ALTDORF: «Wir bieten Appetithäppchen an»

Programmleiter Alois Gabriel will Formationen aus allen Landesteilen zeigen. Er sagt, warum sich das Volksmusikfestival nicht nur an Traditionalisten richtet.

Interview Anian Heierli
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Über 600 Musiker verwandeln Altdorf am Volksmusikfestival in eine grosse Bühne. Die letzte Durchführung war 2012 (Bild). (Archivbild Neue LZ)

Über 600 Musiker verwandeln Altdorf am Volksmusikfestival in eine grosse Bühne. Die letzte Durchführung war 2012 (Bild). (Archivbild Neue LZ)

Über 600 Musiker spielen am diesjährigen Altdorfer Volksmusikfestival, das von 16. bis 18. Mai bereits zum dritten Mal stattfindet. Dann verwandeln 130 Formationen den Urner Hauptort in eine riesige Bühne. Nahezu zwei Jahre tüftelte Alois Gabriel am Programm. Dabei bekam er Unterstützung von diversen Volksmusikexperten. Im Interview erzählt der 63-Jährige, was ihm speziell wichtig ist.

Gerüchten zufolge findet das Volksmusikfestival dieses Jahr zum letzten Mal statt. Stimmt das?

Alois Gabriel: Nein. Was stimmt, ist, dass es nach dem Festival zu Rücktritten im Organisationskomitee kommen wird. Diese Posten müssen anschliessend neu besetzt werden. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, wie viel Freiwilligenarbeit dahintersteckt. Doch der Kanton, die Gemeinde Altdorf und das Haus der Volksmusik stehen diesem Anlass nach wie vor sehr positiv gegenüber. Und finanzielle Probleme gibt es bisher nicht. Bei den letzten zwei Ausgaben mussten wir keinen Gebrauch von der Defizitgarantie machen. Deshalb bin ich in Sachen Zukunft zuversichtlich.

Der Urner Kulturkalender ist voll. Sind Veranstaltungen wie das Festival Alpentöne oder das Blasmusikfestival eine grosse Konkurrenz?

Gabriel: In diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Es ist möglich, dass sich unser Publikum überschneidet, aber wir empfinden uns gegenseitig nicht als Konkurrenz. Der Rahmen und das Programm des Volksmusikfestivals unterscheiden sich stark von diesen beiden Veranstaltungen.

Wie meinen Sie das?

Gabriel: Das Festival Alpentöne etwa deckt eine andere und weiter gefasste Musiksparte ab. Dagegen haben wir den Anspruch, ein Volksmusikfestival zu sein, und konzentrieren uns nur auf diese Richtung. Gleichzeitig ist das Volksmusikfestival einzigartig ins Dorf integriert. Über 80 Formationen spielen dort auf und lassen im Dorfkern eine grosse Chilbi entstehen. Wer sein Instrument mitbringt, kann sich an den Stubeten gleich selbst beteiligen. Daneben gibt es auf den zwei grossen Bühnen Arena und «Schlüssel»-Saal ein Konzertprogramm, bei dem das Publikum sitzend zuhört.

Ist denn das Programm an einem reinen Volksmusikfestival nicht zu eintönig?

Gabriel: Auf keinen Fall. Die kleine Schweiz hat ein extrem vielfältiges Angebot an Volksmusik. In jeder Dialekt- und vor allem Sprachregion hat sich das Lied- und Musiziergut in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Deshalb zielt die Programmierung darauf ab, aus jedem Landesteil Formationen zu präsentieren. Am Festival werden 24 Themen aufgegriffen. Das reicht von der Jodlergruppe aus dem Toggenburg über das Urner Ländlertrio bis zur Tanzgruppe aus dem Unterwallis.

Wie gelingt es Ihnen, diese Vielfalt zu zeigen?

Gabriel: Das ist dank langer, intensiver Vorbereitung möglich. Wir haben das Programm bewusst mit Experten aller Sparten gestaltet. Wer das Altdorfer Volksmusikfestival besucht, erhält einen einzigartigen Überblick über die Schweizer Volksmusikszene. Wir bieten dabei allerdings nur Appetithäppchen an, damit die Lust auf mehr nicht ausbleibt. Neben bekannten Namen wie Engadiner Ländlerfründa, Hanneli-Musig, Oberbaselbieter Ländlerkapelle oder Doppelbock aus dem Zürcherischen stehen auch viele Neuentdeckungen auf dem Programm. Und auch bei den traditionel- len Tanznächten spielen Bekanntheiten auf. Es sind dies die Kapellmeister Dani Häusler, Markus Flückiger, Res Schmid und Fredy Hess mit ihren Formationen.

Ist das Festival nur etwas für Traditionalisten?

Gabriel: Nein, ganz und gar nicht! Im Rahmenprogramm hat die traditionelle Volksmusik zwar ganz bewusst einen sehr grossen Stellenwert. Im Konzertprogramm gibt es aber auch viel Neues, Innovatives zu entdecken. Hinzu kommt noch eine französische Überraschung.

Verraten Sie sie!

Gabriel: (lacht) Zurzeit lebt in Frankreich die Bal-Folk-Szene auf und schwappt in die Schweiz über. Das ist eine neue Form von Gemeinschaftstanz, bei der sich Jung und Alt zu meist traditionell keltischer Musik bewegt. Am Samstagabend lassen wir mit einer Formation aus Frankreich, geführt von einer Zürcher Tanzleiterin, den ersten Urschweizer Bal-Folk über die Bühne gehen.

Können auch die Fesitvalgäste dazu tanzen?

Gabriel: Kein Problem. Die Tänze sind einfach. Man kann ohne Vorkenntnisse nach spätestens 10 Minuten problemlos mithalten.

Spielen Sie am Festival selber mit?

Gabriel: Kaum. Vielleicht streiche ich spontan irgendwo einmal den Bass. Doch in erster Linie nutze ich meine Zeit, um möglichst viel zu hören und zu sehen.