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ALTDORF: Volksmusik lockt viel Publikum an

Dem schlechten Wetter zum Trotz: Das Haus der Volksmusik feierte sein 10-jähriges Bestehen, und OK-Präsident Josef Dittli zieht eine positive Bilanz.
Elias Bricker
Einheimische Formationen wie die Altdorfer Bauernmusik stiessen im grossen Festzelt auf zahlreiche Zuhörer. (Bild Urs Hanhart)

Einheimische Formationen wie die Altdorfer Bauernmusik stiessen im grossen Festzelt auf zahlreiche Zuhörer. (Bild Urs Hanhart)

Elias Bricker

Zwei Tage lang wurde in Altdorf gejodelt, geörgelt und getanzt. Denn am vergangenen Wochenende feierte das Haus der Volksmusik in Altdorf sein 10-jähriges Bestehen (siehe unsere Ausgaben vom Samstag und Sonntag). Die Institution im ehemaligen Zeughaus hat sich inzwischen als nationales Kompetenzzentrum für Volksmusik etabliert – engagiert sich in der Sammlung sowie Erhaltung von Liedern und ist im Kurswesen aktiv.

Im Festzelt auf dem Unterlehn spielte die Altdorfer Bauernmusik auf. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Das Alphorntrio Tells Apfelschuss eröffnete das Fest auf dem Lehnplatz am Samstagmorgen. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Im Festzelt auf dem Unterlehn spielten die Engadiner Ländlerfründe. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Im Festzelt auf dem Unterlehn musizierte das Akkordeonduo Wachter-Rutz. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Beim Fest kamen auch die Kinder auf ihre Kosten. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Auch die Kleinsten wagen ein Tänzchen mit den Grossen. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
6 Bilder

Jubiläum Haus der Volksmusik

Am Samstag wurde in Altdorf während fünfzehn Stunden musiziert. Die erste Formation trat bereits um 8.45 Uhr im Festzelt auf dem Unteren Lehnplatz auf. Und die letzte Ländlerkapelle spielte bis Mitternacht. Daneben wurden im Haus der Volksmusik Referate gehalten, und im Theater Uri wurden Crashkurse im Jodeln, «Chlefele» und Tanzen durchgeführt (siehe Box). Insgesamt kamen gemäss Organisatoren zwischen 1500 und 2000 Festbesucher.

«Ein absolutes Highlight»

«Natürlich hätten wir uns schöneres Wetter gewünscht», sagt OK-Präsident Josef Dittli. Doch trotz des starken Regens habe im Festzelt, im Haus der Volksmusik und im Theater Uri stets reger Betrieb geherrscht. Bereits am Samstagmorgen sei im Festzelt einiges los gewesen. «Wir dürfen wirklich zufrieden sein», sagt Dittli.

Gefeiert wurde aber bereits am Freitag. Am Nachmittag kam es zu einem Netzwerktreffen, an dem rund 100 Fachpersonen aus der Volksmusikszene teilnahmen. «Wir rechneten dabei mit rund 40 bis 50 Teilnehmern», sagt OK-Präsident Dittli. «Am Schluss kamen aber mehr als doppelt so viele Leute.» Am Freitagabend gingen dann die offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem Konzert im Theater Uri über die Bühne. Neben Persönlichkeiten aus der Musikszene und der Politik weilte auch Ruedi Matter, Direktor des Schweizer Radio und Fernsehens, unter den 260 geladenen Gästen. Und OK-Präsident Dittli schwärmte: «Das Jubiläumskonzert mit den Alderbuebe war ein absolutes Highlight.»

Konzerte kostenlos zugänglich

Während die offizielle Jubiläumsfeier nur für geladene Gäste war, konnten die übrigen Festaktivitäten von allen und ohne Ticket besucht werden. «Damit wollten wir der Bevölkerung etwas bieten und zurückgeben», sagt Dittli. «Diese Geste war aber nur möglich dank grosszügiger Sponsoren aus Wirtschaft, der öffentlichen Hand und Stiftungen.»

