Seelisberg: Traditionelle Feier und interessante Aspekte zum Bundesbrief

Bei der 1.-August-Feier in Seelisberg wurden neben dem Brauchtum auch interessante Informationen geboten.

Christoph Näpflin
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Die Seelisberger sparten nicht mit traditionellen Einlagen. (Bild: Christoph Näpflin, Seelisberg, 1. August 2019)

Die Seelisberger sparten nicht mit traditionellen Einlagen. (Bild: Christoph Näpflin, Seelisberg, 1. August 2019)

Seit vielen Jahren laden Seelisberg Tourismus und die Dorfvereine zu einer gemütlichen Feier am 1. August auf den Dorfplatz ein. Vom Trachtentanz über Alphornklänge bis zu Blasmusik und Männerchorgesang: Das Programm bot auch in diesem Jahr viel Abwechslung für Ohren und Augen.

Die Bundesfeier besuchten viele Gäste aus Nah und Fern. «Ich kann mich noch erinnern, wie wir eine ganz ähnliche Feier vor über 50 Jahren jeweils im grossen Saal des Hotels Sonnenberg durchgeführt haben», erinnert sich ein älterer Einheimischer unter den Besuchern. Bereits über 50 Mal ist der Alphornbläser und Fahnenschwinger Franz Zihlmann aus dem nidwaldnerischen Buochs mit dabei. «Für mich ist die Feier in Seelisberg seit Jahrzehnten eine feste Tradition, die ich nicht missen möchte. Es ist schön zuzusehen, wie viel Freude die Festbesucher am Programm haben», ist er auch noch nach so vielen Jahren immer noch begeistert.

Stolz, am 1. August die Tracht zu tragen

Mit grossem Elan waren auch die Seelisberger Trachtentänzer von Klein bis Gross mit dabei. «Speziell am 1. August ist es eine grosse Ehre, die Tracht tragen zu können. Ich bin stolz darauf, an der Bundesfeier mitmachen zu können», so ein junger Tänzer.

«Wir versuchen die Tradition aufrechtzuerhalten, mit toller Unterstützung der Dorfvereine», sagt Ursi Aschwanden, Präsidentin von Seelisberg Tourismus. Neben der Tradition hat sich die Vereinigung aber auch etwas Neues einfallen lassen. «Mit dem Verlesen und Erklären des Bundesbriefs haben wir in diesem Jahr einmal etwas Neues ins Programm eingebracht.»

Die Kleinen begeisterten mit ihren Tanzeinlagen das Publikum. (Bild: Christoph Näpflin, Seelisberg, 1. August 2019)

Die Kleinen begeisterten mit ihren Tanzeinlagen das Publikum. (Bild: Christoph Näpflin, Seelisberg, 1. August 2019)

So ist der Bundesbrief von Anfang August 1291 das älteste Verfassungsdokument der Schweiz und hat somit einen hohen kulturellen Wert. Der Brief zeugt aber nicht von einem revolutionären Akt der bäuerlichen Selbstbestimmung, sondern sollte vielmehr die bestehende Ordnung dieser Zeit im Interesse der damaligen Elite sichern. Nur zu gerne berief sich später die Schweiz im Gründungsjahr von 1848 auf den Bundesbrief und die von Friedrich Schiller 1804 verfasste Tellsgeschichte über die Gründung der Schweiz auf dem Rütli im Jahr 1291 durch freiheitsliebende Mitbürger der Talschaften von Uri, Schwyz und Unterwalden.

Der auf Pergament geschriebene Bundesbrief stammt laut Untersuchungen aus der Zeit um 1309. Datiert ist das Dokument aber wörtlich «zu Anfang des Monats August im Jahre des Herrn 1291». Einiges später, 1899, wurde schliesslich der 1. August als Nationalfeiertag der Schweiz festgelegt – was bekannterweise bis heute Bestand hat. Historiker sind sich uneinig, ob das Original aus dem Lateinischen nicht auch anders übersetzt werden kann. Historiker Roger Sablonier stellt die These auf, dass beim Schwur auf dem Rütli allenfalls statt Unterwalden das Urserntal gemeint war.

Seit über 50 Jahren ist Franz Zihlmann aus Buochs an der 1.August-Feier in Seelisberg mit dabei. (Bild: Christoph Näpflin, Seelisberg, 1. August 2019)

Seit über 50 Jahren ist Franz Zihlmann aus Buochs an der 1.August-Feier in Seelisberg mit dabei. (Bild: Christoph Näpflin, Seelisberg, 1. August 2019)