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ALTDORF: Urner Künstler gibt Kindern die Freiheit zu malen

Naci Kocaslan hat es ohne Fördermassnahmen zum angesehenen Künstler geschafft. Nun bietet er in seinem Malstudio Kindern und Erwachsenen das, was er sich damals als Kind selber gewünscht hätte: einen Raum für freies Malen.
Carmen Epp
Naci Kocaslan steht den Kindern im Malstudio beratend zur Seite. (Bild: Manuela Jans-Koch (Altdorf, 10. Mai 2018))

Naci Kocaslan steht den Kindern im Malstudio beratend zur Seite. (Bild: Manuela Jans-Koch (Altdorf, 10. Mai 2018))

Es herrscht buntes Treiben im ­Industrieareal «Neuland» in Altdorf: Fünf Mädchen und ein Bub haben sich im Malstudio von Naci Kocaslan eingefunden, um ihren Müttern zum Muttertag ein ganz persönliches Bild zu malen. Mit Herzen, Schmetterlingen, Blumen und weiteren Motiven bringen die Kinder ihre eigenen ­Geschichten auf die Leinwand.

Die Geschichte des Besitzers des Malstudios liest sich wie ein Märchen. Als Neunjähriger muss Kocaslan mit seinen Eltern von der Türkei in die Schweiz flüchten. Trotz dieser Strapazen entwickelt er schon früh ein künstlerisches Talent. Bereits in der Primarschule ist er im Zeichnen stets Klassenbester, in seiner Maurerlehre macht er dreidimensionale Pläne zu Kunstwerken.

«Das Interesse an meiner Kunst ist extrem»

Woher das Talent kommt, verrät der heute 30-Jährige nicht. Er ­beziehe seine Energie von etwas, das tief in ihm stecke. Diese Energie bringt ihn im Laufe der Zeit immer weiter. Angefangen mit Porträts für Kollegen 2012 werden Bilder von «Na Koc», wie er sich nennt, bald in Privat- und ­Luxusclubs, in Discos und in ­Galerien gezeigt. Auch das Haus für Kunst Uri nimmt zwei Werke in die Jahressausstellung auf.

Vor zwei Jahren wird ihm eine grosse Ehre zuteil: Er erhält die Rechte, T-Shirts mit seinen Charlie-Chaplin-Motiven herzustellen (siehe «Zentralschweiz am Sonntag» vom 14. August 2016). Es folgen Ausstellungen in Genf, ­Zürich und Deutschland. «Das Interesse an meiner Kunst ist extrem, der Verkauf läuft gut», sagt Kocaslan. So gut sogar, dass der Künstler sein Arbeitspensum als Maurer-Polier vor anderthalb Monaten von 100 auf 60 Prozent reduzieren konnte. Den Rest ­finanziert er sich mit seiner Kleidermarke und seiner Kunst.

Vor zwei Wochen hat Kocaslan das Malstudio in Altdorf eröffnet. Hier stehen Tische und Staffe­leien bereit. Auf einem Regal ­stapeln sich Farben, Pinsel, Schwämme und Leinwände, an den Wänden hängen Werke von «Na Koc». Donnerstags und freitags bietet er hier freies Malen für Erwachsene mit oder ohne Thema, kreatives Malen für Kinder sowie Ateliers zu Anlässen wie Valentinstag, Geburtstagen oder wie heute zum Muttertag an. Bis zu 14 Personen finden Platz und Raum, um sich künstlerisch auszudrücken. Staffeleien, Leinwände, Schürzen, Farben und Co. stellt Kocaslan für einen Unkostenbeitrag zur Verfügung.

«Was ich anbiete, sind keine klassischen Malkurse»

Um Gewinn geht es Kocaslan ­dabei nicht. Auch wenn er inzwischen eine steile Kunstkarriere hingelegt hat, so hat er doch seine Wurzeln und seinen Werdegang nicht vergessen. Ohne Kunsthochschule, ohne Kurse oder Fördermassnahmen hat er es zu Ansehen in der Kunstwelt geschafft. Kocaslan ist überzeugt: Nicht obwohl, sondern gerade weil er nicht den klassischen Ausbildungsweg gegangen ist, hat er es so weit gebracht. «Weil ich immer frei gewesen bin in allem, was ich gemacht habe.»

Diese Freiheit sei es, die er nun auch seinen Mitmenschen mitgeben möchte – mit dem Malstudio in Altdorf. «Was ich anbiete, sind keine klassischen Malkurse, wie man sie kennt, sondern Freiraum, um zu gestalten.» Dabei stehe auch das Zusammensein und die Musse im Vordergrund. Bei schöner Musik und einem Glas Wein gemeinsam kreativ sein – das soll sein Mal­studio möglich machen. Dabei steht der Künstler den Besuchern unterstützend zur Seite, liefert Inspiration, eine zweite Meinung oder auch mal einen helfenden Pinselstrich, um die Besucher weiterzubringen. «Ich möchte auch jene ermutigen, die sich selbst für unbegabt und wenig kreativ halten.» Die würden in seinem Malstudio eines Besseren belehrt. Erwachsene, die bereits zum dritten Mal ins Studio gekommen sind, seien um einiges kreativer geworden. «Das festzustellen, ist ein tolles Gefühl – auch für mich.»

Besonders Freude bereiten ihm die Kinder, die sein Malstudio besuchen. «Hier sind sie frei, können mit Farben experimentieren, ohne sich über schmutzige Böden oder Wände Gedanken zu machen, die gehören einfach dazu», schildert Kocaslan. Einen solchen Raum hätte er sich als Kind auch gewünscht – nun macht er es anderen Kindern möglich.

Diese verdanken ihm das Geschenk mit speziellen Erlebnissen. So ist ein Mädchen, vor dessen Schüchternheit ihre Mutter im Vorfeld gewarnt hatte, sichtlich aufgeblüht und will am Ende der zwei Stunden gar nicht mehr nach Hause. «Das freut mich extrem», sagt Kocaslan mit einem breiten Lächeln. «Und es macht mich auch ein wenig stolz, dass ich mit meinem Raum so viele Leute glücklich machen kann.»

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Hinweis
Weitere Infos gibt es unterwww.malstudio-nakocart.ch

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