Baumassnahmen an der Axenstrasse: Am Gumpisch soll es ohne vorgezogene Lösung weitergehen

Die Regierung spricht sich gegen eine Standesinitiative aus. Jedoch könnten Beschwerden ihre aufschiebende Wirkung entzogen werden.

Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
Der Strassenabschnitt Gumpisch der Axenstrasse.

Der Strassenabschnitt Gumpisch der Axenstrasse.

Bild: Astra

Die FDP- und die SVP-Fraktion des Urner Landrates haben am 13. November 2019 eine Motion für eine Standesinitiative eingereicht. Damit soll eine vorgezogene bauliche Lösung im Gebiet Gumpisch auf der Axenstrasse erreicht werden. Erstunterzeichner waren Theophil Zurfluh (FDP, Sisikon) und Zweitunterzeichner Christian Schuler (SVP, Erstfeld). Ausgangspunkt der Motion bildet der Steinschlag im Gumpischtal und die damit verbundenen sicherheitsbedingten Sperrungen der Axenstrasse. Die langen Unterbrüche hätten gravierende Auswirkungen auf die Urner Volkswirtschaft, heisst es in der Motion.

Die Forderung nach unverzüglichen baulichen Massnahmen im Bereich Gumpisch sei zwar verständlich, schreibt die Regierung nun in ihrer Antwort auf den Vorstoss. Trotzdem spricht sie sich gegen die Einreichung einer Standesinitiative in Bern aus. «Gegen das Vorgehen sprechen rechtliche und ordnungspolitische Überlegungen und Gesichtspunkte.»

Die Regierung weist darauf hin, dass nach den Steinschlägen vom 28. Juli 2019 und vom 2. Oktober 2019 im Gumpischtal zahlreiche Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit ergriffen worden sind. So registrieren die installierten Radaranlagen die Bewegungen im Lockergestein und im Ereignisfall führt das zu einer Sperrung des Strassenabschnitts. Auch wurden zahlreiche Steinschlagnetze montiert. Es wurde ein Umlenkdamm gebaut, der einen allfälligen Murgang kanalisieren soll. Diese Sofortmassnahmen beliefen sich auf mehrere Millionen Franken.

Teilprojekt schnellst- möglich umsetzen

Die Regierung erachtet es mit Blick auf das laufende Plangenehmigungsverfahren und die bevorstehenden Entscheide als erfolgversprechender, wenn Uri gemeinsam mit Schwyz die Bestrebungen weiterverfolgt, das Teilprojekt Galerie Gumpisch schnellstmöglich zu realisieren. Gegebenenfalls könnte die Bauherrschaft beantragen, dass dem Verfahren zumindest für das Teilprojekt Galerie Gumpisch die aufschiebende Wirkung entzogen wird, sodass mit den Bauarbeiten trotz Beschwerde begonnen werden könnte. Die Regierung empfiehlt dem Landrat, die Motion als nicht erheblich zu erklären.

Die geplante Galerie in Gumpisch ist aktuell so konzipiert, dass sie Steinschlagereignisse, wie sie alle 100 Jahre auftreten, sowie Lawinen und Murgangereignisse, wie sie alle 300 Jahre auftreten, aufzunehmen und abzuleiten vermag. Die Auswertungen der Ereignisse im Gumpischtal und den damit verbundenen Sperrungen der Axenstrasse im vergangenen Jahr liegen mittlerweile vor, wie die Regierung in ihren Antworten auf Interpellationen von Theophil Zurfluh und Christian Schuler festhält. In den nächsten Monaten würden zusätzliche geologische Abklärungen im Gumpischtal durchgeführt. Diese haben das Ziel, die bisherigen Annahmen zu verifizieren oder einen allfälligen Bedarf an zusätzlichen Schutzmassnahmen aufzuzeigen. Erst danach kann beurteilt werden, ob und wie die Galerie allenfalls verstärkt werden kann.

Christian Schuler erkundigte sich in seiner Interpellation nach den volkswirtschaftlichen Kosten der zweimonatigen Sperrung der Axenstrasse. Die Regierung schreibt nun, diese seien im Detail nicht bekannt. Primär bei den Gastrobetrieben und den touristischen Leistungsträgern in Sisikon, der Tellsplatte und teilweise auch im übrigen Kantonsgebiet sei es zu Einbussen gekommen. Auf der anderen Seite gab es Mehraufwendungen für Pendler sowie einheimische Gewerbe- und Industriebetriebe, die Umwegfahrten in Kauf nehmen mussten. Arbeitsausfälle in grossem Stil seien der Regierung keine bekannt.

Beim Bundesrat vorstellig geworden

Einzelne Betriebe der Urner Wirtschaft hätten im Zusammenhang mit der Bewältigung des Ereignisses von Aufträgen profitieren können. Um die wirtschaftliche Tragweite aufzuzeigen, wurde der Regierungsrat bereits im vergangenen Oktober schriftlich bei Bundesrätin Simonetta Sommaruga vorstellig. Die Kantone Uri und Schwyz trafen sich am 26. November in Bern und seien dort mit ihren Anliegen auf offene Ohren gestossen, wie die Regierung schreibt.

Der Bereich Gumpisch soll mit dem Projekt neue Axenstrasse dereinst vollständig mit einer Galerie geschützt werden. Die Strecke zwischen Flüelen und der Tellsplatte wurde bereits seit den Siebzigerjahren kontinuierlich ausgebaut und vor Naturgefahren geschützt. Der Abschnitt Gumpisch bis Ingenbohl wird mit dem Sisikoner Tunnel und dem Morschacher Tunnel vor Naturgefahren geschützt.

Kanton Uri übernimmt Strecke vom Bundesamt

Der Kanton Uri wird im Endzustand die Strecke zwischen dem Ausfahrtstunnel Gumpisch und der Kantonsgrenze vom Bundesamt für Strassen übernehmen. Dabei handelt es sich um eine Strecke von etwas über einem Kilometer oder weniger als einem Prozent des heutigen Kantonsstrassennetzes. Der grösste Teil dieser Strecke ist der Innerortsbereich von Sisikon. Die Motion und die beiden Interpellationen sollen in einer der nächsten Landratssessionen behandelt werden.