ALTDORF: Züst sieht Risiken in einer gesetzlichen Kulturförderung

In Uri gibt es kein Kulturförderungsgesetz. An einer Veranstaltung im Haus für Kunst Uri wurde deutlich, dies ist nicht nur ein Nachteil.

Markus Zwyssig
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«Von ‹super› bis ‹miserabel› habe ich alles gehört.» Markus Züst, Baudirektor. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ (Archiv))

«Von ‹super› bis ‹miserabel› habe ich alles gehört.» Markus Züst, Baudirektor. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ (Archiv))

Für den Urner Baudirektor Markus Züst eilt es nicht, bis der Kanton Uri eine gesetzliche Grundlage zur Kulturförderung erhält. Bei öffentlichen Bauten beim Kanton, aber auch bei vielen Gemeinden – wie beispielsweise Altdorf – sei es schon seit längerem gang und gäbe, dass man rund 1 Prozent für die Kunst am Bau aufwende. Ein Gesetz könnte da kontraproduktiv sein. «In der Politik eine solche Regelung durchzubringen, das ist wahrscheinlich in der heutigen Zeit gar nicht so einfach», so Züst. Bei einem Scheitern einer neuen gesetzlichen Grundlage würde die Situation für die Kunst am Bau verschlechtert, und es stünde weniger Geld zur Verfügung. Kunst am Bau beschäftigt. Das wurde gestern Vormittag im Haus für Kunst Uri deutlich. Rund 40 Personen waren zur Veranstaltung gekommen. Der Berufsverband visueller Künstler, Visarte Zentralschweiz, hatte zu einer Diskussion zum Thema eingeladen. Die Matinee in Altdorf ist Teil einer Reihe von sechs Fachgesprächen zu Kunst und Bau in der Zentralschweiz. Urner Künstlerinnen gaben einen Einblick in ihr Schaffen. «Wenn man Kunst am Bau realisiert, muss man auch ein bisschen Kleinunternehmerin sein», sagte Adriana Stadler. Sie hat beim Alters- und Pflegeheim Rüttigarten in Schattdorf im Aussenbereich eine grosszügige ornamentale Fläche gestaltet.

Lea Achermann zeigte am Beispiel ihrer Arbeit beim Schulhaus Isenthal auf, wie man trotz begrenzter Mittel Kunst am Bau realisieren kann. Maria Zgraggen stellte ihre Arbeit für das Schwerverkehrszentrum in Erstfeld vor. Zgraggen zeigte auf, dass es wichtig ist, Künstlerinnen frühzeitig miteinzubeziehen. «Oftmals ist die Zeit eindeutig zu kurz.» Zudem gäbe es zu viele Einschränkungen bei der Frage, was überhaupt realisierbar sei.

Kunst auf Kreiseln ist umstritten

Nicht immer stösst Kunst am Bau auf Verständnis. Das hat Markus Züst in den vergangenen Monaten wieder einmal miterlebt. Von «super» bis «miserabel» habe er als Reaktion auf die Kunst auf den Urner Kreiseln alles gehört. «Doch das gehört dazu, dass sich nicht immer alle einig sind.» Züst ist sich die Auseinandersetzung um Kunst gewohnt, so erinnerte er an das Kunstwerk des deutschen Bildhauers Ulrich Rückriem auf dem Altdorfer Lehn, das die Gemüter vor fast 20 Jahren stark erhitzte.

«Oftmals fehlts an Geld»

Trotz der Debatte ist für den Kulturbeauftragten des Kantons, Josef Schuler, klar: «Im öffentlichen Bewusstsein ist Kunst am Bau noch zu wenig verankert. Die Sensibilisierung dafür muss stärker werden.» Für Max Germann ist es wichtig, dass die Architektur die Kunst zum Thema macht. Erstaunt ist er darüber, dass die Künstler nicht frecher sind und von sich aus aktiv werden, um früher mit einbezogen zu werden. Moderator Pius Knüsel stellte die Frage, ob mit Kunst am Bau oftmals auch die Provokation bewusst gesucht werde. Barbara Zürcher, Direktorin im Haus für Kunst Uri, meinte aber, es werde vor allem die Freude an der Kunst gesucht und nicht das Spektakel. «Schliesslich geht es auch bei der Kunst am Bau darum, ein gutes Werk zu realisieren.» Zürcher betonte auch, dass oftmals wenig Geld zur Verfügung stehe. Daher sei es wichtig, dass man die Ausschreibung entsprechend günstig halte. Die Möglichkeiten zu Kunst am Bau sind begrenzt. Daher sei es wichtig, dass man den Urner Künstlern eine Chance gebe, so Züst. Es soll aber nicht ein Heimatschutz um jeden Preis werden. «Die örtlichen Kunstschaffenden müssen berücksichtigt werden. Trotzdem soll aber auch ein Rückriem möglich sein.»