musikstudenten und spielen zum Teil auch Eigenkompositionen. Gespannt sein darf man auf Florian Arnold und Christian Arnold, die einen «Mord im Beichtstuhl» vertonen.

Im letzten Block wird sich Karl Arnold nochmals an die Orgel setzen. Etwas Spezielles ist die Triosonate in c-Moll von J. S. Bach, die zu den anspruchsvollsten Orgelwerken überhaupt zählt – und deshalb wohl selten zu hören ist. Abschliessen wird Karl Arnold den Konzertabend mit dem «Danse macabre» von Saint-Saëns. «Zum Schluss der Orgelnacht wird es ein bisschen beängstigend», sagt der Organist. «Aber das Stück stellt einen schönen Bezug zum ‹Karneval der Tiere› her.»

Hinweis

Die 15. Orgelnacht beginnt am kommenden Samstag, 18. November, um 20 Uhr und dauert bis Mitternacht. Der Eintritt ist frei. Es wird nach jedem Konzertblock eine Türkollekte aufgenommen.

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