ALTDORF: Weiss wie ein Blatt Papier

Markus Lechthaler ist Coiffeur und Künstler in einem. Er sprayt kleine Kunstwerke auf die Gesichter der Fasnächtler. Dafür betreibt er einen grossen Aufwand.

Anian Heierli
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Markus Lechthaler, genannt Lechti, schminkt in seinem Coiffeursalon eine Kundin. Pro Fasnachtssaison bedient er rund 150 Leute. (Bild: Urs Hanhart / Neue  UZ)

Markus Lechthaler, genannt Lechti, schminkt in seinem Coiffeursalon eine Kundin. Pro Fasnachtssaison bedient er rund 150 Leute. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Markus Lechthaler aus Altdorf, besser bekannt als Lechti, hat zwei Reiche. Das erste Reich – der Coiffeursalon – steht gut sichtbar an der Dätwylerstrasse. Das zweite Reich ist verborgen: Seine Theaterwerkstatt liegt unter dem Coiffeursalon und damit auch unter dem Boden. An der Wand türmen sich Farben. Es riecht nach Haarspray, Verdünner und Fixiermittel. Ein feiner Farbstaub schwebt in der Luft. In der Mitte des warmen Raums steht ein Holztisch, und überall hängen grosse Spiegel. In diesem zweiten Reich probiert Lechti seit 13 Jahren aus, wie man Fasnächtler am besten schminkt.

Wieder oben, im ersten Reich: Lechti greift zur Airbrushdüse. Es zischt. Weisse Farbe spritzt auf das Gesicht seiner Kundin – so lange, bis das Gesicht einem Blatt Papier ähnelt. «Weiss dient für jedes Motiv als Untergrund», sagt der Künstler. Später trägt er Violett und Blau auf. Darüber sprayt er diverse Blumenköpfe in knalligen Farben. Aufgetragen werden sie mit Schablonen. Das Thema laute Flower Power, sagt Lechti schmunzelnd. Und zum Schluss zieht er die feinen Details mit einem exklusiven Dachshaarpinsel nach. Der Grund: Dachshaar bleibt selbst dann, wenn es nass ist, steif.

Fantasie kennt keine Grenzen

Clowns malt Lechti besonders gerne. Denn dabei kennt seine Kreativität keine Grenzen. Er orientiere sich an den Farben des Kostüms und an den Wünschen der Kundschaft, erzählt der umgängliche Coiffeur. Es gibt ganz klassische Clowns – etwa der traurige, der musikalische oder der so genannte dumme August. Dieser ist am grossen Mund erkennbar. Man könne aber auch neue Clowns entwerfen, sagt Lechti. Dabei lässt er seiner Fantasie gerne freien Lauf.

Doch kommt nach einem Dutzend Clowns keine Langeweile auf? «Nein», sagt Lechti gelassen. «Jeder Clown ist anders und hat einen eigenen Charakter.» Deshalb mache er auch keine bestimmten Lieblingsmotive.

Mit gleichmässigen Bewegungen fährt der Künstler immer wieder über das Gesicht einer Kundin. Dabei darf die Düse niemals zu lange an einem Punkt ruhen. Sonst entstehen Tränen, respektive die Farbe läuft hinunter. Lechti hält kurz inne und sagt: «Ich achte sehr auf das Zusammenspiel von Druck und Abstand. Hinzu kommen die Unebenheiten des Gesichts.» Heisst: Je mehr Falten eine Person hat, desto komplizierter ist das Schminken.

Lange Vorbereitung

Seit 28 Jahren führt Lechti den Coiffeursalon an der Altdorfer Dätwyler­strasse. Längst fühlt sich der Mann mit österreichischen Wurzeln als Urner. Derzeit schminkt er die Fasnächtler gemeinsam mit der Tochter und einer Angestellten. Ein Knochenjob, denn pro Saison kommen 150 Leute. Und das will vorbereitet sein. Die drei üben jetzt schon seit September zusammen – ein immenser Aufwand für nur eine Woche Fasnacht. Die Kunden danken es mit ihrem Vertrauen und kommen immer. Doch seit kurzem ändere sich die Kundschaft, wie Lechti bemerkt. «Ich spüre das Aussterben der Guggenmusiken in Uri (Anm. der Red.: Unsere Zeitung hat am Montag darüber berichtet). Heute ­kommen deutlich weniger Vereine. Dafür bemale ich jetzt mehr Katzenmusiker.» Insgesamt benötigt er mittlerweile sogar mehr Farben als etwa vor drei Jahren.

Ein Lehrmeister für Fasnächtler

Lechti sprayt seine Kunden nicht nur an, er bringt ihnen in Kursen auch die neusten Airbrushtechniken bei. Dazu frischt er sein Wissen regelmässig auf. Seit ein paar Jahren kaufen viele Fasnächtler die Farben und die Ausrüstung im Internet. Und auch die Technik bringen sie sich online bei – und zwar mittels Lehrvideos. Dennoch empfiehlt Lechti jedem eine professionelle Beratung.

Malen als Hobby

In einem Nebenraum der Werkstatt unter dem Boden stehen Dutzende Bilder. Alle sind farbig und abstrakt, mit geraden Formen und Linien. Die Werke hat Lechti in seiner Freizeit selber gemalt. «Ich bin ein kreativer Kopf. In meinem Beruf braucht es diese Voraussetzung», sagt er.

Dann wendet er sich wieder seiner Airbrushmaschine zu. Schliesslich ist Fasnacht, und Lechti hat noch einiges vor.

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