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Altes Lampengebäude findet in Erstfeld eine neue Funktion

Die über 100-jährige «Lampisterie» wurde vom Bahnhof Altdorf zum Depot Erstfeld «gezügelt» – ein nervenaufreibender Transport.
Paul Gwerder
Ein Spektakel: Das 20 Tonnen schwere Gebäude wird auf einen Tieflader gehievt. (Bild: Paul Gwerder, 19. September 2019)

Ein Spektakel: Das 20 Tonnen schwere Gebäude wird auf einen Tieflader gehievt. (Bild: Paul Gwerder, 19. September 2019)

Ein riesiger Kran und ein Schwertransportfahrzeug standen am Donnerstag schon frühmorgens beim Bahnhof Altdorf bereit. Sie sorgten für ein Spektakel, dem auch zahlreiche Zuschauer beiwohnten, einem Umzug der besonderen Art. Es ging dabei um den Standortwechsel der historischen «Lampisterie», was man mit Lampengebäude umschreiben könnte. Sie musste dem neuen Bahnhof und dem Bahnhofplatz weichen. «Es handelte sich hier um die im Jahr 1905 erbaute Lampisterie, welche als einzige der Gotthardbahngeschichte noch existiert, heute eine lokale Schutzbaute ist und einen sozialen und historischen Wert hat», erklärte Margrit Baumann, die zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Fabienne Betschart für die «Zügelte» verantwortlich war.

Kurz nach 9 Uhr wurde das Gebäude vom Lastwagenkran angehoben und anschliessend in Millimeterarbeit auf den Tieflader gehievt. Die Kleinbaute wurde damals als Aufenthaltslokal genutzt, in welchem die Streckenwärter, welche Tag und Nacht unterwegs waren, auch ihre Karbidlampen gelagert hatten. Sie hat eine Länge von rund 8 Metern, eine Breite von 3,36 Metern und die Giebelhöhe beträgt 4,25 Meter. Zudem wurde dort Brennmaterial für die zwei Öfen gelagert. «Die grösste Herausforderung bestand für uns darin, dass das ganze Gebäude beim Anheben nicht zusammenbricht», so Domini Herger von der Gotthard Holzbau GmbH. Immerhin wiegt die «Lampisterie» 20 Tonnen. Deshalb sei das Gebäude mit gerichteten Grobspanplatten (OSB) verstärkt worden.

Transport benötigt eine Ausnahmebewilligung

Giebel und Ziegel wurden schon früher zum neuen Standort gebracht. Auf der Fahrt vom Bahnhof Altdorf bis ins Depotareal Erstfeld waren die Fahrkünste von Chauffeur Peter Wipfli von den Wipfli Transporten gefragt: «Der Tieflader-Anhänger ist zu lang und mit 3,5 Metern zu breit und mit den 50 Tonnen zu schwer: Deshalb haben wir eine Sonderbewilligung einholen müssen».

Auf der Strecke von Altdorf nach Erstfeld waren insbesondere die Kreisel eine Herausforderung. (Bild: Paul Gwerder, 19. September 2019)

Auf der Strecke von Altdorf nach Erstfeld waren insbesondere die Kreisel eine Herausforderung. (Bild: Paul Gwerder, 19. September 2019)

Gemäss Aussage des Chauffeurs waren auf der Strecke insbesondere die Kreisel eine Herausforderung. Schwierigkeiten bereitete die Reussstrasse. Dort musste ein Gemeindearbeiter die Strassenpoller in der 30er-Zone demontieren, damit der Schwertransport durchkam. Dies war die einzige Route, welche für den Tieflader nach Erstfeld befahrbar war, denn sowohl die Passerelle südlich der Gemeinde wie auch die Kirchstrasse und die nachfolgende Reussbrücke waren für den überbreiten und schweren Transport entweder zu eng oder die Brücken waren nicht auf dieses hohe Gewicht zugelassen.

«Lampisterie» wird zum Infopavillon

Der neu gegründete Verein Lampisterie steht für die Realisation dieses Vorhabens und ist zugleich die Bauherrschaft. Die SBB Infrastruktur spricht ein Baurecht auf ihrer Parzelle 308 aus. Nach der Instandstellung der lokalen Schutzbaute auf dem Depotareal wird sie dem Verein SBB Historic im Eisenbahnerdorf Erstfeld als Infopavillon dienen – mit kleinem Sitzungszimmer, Lager und Sicherheitswestenstube.

Kurz nach 13 Uhr kam gestern der grosse Augenblick auf dem Depotareal, westlich vom Erstfelder Bahnhof. Mit dem 62 Meter langen Strassenkran hob Urs Amstalden von der Firma Fanger die sicher verpackte Lampisterie ab dem Tieflader und setzte diese vorsichtig auf das vorfabrizierte Fundament, wobei die Mitarbeiter der Firma Gotthard Holzbau ebenfalls stark gefordert waren. Aber nach einer halben Stunde war alles geschafft und der Dachgiebel konnte nun abschliessend aufgesetzt werden.

Roland Seehaus, Leiter des SBB Historic Teams von Erstfeld, war danach sichtlich erleichtert, dass alles wie am Schnürchen geklappt hat. «Wir sind sehr froh um dieses Gebäude, denn hier drinnen können wir nun unsere Gäste begrüssen und diese vor dem Rundgang mit den Warnwesten ausrüsten», sagte Seehaus und weiter meinte er lachend: «Es war schon irgendwie ein Zufall, als die Anfrage an uns kam, ob wir diese ehemalige «Lampisterie» gebrauchen könnten, denn wir waren seit längerer Zeit schon auf der Suche nach genau einem solchen Objekt.»

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