ALTDORF: Urner schreibt Lieder mit Tiefgang

Mit seiner akustischen Gitarre und seiner Stimme hat es der 18-jährige Altdorfer Matteo Gisler ins tägliche Programm der Lokalradios geschafft. Am 20. Mai wird seine neue CD im Kellertheater Vogelsang getauft.

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Die Band (von links): Luca Zberg, Max Wipfli, Matteo Gisler und Elia Trachsel. (Bild: Dani Gnos (Altdorf, 2017))

Die Band (von links): Luca Zberg, Max Wipfli, Matteo Gisler und Elia Trachsel. (Bild: Dani Gnos (Altdorf, 2017))

Matteo Gisler ist 18 Jahre alt und steht kurz vor dem Abschluss seiner Informatik-Ausbildung. Jetzt macht er mit seiner Musik von sich reden. Auf verschiedenen Radiostationen ist sein neuster Song «Nowhereland» zu hören. «Ein Kindheitstraum ging in Erfüllung», sagt der Altdorfer. Dabei sei alles so schnell gegangen.

Wenn er als Musiker unterwegs ist, nennt er sich schlicht Matteo. Seinen Nachnamen, der an Urner Wurzeln erinnert, lässt er weg. Noch sei alles ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Es sei ein spezielles Gefühl, wenn die eigenen Lieder plötzlich im Radio zu hören seien. «Meine Songs sind sicher radiotauglich», ist sich der Musiker bewusst. Er habe aber auch Glück gehabt. «Den Erfolg kann man nicht planen.» 

Alles begann mit dem Xylofon 

In Eile ist der junge Mann nicht. «Ich habe Zeit, da kann noch einiges kommen.» Zudem sei für ihn das Musikmachen ein Hobby. Jung sind auch die anderen Mitglieder in der Band. Gitarrist Luca Zberg ist 19, Bassist und Keyboarder Max Wipfli sowie Schlagzeuger Elia Trachsel sind 16 Jahre alt.
Seine ersten musikalischen Gehversuche machte Gisler auf dem Xylofon. «Wenigstens war es nicht die Flöte», sagt er. Später wechselte er auf die E-Gitarre. Er spielte in Ensembles der Musikschule und trat mit Cover-Versionen bekannter Lieder vor das Publikum. Gerne hätte er Schlagzeug spielen gelernt. «Doch das ist schwierig, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt», sagt Gisler. Ganz aufs Schlagzeugspielen verzichten muss er aber in Zukunft nicht. Im Herbst bezieht die Band in einer der MSA-Baracken in Altdorf einen Proberaum. Dort soll auch ein Schlagzeug stehen, hinter das sich Gisler gelegentlich setzen kann.

Schon vor längerer Zeit hat Gisler von der elektrischen auf die akustische Gitarre gewechselt. «Das passt besser zu einem Singer-Songwriter», sagt er. Und so trat er zuerst alleine mit einer Gitarre in der Hand auf. «Auf der grossen Bühne fühlte ich mich aber einsam», blickt Gisler zurück. Auch sei es schwieriger, nur mit akustischer Gitarre und Stimme überhaupt zu den Leuten durchzudringen. Er gibt zwar Solo-Auftritte, mehr Spass mache es aber, im Duo mit dem Schlagzeuger oder mit der gesamten Band zu spielen. Dabei profitiere er auch musikalisch. Die Lieder hätten sich in der Gruppe weiter entwickelt. «Sie sind fröhlicher geworden, haben mehr Dynamik.» Für die Musik sei es gut, wenn es Veränderungen gebe.

Die Ideen für seine Texte holt sich der angehende Informatiker aus dem Alltag. So liest er die Nachrichten und verarbeitet, was er sieht auch in seinen Songs – und dies durchaus kritisch. «Es gibt genügend oberflächliche Songs», sagt er. «Da muss man sich nur die Hitparade anhören.» So beweist Gisler ein Gespür für eingängige Melodien. In den Texten will er aber zum Nachdenken anregen. «Die besten Ideen kommen mir beim Einschlafen oder in der Schule», verrät Gisler.

Bereits vor zwei Jahren veröffentlichte der Altdorfer seine erste CD «Going Nowhere». Morgen erscheint die zweite CD «A Single Tree». Alle Texte und die Musik stammen von Gisler. Aufgenommen wurden die Songs bei Gregor Indergand in dessen Hedgehog-Studio in Schattdorf. Für das Mastering war Oli Bösch verantwortlich, der auch bei Züri West mitwirkte.

Die Kontrolle über die Musik und die Auftritte behalten

Der junge Altdorfer macht fast alles selber. Er kümmert sich um Konzertauftritte und verschickt seine CD selber. «Das Organisatorische macht Spass», sagt er. Bald sind die neuen Lieder auch live zu hören. Die Plattentaufe findet am 20. Mai im «Vogelsang» in Altdorf statt. Danach stehen Auftritte in Luzern, Zürich oder Lenzburg auf dem Programm. Im Kanton Uri ist Matteo Gisler am 23. Juni im Kaffee Krá (Open Mic) in Altdorf sowie am 20. August beim Klangspaziergang im Urner Reussdelta im Rahmen des Alpentöne-Festivals zu hören.

«Leider gibt es im Kanton Uri nicht so viele Auftrittsmöglichkeiten», gibt Gisler zu bedenken. «Das ist extrem schade.» Denn in Uri bestehe eine lebendige Musikszene. «Wir sind sehr gut vernetzt miteinander. Und es macht Spass, für Events zusammenzuspannen.»

Markus Zwyssig
markus.zwyssig@urnerzeitung.ch