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Alte Debattierform lebt in Uri wieder neu auf

Angeregte Diskussionen standen im Zentrum des ersten Urner «Banquet républicain» im Theater Uri. Alt Bundesrat Moritz Leuenberger als Hauptreferent lieferte den Teilnehmern reichlich «Hirnfutter».
Urs Hanhart
Alt Bundesrat Moritz Leuenberger gab Impulse für die Debatte. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 7. Juni 2019)

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger gab Impulse für die Debatte. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 7. Juni 2019)

Neun gedeckte und mit Blumen geschmückte grosse Tische zierten am Freitagabend das Foyer des Theaters Uri. Aufgestellt wurden sie nicht etwa für ein Fest oder eine Gala-Veranstaltung, sondern für einen politischen Event. Red Star Uri beziehungsweise eine Gruppe von Urner SP-Mitgliedern organisierte dort erstmals ein «Banquet républicain» für alle Interessierten, egal welcher politischen Couleur.

Früher oft unter freiem Himmel

Dabei handelt es sich um ein Format aus den Zeiten der französischen Revolution. Es geht auf die «fête de la fédération» vom 14. Juli 1790 zurück. Solche Bankette waren in den Anfangszeiten häufig Open-Air-Anlässe mit Reden und Sprüchen auf die republikanischen Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sowie zur politischen Aktualität. Diese Tradition lebte in den nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder einmal auf.

Ziel des Anlasses war eine angeregte Diskussion. Es ging den Organisatoren in erster Linie darum, dass sich unterschiedlichste Leute kennenlernen und den gegenseitigen Austausch pflegen. Hauptredner war alt Bundesrat Moritz Leuenberger. Sein Impulsreferat, gehalten zwischen Vorspeise und Hauptgang, drehte sich um die Herausforderungen von Tourismus und Mobilität, im Guten wie im Schlechten.

Dieses Thema drängte sich angesichts des traditionellen Pfingststaus am Gotthard, der diesmal besonders üppig ausfiel, geradezu auf. «Wenn man die Kolonnen sieht, fragt man sich: Wo bleibt eigentlich die Vernunft?», sagte Leuenberger einleitend. «Die wichtigste Forderung der Aufklärung war die Freiheit und vor allem auch die Freiheit zu reisen. Der Drang nach Mobilität entspricht dem Sinn des Lebens.»

Jeder Mensch auf der Welt habe das Recht, als Tourist andere Länder zu besuchen. Das habe aber Folgen, die sich im Massentourismus zeigten. Tourismus bringe Menschen einander näher und trage zur Entwicklung von Städten und Regionen bei. Andererseits sei er aber auch eine Bedrohung.

Tropfenzählersystem und Guillotinen

Leuenberger machte einige zum Teil recht provokative Vorschläge für die Debatte. So brachte er beispielsweise ein Tropfenzählersystem für Touristen aufs Tapet. «Es gibt real begrenzte Aufnahmekapazitäten. Wenn sie nicht durchgesetzt werden, überrollen Massen Plätze und Kirchen. Es kommt zu Massenpanik und Einheimische können sich nicht mehr bewegen», begründete er diesen Vorschlag. Allerdings müsste die Frage geklärt werden, nach welchen Kriterien diese vorgenommen werden sollen.

Ein weiterer Vorschlag des alt Magistraten war das Verhängen von Guillotinen, also Verboten: Bestimmte Gebiete für den Verkehr sperren. Denkmäler aus religiösen oder aus Motiven der Pietät schliessen oder Besuchsverbote gegenüber Touristen je nach ihrer Herkunft oder Religion aussprechen.

Der Inputgeber machte aber auch moderatere Vorschläge wie die Entschleunigung der touristischen Hektik durch gezielte Massnahmen oder das Erziehen der Touristen zu aufgeklärten Weltbürgern, damit sie respektvoller mit den besuchten Regionen und Sehenswürdigkeiten umgehen. «Sie haben nun genügend Hirnfutter erhalten», meinte Moderater Michael Zezzi nach dem Referat. «Jetzt kommt das Essen auf dem Teller. Und es gibt sicher spannende Diskussionen.»

Während dem Hauptgang wurden die Thesen von Leuenberger dann in Gruppen zusammen mit Tischmeistern aus Kultur, Politik, Tourismus und Wirtschaft diskutiert.

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