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ALTDORF/ROTKREUZ: René Arnold strampelt für mehr Familienzeit

Der 45-jährige René Arnold legt die 94 Kilometer Arbeitsweg einmal pro Woche mit dem Velo zurück. Er bleibe dadurch sportlich fit, geniesse einzigartige Naturschauspiele und spare erst noch etwas Geld – so die Beweggründe des Altdorfers.
Florian Arnold
René Arnold: «Man ist deutlich wacher bei der Arbeit als sonst.» (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 3. August 2017))

René Arnold: «Man ist deutlich wacher bei der Arbeit als sonst.» (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 3. August 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Die Schweizer sind ein Volk von Pendlern. Von den 2,7 Millionen Arbeitnehmern, die nicht in der Gemeinde arbeiten, in der sie wohnen, benützt die Hälfte das Auto. Immerhin 7 Prozent aller Pendler schwingen sich aufs Velo, wie das Bundesamt für Statistik 2015 ermittelt hat. An sich also nichts Aussergewöhnliches, dass auch René Arnold ein Velopendler ist. Doch sein Arbeitsort liegt nicht einfach nur um die Ecke. Er arbeitet bei Roche Diagnostics in Rotkreuz, über 45 Kilometer von seiner Wohnung in Altdorf entfernt. In den wärmeren Monaten legt der Urner den Weg mindestens einmal pro Woche auf dem Velo zurück.

«Ich werde oft gefragt, ob ich verrückt sei», sagt Arnold und ergänzt mit einem Schmunzeln: «Einen Flick ab haben muss man sicher.» 94 Kilometer sind es hin und zurück, auf denen er 700 Höhenmeter überwindet. 1 Stunde und 40 Minuten benötigt er für einen Weg. «Das sind nur 10 Minuten länger, als wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen würde», relativiert der Altdorfer. Auf diese Weise spare er ein ­wenig Geld. Etwas zählt jedoch mehr für ihn: «Die Zeit, die ich sonst nach der Arbeit für Sport benötigen würde, kann ich jetzt mit meiner Familie verbringen», so der Vater von zwei Kindern im Vorschulalter. Bei seinem Unterfangen sei eines zentral: Selbstdisziplin. Denn um pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen, heisst es früh aufstehen. Um 4.15 Uhr klingelt der Wecker. «Wichtig ist, dass ich am Vorabend alles bereitgelegt habe», sagt Arnold. «Die Verlockung ist gross, im Bett zu bleiben.» Um 4.45 Uhr geht die Reise los. «Um diese Zeit hat es auf der Axenstrasse noch wenig Verkehr», erklärt Arnold. Von Brunnen weg steuert er Richtung ­Lauerzersee und dann dem ­Zugersee entlang.

Mit spektakulären Szenen belohnt

«Es ist eine wunderschöne Strecke», schwärmt Arnold. Und in den frühen Morgenstunden ­könne man manchmal unverhofft spektakuläre Szenen erleben. «Ein Sonnenaufgang am Zugersee ist einfach eindrücklich», so Arnold. Und er habe auch schon neben der Axenstrasse Rehe oder Greifvögel gesehen, die man bei viel Verkehrs niemals zu Gesicht bekomme. In Erinnerung geblieben ist ihm auch eine Ente am Lauerzersee, die gerade mit einem riesigen Fisch im Schnabel dahinstolzierte. «Normalerweise lege ich die Strecke ohne Pause zurück», sagt Arnold. «Nur manchmal muss ich für ein Foto anhalten.»

In Rotkreuz angekommen, belohnt er sich mit einer «Schoggimilch» und zwei Brötchen – seine erste Mahlzeit am Tag. Nach einer Dusche fühle er sich nicht etwa müde. «Man ist deutlich wacher bei der Arbeit als sonst», verrät der Maschinentechniker. Abends gehe er vielleicht etwas früher schlafen. Durch die Velofahrt sei er aber ausgeglichener: «Man hat auf diese Weise bereits ein erstes Tagesziel erreicht, ohne dass man schon am Arbeitsplatz war. Das motiviert.»

Seine Leidenschaft fürs Velofahren hat Arnold früh entdeckt. Mit Kollegen machte er schon vor mehr als 20 Jahren wilde Touren. Später, als die meisten eine Familie gründeten, lag dies nicht mehr im selben Ausmass drin. «Ich habe mir aber schon damals geschworen, nie ein ‹Gümeler› zu werden» – ein Ausdruck für Hobby-Rennvelofahrer. Sein Fitness-Bike hat deshalb statt eines gebogenen Lenkers einen geraden. «Und die Beine rasiere ich mir auch nicht», betont Arnold und lacht.

Ein ehemaliger Bike-Kollege ist es, der sich von Arnold anstecken liess und ihn teilweise begleitet. Die beiden treffen sich jeweils in Flüelen, passieren gemeinsam den Axen und fahren zusammen bis Immensee, ehe sich die Wege trennen. Auf der Fahrt werden Neuigkeiten aus­getauscht. «Ansonsten würden wir uns vermutlich wochenlang nicht sehen», sagt Arnold.

«Das Wetter muss stimmen»

Nur noch mit dem Velo zur Arbeit zu fahren, sei nicht realistisch, so Arnold. Ohne Erholungszeit gehe es nicht. «Nach zwei bis drei Tagen hintereinander ist man kaputt.» Er müsse sich schliesslich nichts beweisen. «Und das Wetter muss stimmen.» Sobald die Temperaturen unter 7 Grad sinken, sei die Saison vorbei. Sein Unterfangen beschränkt Arnold deshalb auf die Monate April bis September. «Wenn es beim Hin- und Rückweg nur immer stockdunkel ist, macht es keinen Spass.»

Arnold ist sich bewusst: «Der Arbeitgeber spielt bei einer solchen Angelegenheit natürlich eine wichtige Rolle.» Doch offenbar ist die international tätige «Roche Diagnostics» ebenfalls ein Fan von Velopendlern. Denn das Werk in Rotkreuz beteiligte sich im Juni an der Aktion «Bike to work». Dabei melden sich Firmen für eine Challenge an, bei der die Mitarbeiter mindestens 50 Prozent ihres Arbeitsweges mit dem Velo zurücklegen. Kein Wunder, dass René Arnold mit 940 Kilometern im Juni 2017 den Rekord von allen teilnehmenden 250 Mitarbeitern erreichte.

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