ALTDORF: Urner nutzen starken Franken

Die Börse hat bei vielen Urnern Reise­freude ausgelöst. Umbuchen lohnt sich aber in den seltensten Fällen, sagen die Experten.

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Wo soll es hingehen? Eliane Gisler und Jörg Keller vom Büro Idea Reisen in Altdorf haben alle Hände voll zu tun. (Bild: Florian Arnold)

Wo soll es hingehen? Eliane Gisler und Jörg Keller vom Büro Idea Reisen in Altdorf haben alle Hände voll zu tun. (Bild: Florian Arnold)

Markus Zwyssig

In den Reisebüros herrscht zurzeit Hochbetrieb. «Jetzt ist die Zeit, in der die Urner ihre Ferien buchen», sagt Claudia Ulrich, Co-Filialleiterin im Reisebüro Hauger in Altdorf. Von Januar bis März sei bei ihnen immer am meisten los. Wie viele Leute jetzt aber speziell wegen des starken Frankens ins Reisebüro kämen, wisse sie nicht, sagt Ulrich. Der starke Franken hilft aber beim Besuch im Reisebüro: «Wir stellen fest, dass die Leute entscheidungsfreudiger sind.» Die Kunden buchen schneller, da jetzt beispielsweise Pauschalarrangements für Badeferien günstiger zu haben sind als sonst. «Bei einer Familie mit Kindern macht das schnell 600 bis 700 Franken aus, die man einsparen kann», sagt Ulrich. Viele würden dieses Geld aber gleich wieder investieren und länger wegbleiben. «Statt einer Woche Ferien buchen sie zehn Tage. Und dabei zahlen sie denselben Preis wie vor ein paar Monaten noch für die kürzeren Ferien.»

Es mache Spass, eine Reise zu unternehmen und das nicht nur im Euroraum. Denn tief sei neben dem Euro- auch der Dollarkurs, weiss Ulrich. Profitieren würde man in vielen Fällen gleich doppelt: erstens beim Buchen des Arrangements und zweitens beim Aufenthalt vor Ort. Da könne man günstiger leben und auch günstiger Kleider und andere Souvenirs kaufen. «Shopping in New York ist zurzeit noch attraktiver als sonst.»

Es gilt: Je früher, desto besser

Die Reisebüros können gut mithalten mit den Preisen. «Wir geben die Anpassungen weiter», verspricht Ulrich. «Es kommt den Kunden nicht viel günstiger, wenn er in Deutschland bucht.» Die Flüge sind von den Währungsschwankungen weniger betroffen. «Je früher, desto besser je kurzfristiger, desto teurer», gilt für Flüge nach wie vor. Bezahlt werden diese in Franken. Ulrich glaubt nicht, dass nun wegen des starken Frankens vermehrt über das Internet gebucht wird. «Viele kommen ins Reisebüro, weil sie den persönlichen Kontakt schätzen», sagt Ulrich. «Auch können wir relativ kurzfristig reagieren.» Auch die persönlichen Tipps werden geschätzt. «Die meisten gehen einmal im Jahr in die Ferien, wollen ein paar Wochen ausspannen und sich nicht noch mit Problemen herumschlagen.»

Bei Idea Reisen schlägt sich die Frankenstärke vor allem bei den Buchungszahlen von Sprachaufenthalten nieder, sagt Geschäftsführer Jörg Keller. Diese sind in den vergangenen Tagen angestiegen. «Wer länger in ein Land reist und beispielsweise einen Sprachaufenthalt bucht, kann dies momentan günstiger als noch vor ein paar Monaten tun.» Zurzeit sei der Franken so stark, dass sich das Buchen lohne. «Wie lange diese tiefen Preise aber so bleiben, ist noch nicht klar.» Bei Sprachreisen gebe es zurzeit für viele Länder Rabatte. Auch eine Reise beispielsweise nach England lohne sich. «Denn nicht nur der Euro, auch die Kurse des britischen Pfundes, des US-Dollars und des australischen Dollars sind tief.» Beliebt seien zurzeit auch Kreuzfahrten. Auch hier sind die Preise bei allen Neubuchungen gesunken. Auf Pauschalreisen oder Individualreisen hingegen ist momentan bei Idea weniger ein Run festzustellen. «Die Leute reisen so oder so», sagt Keller. «Viele haben bereits gebucht.»

Der Reisefachmann betont, dass die Preise vor allem für die Kunden interessant seien. Anders sieht es für die Reisebüros selber aus. «Der starke Franken schmälert unseren Umsatz, und die Margen sind kleiner.»

Annullierungen lohnen sich nicht

Marina Bär, stellvertretende Leiterin der Reisestube Altdorf, hat zurzeit ebenfalls alle Hände voll zu tun. Auch sie kann nicht sagen, ob die Leute speziell wegen des hohen Frankenkurses ins Reisebüro kommen. «Einzelne Kunden, die eine Reise bereits gebucht haben, wollten den Auftrag aber annullieren und erneut buchen.» Dies lohne sich aber in den seltensten Fällen, so Marina Bär. «Die Spesen sind höher als die Summe, die man aufgrund der Differenz der beiden Buchungen einspart.»

Bär betont auch, dass sich viele Preise nicht kurzfristig veränderten. «Viele Verträge wie beispielsweise für eine Automiete werden langfristig abgeschlossen. Eine Preisanpassung erfolgt nicht bei jedem Währungswechsel.» Für Hotels seien hingegen die Preise zum Teil angepasst worden.