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ALTDORF: Zweifache Motivation sorgt für spannenden Lesestoff

Martina Wüthrich und Carla Biasini teilen sich den Chefposten bei der Urner Kantonsbibliothek. Jobsharing heisst das Erfolgsmodell.
Martina Wüthrich (links) und Carla Biasini glauben trotz Internet an die Zukunft des Buches.

Martina Wüthrich (links) und Carla Biasini glauben trotz Internet an die Zukunft des Buches.

Da staunte der Stiftungsrat der Kantonsbibliothek wohl nicht schlecht, als dieses Dossier ins Haus flog. In der Bewerbung, die auf die 100-Prozent-Stelle als Bibliotheksleitung eingereicht wurde, standen gleich zwei Namen: Martina Wüthrich, 32, aufgewachsen in Erstfeld, und Carla Biasini, 29, aufgewachsen in Bürglen. «Wir wollten die Stelle entweder gemeinsam oder gar nicht», erzählt Martina Wüthrich. Mit dieser klaren Vorstellung überzeugte das Duo offenbar. Seit Juni sind die beiden Frauen die neuen Chefinnen der Kantonsbibliothek. Sie zählen damit zu den Ersten, die in einer Kaderposition beim Kanton in einem Jobsharing angestellt sind. «Bis jetzt haben wir unsere Entscheidung in keinem Moment bereut», sagt Carla Biasini.

Mehr Kreativität, mehr Wissen

Zwei Bildschirme sind auf dem langen Schreibtisch befestigt, daneben steht ein rundes Besprechungstischchen mit zwei Stühlen, darauf ein Wasserkrug und zwei Gläser. Das Reich der beiden Chefinnen ist ganz auf das Duo ausgerichtet. «Zwei Köpfe sind eben besser als nur einer», sagt Martina Wüthrich. Es seien mehr Kreativität und mehr Wissen vorhanden. Ein gemeinsamer Job bedeutet aber auch, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. «Wir kommunizieren sehr viel miteinander», hält die 32-Jährige fest. «Aber es geht sicher nur, wenn die Beziehung stimmt und man sich sehr gut kennt.» Und Carla Biasini ergänzt: «Wir wussten von Anfang an, dass wir als Team gut funktionieren.»

Ein Team, das aus zwei Individuen mit unterschiedlichem Hintergrund besteht. So haben denn die beiden ­Frauen auch ihre Aufgabengebiete so weit wie möglich untereinander aufgeteilt. Wüth­rich ist Budgetverantwortliche, kümmert sich um die Sachbücher und ist zuständig für die Sammlung von sogenannten Uraniensia, also Medien von Urnern und über Uri. Biasinis Welt ist die Belletristik, sie ist Personalchefin und Verantwortliche für die digitalen Medien. Auch die Arbeitszeit ist aufgeteilt: Im Büro treffen sich die beiden nur am Mittwochnachmittag. Kennen gelernt haben sich die beiden Frauen erst zum Schluss ihrer Studienzeit.

Ein Kind und viele Projekte

Carla Biasini belegte an der Universität Romanistik und Germanistik. Martina Wüthrich absolvierte das Lehrerseminar, entschied sich dann aber, Anglistik und Sozialanthropologie zu studieren. Getroffen haben sich die beiden dann bei ihren Nachdiplomstudien an der Fachhochschule in Chur. Nach dem Studium war für Wüthrich klar, dass für sie keine 100-Prozent-Stelle in Frage kommen ­würde. «Ich habe einfach nebenbei ­einige Projekte am Laufen, in die ich auch viel Energie und Zeit investieren will.» Bei Biasini ist es das Familienglück, das sie vom Vollzeitjob abhält: Vor ein paar Monaten kam ihr erstes Kind zur Welt. Die Idee der gemeinsamen Bewerbung war deshalb schnell geboren, und auch das Umfeld unterstützte sie dabei.

«Für uns ist es eine einmalige Gelegenheit, eine Stelle zu besetzen, die unserem Ausbildungsniveau entspricht», sagt Wüthrich. Doch nagt die gemeinsame Arbeit nicht an der Freundschaft? «Nein», sagen beide und beginnen zu schmunzeln. «Wir waren sogar zusammen in den Ferien», verrät Biasini. «Aber wir haben praktisch nicht über die Arbeit gesprochen.»

Internet als Konkurrenz

Die Welt der Medien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant ge­wandelt. Wer Informationen benötigt, braucht nicht mehr in den 20-bändigen Nachschlagewerken in der Bibliothek zu suchen. «Das Internet ist sicher eine Konkurrenz für uns», weiss Biasini. Trotzdem seien die Ausleihzahlen erfreulich stabil. «Die Bibliothek ist eben mehr als nur ein Ort, wo man Medien ausleihen kann», sagt die Urnerin. «Hier trifft man sich, redet miteinander und trinkt gemeinsam einen Kaffee. So ist die Bibliothek immer mehr ein Begegnungsort.» Man bleibe aber nicht stehen, betonen die beiden Bibliothekarinnen. Für neue Medien werden Beratungen angeboten. Einmal im Monat wird der Umgang mit E-Readern oder Tablets erklärt – denn über die Kantonsbibliothek können auch Bücher online ausgeliehen werden. Daneben sind auch Hörbücher und DVDs nach wie vor sehr beliebt.

Das Buch ist aber für beide Bibliothekarinnen das beliebteste Medium. Biasini liest jeden Abend vor dem Einschlafen, mit Vorliebe Krimis. Wüthrich hingegen komme nur selten zum lustvollen Lesen, dann aber schnappe sie sich am liebsten einen Roman. Von einem sind beide überzeugt: «Auch in fünfzig Jahren wird man noch Bücher lesen.» Dass jederzeit eine spannende Auswahl zur Verfügung steht, dafür sorgt das junge Team – und das mit zweifacher Motivation.

Florian Arnold

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