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ALTDORF: Vorerst keine Kameras im Hallenbad in Altdorf

Um die Sicherheit in Schwimmbädern zu gewährleisten, brauchen Bademeister Hilfe. Die Eltern der Kinder werden in die Pflicht genommen, mehr Verantwortung zu tragen.
Jessica Bamford
Bruno Arnold, Geschäftsleiter des Schwimmbades Altdorf (links), und Bademeister Philipp Baumann zeigen die Verhaltensregeln am Sprungturm.Bild: Jessica Bamford (Altdorf, 19. Oktober 2016)

Bruno Arnold, Geschäftsleiter des Schwimmbades Altdorf (links), und Bademeister Philipp Baumann zeigen die Verhaltensregeln am Sprungturm.Bild: Jessica Bamford (Altdorf, 19. Oktober 2016)

Bruno Arnold erinnert sich genau an einen Fall im Schwimmbad Altdorf: «Eine Tagesmutter hat mit zwei Kindern gebadet. Sie sind auf die Toilette gegangen. Dort hat sie den Kindern die Schwimmhilfen ausgezogen. Als sie nur auf ein Kind schaute, ging das andere auf die Rutschbahn. Wir fanden es im Nicht-Schwimmer-Becken. Am Boden. Wir reanimierten es. Nach zwei Tagen ging es dem Kind wieder gut.»

Eltern übernehmen zu wenig Verantwortung

«Jeder Unfall ist einer zu viel», sagt Bruno Arnold. «Für mehr Sicherheit scheuen wir keinen Aufwand», so der Geschäftsführer des Schwimmbads Altdorf. «Wenn so etwas bei uns geschieht, frage ich mich, was besser werden kann.» Es sei nicht fehlende Sicherheit schuld: «Wir haben durchschnittlich 500 Gäste täglich. Kein Bademeister kann alle im Auge behalten.» Deshalb müssen auch die Eltern oder Begleitpersonen Verantwortung für Kinder übernehmen. «Nur so können wir optimale Sicherheit gewährleisten.»

Das sei heute leider nicht immer gewährleistet. Im Gegenteil. «Sie sind nicht gewillt, alle Vorschriften einzuhalten», weiss Arnold aus Erfahrung. So sei die Durchsetzung der Regeln nicht immer einfach. «Viele Eltern nehmen ihre Kinder zum Beispiel mit ‹Flügeli› ins Sportbecken oder lassen ihre Kinder alleine ins Wasser. Und das, obwohl die Kinder nicht gut schwimmen können.» Auf Ermahnungen der Bademeister würden Eltern oft aggressiv reagieren. «Ich luägä ja scho!», sei eine Antwort, die man oft zu hören bekomme. «Die Regeln sind zur Sicherheit der Badegäste da und sollten deshalb unbedingt eingehalten werden!»

Bruno Arnold erklärt: «Verstösst jemand gegen die Regeln, so weist ein Bademeister sie darauf hin. Verändern sie ihr Verhalten nicht, werden sie aus dem Bad geschickt. Bei schlimmen Verstössen kann sogar die Polizei eingeschaltet werden.»

Kampagne zur Sensibilisierung

Um die Erwachsenen an ihre Pflicht zu erinnern, hat der Verband Hallen- und Freibäder eine Kampagne lanciert. Der Slogan macht nachdenklich: «Wir lieben Ihr Kind – Sie auch! Wir tragen Verantwortung – Sie auch! Deshalb versuchen wir möglichst gut auf Ihr Kind aufzupassen – Sie auch?» So will man Eltern zu umsichtigerem Verhalten bewegen.

Ab Januar gelten strengere Vorschriften

Die Sicherheitsvorschriften in Altdorf möchte Bruno Arnold nicht ändern. Schwerwiegende Unfälle seien meistens ein Zusammenspiel von Zufällen. Deshalb könne daraus nicht auf Lücken bei den Sicherheitsvorkehrungen geschlossen werden. Bruno Arnold beteuert: «Wir sind immer auf dem neusten Stand der Vorschriften, die uns der Verband auferlegt.» Am 1. Januar werden wiederum neue Vorschriften in Kraft treten, die eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen bedeuten werden. Geschieht trotzdem etwas, ist das Schwimmbad mit einem ausgefeilten Notfall- und Rettungskonzept ausgerüstet. An mehreren Orten gibt es Alarmknöpfe, und der Badmeister leistet, notfalls mit Hilfe eines Defibrillators erste Hilfe.

Wirkung des Alarms soll nicht abgeschwächt werden

Die Installation eines Unterwasser-Detektionssystems wurde wiederholt aufgegriffen. In Altdorf wird jedoch mit Abklärungen zugewartet, bis die Systeme technisch ausgereifter sind und weniger Fehlalarme auslösen. Heute kann das System sitzende Personen nicht von Ertrinkenden unterscheiden. Gerade im Nichtschwimmer-Becken, wo die meisten Unfälle passieren, setzen sich viele Gäste hin. «Zu viele Fehlalarme führen dazu, dass das System nicht mehr ernst genommen wird. Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen», sagt Arnold.

Die bisher ergriffenen Sicherheitsmassnahmen sind offenbar wirksam. In Altdorf gab es in den vergangenen 10 Jahren nur vier schwerere Unfälle. «Wenn man die Augen offen hält, sollte also nicht viel passieren», so Arnold.

Psychologische Betreuung für Mitarbeiter

Im Schwimmbad Altdorf mussten auch schon Badegäste reanimiert werden. «Wenn so etwas passiert, macht das einen betroffen», so Arnold. Bei schlimmen Unfällen können die Mitarbeiter sich in einem Debriefing mit Rettungssanitätern austauschen – eine wichtige Massnahme zur Verarbeitung. «Ich habe dazu sehr positive Rückmeldungen erhalten», so Arnold. «Sie helfen meinen Mitarbeitenden und mir, weiter zu arbeiten.»

Die Mitarbeiter des Schwimmbads Altdorf sind gut ausgebildet. Bei in- und externen Kursen werden sie auf alle Arten von Problemen vorbereitet, die im Schwimmbad auftreten können. Seien es Gewalttätigkeiten oder Notsituationen im Becken. Dafür besuchen sie jedes Jahr Kurse des Verbands sowie einen Auffrischungskurs der Schweizerischen Lebensretter-Gesellschaft. An diesen Kursen geht man auf Fälle ein und bespricht mögliche Verbesserungen. Ausserdem werden in diesem Rahmen Statistiken erhoben, um zu ermitteln, wo im Bad die meisten Unfälle passieren. Auf diese Punkte, wie zum Beispiel den Sprungturm, legen die Bademeister dann ein Augenmerk.

Tipps fürs Hallenbad

Wer mit Kindern ins Schwimmbad geht, sollte sich folgende Punkte zu Herzen nehmen, um Unfälle zu vermeiden:

  • Kleinkinder sollten immer in Griffnähe sein.
  • Kinder sollte man immer im Auge behalten.
  • Anweisungen des Bademeisters sollten befolgt werden.
  • Kinder mit Schwimmhilfen sollten nur in seichten Becken sein.
  • Kinder sollten weder mit leerem noch mit vollem Magen schwimmen.
  • Bei Hitze sollten Kinder vor dem Schwimmen abkühlen.

Jessica Bamford

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