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ALTDORF: Zwei Theaterbegeisterte begegnen sich auf dem Rütli

Doris Walker und Eugen Gislers Lebenswege kreuzen sich mehrmals. Mit dem Theaterspielen verbinden beide eine ganz spezielle Faszination.
Florian Arnold
Im Bild: Schauspieler Eugen Gisler. Bei einem Theaterstück brauche er nicht lange, um sich zurechtzufinden. (Bild: F. X. Brun)

Im Bild: Schauspieler Eugen Gisler. Bei einem Theaterstück brauche er nicht lange, um sich zurechtzufinden. (Bild: F. X. Brun)

«Irgendwann in meinem Leben werde auch ich auf der Bühne stehen.» Das nahm sich Doris Walker schon in ihrer Kindheit vor. Doch es sollte lange dauern, bis sie diesem Wunsch würde nachgehen können. Die 55-Jährige erinnert sich genau. Als Kind gab es für sie ein Highlight im Jahr: die Aufführung des Volkstheaters in Unterschächen. «Ich habe mir immer vorgestellt, dass ich später einmal selber mitmachen würde.» Doch es kam anders.

Tellspiele: Zum dritten Mal dabei

Doris Walker heiratete früh, führte mit ihrem damaligen Mann einen Bio-Bauernhof in Erstfeld und zog fünf Kinder gross. «Ich habe alles mit Herzblut gemacht.» Doch mit knapp 50 sehnte sie sich nach einer Veränderung. «Ich habe nochmals meinen eigenen Weg gewählt.» Zu jener Zeit suchte Regisseur Volker Hesse Darsteller für die Tellspiele 2008. «Ich hatte Lust, das auszuprobieren. Und am ersten Tag hat es mir schon den Ärmel reingezogen.» Nun ist sie bereits bei der dritten Inszenierung dabei – diesmal unter der Regie von Philipp Becker. «Ich finde es sehr bereichernd, mit einem professionellen Regieteam arbeiten zu können. Man lernt, wie man sich sicher und ausdrucksstark und doch authentisch auf der Bühne bewegt.»

Was hinter der Kulisse geschieht

Ein Theaterspieler aus Leidenschaft ist auch Eugen Gisler geworden. «Gotthardbahn», «Suworow», «Aladdin», «Mary, die Zaubernanny»: Der 50-Jährige lässt keine Gelegenheit aus, um auf der Bühne zu stehen. Bei «Tell» ist er nun ebenfalls schon das dritte Mal dabei. «Ich mache einfach gerne Theater», sagt Gisler. Ihm gefalle die «Aufmachung». Es sei spannend, mitzuerleben, was hinter den Kulissen passiere. Und einen besonderen Draht hat er zu allen Mitspielern und den Produktionsmitgliedern. Sie seien wie eine Familie für ihn.

Wenn Eugen Gisler nicht gerade auf der Bühne steht, arbeitet er in der Stiftung Behindertenbetriebe Uri (SBU) in Schattdorf am Buffet sowie im Service und wohnt in einer begleiteten Gruppe. Daneben zählt er das Reisen zu seinen Hobbys: Am liebsten nach Luzern und Zürich – oder an den Aufzeichnungsort des «Donnschtig-Jass». «Mich fasziniert, wie so eine Sendung gemacht wird.» Ansonsten sei er auch zwischendurch als DJ aktiv – natürlich nur dann, wenn auch Publikum da ist.

Frau in einer Männerrolle

Bei den Tellspielen konnte Eugen Gisler schon verschiedenste Rollen spielen. Beim Apfelschuss war er genauso dabei wie bei der Rütli-Szene. Dieses Jahr trifft er dort auch auf Doris Walker. «Eine Frau auf dem Rütli: Ich weiss nicht, ob das allen Urnern so passt», meint sie. Die Erstfelderin schlüpft in die Rolle des Ambüel von Nidwalden, also eines Mannes. «Es ist sehr spannend, bei der Szene dabei zu sein, wo sich die drei Länder zu einem zusammenschliessen», schwärmt Walker. «Sie beschliessen, zueinander zu halten, und vermitteln die Botschaft, dass auch die Schwachen etwas erreichen können.» Denn Tell sei nicht die Geschichte eines einzelnen Helden. «Ohne ein Volk, das am gleichen Strick zieht, hätte Tell nichts bewirkt. Darum ist die Geschichte auch bis heute aktuell.» Auf der ganzen Welt gebe es immer wieder solche Freiheitskämpfe.

Beruflich neu orientiert

«Für mich bedeutet Freiheit, über das eigene Leben selber entscheiden zu können», sagt Walker. «Aber das geht nur so weit, wie man noch aufeinander Rücksicht nehmen kann.» Totale Freiheit gebe es wohl für niemanden. Aber es gelinge ihr immer öfter. 2010 nahm sich die damals 49-Jährige die Freiheit heraus, sich beruflich nochmals neu zu orientieren. Sie begann die Ausbildung zur Naturheilpraktikerin. Heute empfängt sie Klienten in einem privaten Praxisraum. Doch damit nicht genug: Seit vier Jahren hat sie auch einen Job in der SBU als Betreuerin auf einer Wohngruppe. «Bei den Tellspielen ist Doris eine Theaterkollegin für mich», erklärt Eugen Gisler, «in der SBU unterstützt sie mich als Betreuerin.» Auf der Bühne sei Eugen Gisler absolut selbstständig, betont Doris Walker. «Zwischendurch kommt es vor, dass er bei mir kurz nachfragt oder ich schaue, dass seine Kleider richtig sitzen», so Walker. Bei einem neuen Theaterstück brauche er nicht lange, um sich zurechtzufinden, sagt Eugen Gisler. «Meistens habe ich das sofort drin nach den ersten Proben.» Er wisse genau, was zu tun sei.

Theater lässt Ungeduldetes zu

«Auch wir können immer wieder etwas von den sogenannt Behinderten lernen», sagt Doris Walker. So staune sie oft über deren Flexibilität. «Die Bewohner müssen sich immer wieder auf neue Situationen und Betreuer einstellen.» Die Menschen mit Behinderung seien aber vor allem ehrlicher und echter als die «sogenannt Normalen», wie es Walker ausdrückt. Ihnen falle es leichter, Emotionen zu zeigen. «In unserer Gesellschaft wird das oft nicht geduldet», weiss Walker. Im Theater sei dies aber anders. «Hier kann auch ich alles rauslassen, was in mir steckt.»

Nur noch wenige Tage bleiben den Tellspielern: Am Samstag ist Premiere. Danach gibt es 25 Vorstellungen. «Die Aufführungen sind eigentlich nur noch das Dessert», sagt Doris Walker, die seit Februar in der Probenarbeit steckt. Auch Eugen Gisler kann es kaum noch abwarten: «Es ist schön, wenn man vor dem Publikum spielen kann. Wenn das Publikum mitmacht, ist das viel anders als bei den Proben.» Und der Applaus? «Das ist sicher der Lohn für die Arbeit», sagt Doris Walker. Und Eugen Gisler ergänzt: «Ich habe gerne Applaus. Er begeistert mich und gibt mir wieder Motivation fürs nächste Mal.»

Florian Arnold

Hinweis

Die Premiere der Tellspiele 2016 findet am Samstag, 20. August, im Theater Uri in Altdorf statt. Die Spielsaison dauert bis am 22. Oktober. Weitere Infos im Internet: www.tell16.ch

Doris Walker ist bereits zum dritten Mal bei den Tellspielen dabei. (Bild: F. X. Brun)

Doris Walker ist bereits zum dritten Mal bei den Tellspielen dabei. (Bild: F. X. Brun)

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