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ALTDORF: Vorsorge ist besser als Heilen

Was ist zu tun, wenn eine Person nicht mehr selber für sich entscheiden kann? Darüber referierte am Montagabend Rechtsanwalt Martin Boltshauser von Procap Schweiz im «Phönix» Altdorf.
Robi Kuster
Peter Wipfli, Präsident Procap Uri (links), und Martin Boltshauser von Procap Schweiz. (Bild: ku (Altdorf, 19. 6. 17))

Peter Wipfli, Präsident Procap Uri (links), und Martin Boltshauser von Procap Schweiz. (Bild: ku (Altdorf, 19. 6. 17))

Robi Kuster

redaktion@urnerzeitung.ch

Procap Uri und die Konferenz für Behindertenfragen KoBUR setzen sich für Menschen mit Behinderung ein. Der Schutz dieser Benachteiligten ist besonders wichtig, und deshalb galt das Thema am Montagabend im «Phönix» dem Kinder- und Erwachsenenschutzrecht. Rund 40 Personen besuchten die interessante Veranstaltung, um sich in heiklen Fragen bezüglich Hilfe Schutz­bedürftiger zu informieren. Das rund zweistündige Referat war zwar für die Anwesenden bei der heissen Witterung anstrengend, aber überaus nützlich. Martin Boltshauser, Rechtsanwalt von Procap Schweiz, verstand es, mit konkreten Beispielen und fachlichem Wissen einige Probleme aufzugreifen und Lösungen vorzuschlagen.

Die Kesb sei in letzter Zeit zu Unrecht in die Kritik geraten und zu einem eigentlichen Reizwort geworden, meinte er. Der Grund habe oft in der Ungewissheit bestanden. Es gelte nun, Klarheit zu schaffen. Martin Boltshauser arbeitet seit 20 Jahren als Anwalt im Rechtsdienst bei der Procap Schweiz. Schlimme Einzelfälle habe es schon früher gegeben, erklärte er. Es gelte heute, nicht voreingenommen zu sein, denn das Gesetz schreibe klar vor, wie die Rechte der Schutzbedürftigen seien und wie dieser Schutz zu gewährleisten sei.

Wer vernunftgemäss handeln und verstehen kann, worum es geht, und die Tragweite und Konsequenzen seines Handelns begreifen kann, ist urteilsfähig.

Vorsorgen, solange man noch urteilsfähig ist

Doch bis zur Urteilsunfähigkeit gibt es viele Nuancen und Einzelfälle, die immer zum Schutze dieses Menschen gelöst werden müssen. Ob die Kesb immer das richtige Mittel findet, bleibt offen. Es wären aber noch viele andere Wege möglich, wenn man selber einen Vorsorgeauftrag oder eine Patientenverfügung machen würde, solange man noch voll urteilsfähig ist.

«Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, in der er selber nicht mehr urteilsfähig ist», sagte Boltshauser. Erst dann beginnen die Schwierigkeiten für die Familie, den Ehepartner, die Kinder und die Eltern. Die meisten der Anwesenden am Montagabend waren zwar mit einem Menschen mit Behinderung persönlich betroffen.

Art der Beistandschaft muss geklärt werden

Wer aber den Ausführungen des Referenten aufmerksam folgte, musste feststellen, dass eine Vorsorgeregelung und eine Patientenverfügung auch für alle andern sehr wichtig wären, bevor eine Behörde eingreifen muss. Martin Boltshauser zeigte auf, wie eine solche Vorsorge getroffen wird und wie hilfreich sie sein könnte, wenn jemand plötzlich urteilsunfähig werden sollte. Die Procap ist zwar auch Beratungsdienst für Versicherungen und andere Fragen bei Menschen mit einer Behinderung. Wenn es aber um die Vorsorge über das Erwachsenwerden des Kindes hinaus geht, gibt es noch viele andere Fragen zu beantworten. Es muss geklärt werden, welche Art von Beistandschaft am besten zum individuellen Bedarf an Unterstützung passt. Das neue Recht mit der Selbstbestimmung ist komplexer geworden. Es soll nur so viel Einfluss genommen werden wie nötig. Die Vorsorge betrifft die Person, das Vermögen und den Rechtsverkehr. Man unterscheidet heute Begleitbeistand, Vertretungsbeistand, Mitwirkungsbeistand und umfassenden Beistand. Bei der Suche nach dem richtigen Beistand ist sicher die Kesb Ansprechpartner.

Der Informationsabend konnte nicht für alle Fälle Lösungen aufzeigen. Er konnte aber beitragen, das neue Recht mit den positiven Aspekten der Selbstbestimmung besser zu verstehen und auch die nötigen Lehren daraus zu ziehen. Der eine oder andere Anwesende wird sich gefragt haben, ob er nicht eine Vorsorge oder eine Patientenverfügung machen sollte, um für sich und seine Schutzbefohlenen gewappnet zu sein.

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