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ALTDORF: Zwei Referate und ein «mucksmäuschenstiller» Saal

Alfred Heer und Roger Köppel luden am Donnerstagabend zu Vorträgen. Es ging um den Europarat und die EU. Die beiden Zürcher SVP-Nationalräte überzeugten auch Zuhörer, welche nicht Parteimitglieder sind.
Die EU- und die Schweizerflagge. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die EU- und die Schweizerflagge. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Man könnte meinen, wenn heimattreue SVP-Vertreter nach Uri reisen, um hier Vorträge über die EU und den Europarat zu halten, würde Wilhelm Tell inflationär oft erwähnt. Doch dem war vergangenen Donnerstagabend im Restaurant Höfli in Altdorf nicht so. Die Zürcher SVP-Nationalräte Alfred Heer und Roger Köppel verzichteten während ihrer Vorträge grösstenteils auf Tells Geschoss. Mit einer Ausnahme: Köppel erinnerte die etwa 60 Zuhörer in seinem Referat über die Europäische Union nur kurz an den Armbrustschützen.

Doch von vorne: Die Urner SVP hatte zu einem Abend mit den beiden Zürcher Parteiexponenten geladen. Thema: EU und Europarat – wie kaputt sind diese Institutionen? Die Stossrichtung war also klar. Zuerst stellte Alfred Heer den Europarat vor, in welchem er als Präsident der Schweizer Delegation Einsitz hat. Seiner Meinung nach ist der Rat «eine Schwatzbude», die keine wirklichen Sanktionsmöglichkeiten habe. Viele Ratsmitglieder seien ausserdem «korrupt». Heer kritisierte in seinem 20 Minuten dauernden Auftritt auch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser beschäftige sich lieber damit, ob in England Gefängnisinsassen wählen dürfen, anstatt ob in der Türkei Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Der 55-Jährige fand aber auch positive Worte. Der Europarat sei von den Grundsätzen her gut, «aber in der Praxis funktioniert er nicht». Es sei zudem gut, dass die Schweiz Einsitz habe. «Es ist aber wichtig, dass wir nicht jeden Seich mitmachen, der vom Europarat kommt.»

Seitenhiebe gegen Bundesräte und Ringier

Roger Köppel fokussierte in seinem Referat danach auf die EU. Er teilte dabei Seitenhiebe gegen alles aus, was ihm gerade einfiel: Bundesrätin Simonetta Sommaruga, der Ringier-Verlag («ein EU-Turboverlag») und der neue Bundesrat Ignazio Cassis waren nur einige seiner Ziele. Er wetterte zudem gegen versteckte EU-Freunde in der Schweiz und gegen den geplanten, «brandgefährlichen» Rahmenvertrag mit der EU. Quintessenz seiner Ausführungen war, dass «wir unabhängig bleiben müssen».

Der Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche» sprach ohne Manuskript und erzählte Anekdoten, etwa aus seiner Zeit als Chefredaktor der «Welt» in Deutschland. Er ging aber auch auf den Kanton Uri ein: «Sie müssen sich von jemandem aus dem Zürcher Kreis 5 doch nicht vorwerfen lassen, dass Sie nicht weltoffen seien. Uri ist mit dem Gotthard schon seit Jahrhunderten weltoffen.» Auch Wilhelm Tell wurde bezüglich EU kurz angesprochen.

Als gewiefter Rhetoriker zog Roger Köppel die Leute vom ersten Wort an in seinen Bann. Der Urner SVP-Präsident Pascal Blöchlinger bemerkte nach dem rund 40 Minuten dauernden Vortrag denn auch, dass es im Saal «mucksmäuschenstill» gewesen war. Eine Zuschauerin sagte danach, dass es sich «wirklich gelohnt hat, herzukommen». Und dies, obwohl sie in einem «eher linken» Umfeld arbeite und nicht SVP wähle. Andere Zuhörer zeigten sich vom Gehörten ebenfalls angetan. Parteipräsident Pascal Blöchlinger fügte nach der Fragerunde an, dass er zwar einige SVP-Mitglieder im Saal gesehen habe, doch seien auch ihm unbekannte Gesichter anwesend gewesen. Ein Abend also, der den Anwesenden auch (fast) ohne Wilhelm Tell in Erinnerung bleiben wird.

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

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