Unmusikalischer Redaktor zum Jodel-Crashkurs verdonnert

Elias Bricker mit vollem Einsatz beim Jodeln. (Bild Urs Hanhart)

Elias Bricker mit vollem Einsatz beim Jodeln. (Bild Urs Hanhart)

Ganz freiwillig bin ich nicht hier. Mein Chef (immerhin Ehrendirigent des Musikvereins Unterschächen) und sein Stellvertreter (ein begnadeter Handörgeler) haben mich dazu verknurrt, am Volksmusikfest einen Jodelkurs zu besuchen. Dabei bin ich total unmusikalisch. Bereits nach zwei Jahren Blockflöten-Unterricht habe ich musikalisch kapituliert, und heute stimme ich jeweils nur noch äusserst widerwillig unter dem Christbaum meiner Eltern Weihnachtslieder an. Doch genau deshalb bin ich wohl in den Augen meiner Redaktionskollegen das ideale Opfer. Denn sie wollen sehen, was ein total unmusikalischer Mensch wie ich nach einem einstündigen Crashkurs zu Stande bringt. Das erklärte Ziel meiner Kollegen ist ein «Kuckucksjodel» à la Melanie Oesch. Doch ich befürchte, dass es am Schluss eher so rauskommt wie jeweils bei den Schweizern am Eurovision Song Contest: zero Points. Glücklicherweise ist den anderen 25 Kursteilnehmern ähnlich mulmig zu Mute. «So richtig gejodelt habe ich noch nie», sagt eine Frau. Und der Mann hinter ihr ergänzt: «Ich habe höchstens schon mal im Ausgang gejohlt.» «Vielleicht wäre es ja wirklich besser gewesen, wir hätten zuvor noch ein Schnäpschen genommen», denke ich. Denn eine gewisse Hemmschwelle ist bei der Gruppe zu Beginn deutlich spürbar.

Die Kursleiterin, die bekannte Jodlerin Franziska Wigger, setzt die Messlatte von Anfang an hoch. Mit einem virtuosen Intro zeigt die Entlebucherin, was alles möglich wäre, und stimmt dabei nicht nur volkstümliche, sondern auch jazzig-fetzige Jodeltöne an. Beim Jodeln kommt es vor allem auf den Wechsel der Kopf- und Bruststimme an. «Damit haben selbst viele gute klassische Sänger ihre Mühe», verrät Franziska Wigger. Jodeln sei eben eine ganz andere Disziplin als Operngesang. Das muntert mich auf.

«Ich liebe die Innerschweiz»
Nach mehreren Gesangsübungen tönt unser 25-köpfiges Chörli, das mehrheitlich aus Frauen besteht, schon ganz ansprechend. Und wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, treffe selbst ich die ganz hohen Töne gar nicht so schlecht. Zum Abschluss versuchen wir, den «Schuler-Buben-Jodel» zu singen – mehrstimmig versteht sich. «Ihr hättet alle ein Diplom verdient», lobt uns Franziska Wigger. Trotz des Lobes muss ich mir aber nach dem Kurs eingestehen, dass es für Melanie Oeschs «Kuckucksjodel» wohl noch mehr Übung brauchen würde.

Anschliessend – nach dem Jodelkurs davon überzeugt, dass ich doch ein bisschen Musiktalent habe – besuche ich den Crashkurs «Chlefele, Löffele, Bäsele». Die Hemmschwelle scheint viel weniger hoch zu sein als beim Jodelkurs. Das Foyer im Theater Uri ist halb voll. Ob das an den träfen Sprüchen des Kursleiters Röbi Kessler liegt? Denn dass «Chlefele» einfacher ist als Jodeln, bezweifle ich. Bereits nach wenigen Minuten schmerzen meine Arme. Zudem rutschen mir die «Chlefeli» ständig aus den Fingern. «Das kann wohl jedes Schulkind besser», denke ich. Deshalb lasse ich die «Chlefeli» entnervt liegen und trotte zum nächsten Kaffeestand. Dem jungen Volksmusik-Fan aus dem Unterwallis schien das Ganze mehr Spass zu machen: «C’est cool. Ich liebe die Innerschweiz.»

Elias Bricker

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