Wasserkraft: Am Palanggenbach in Seedorf wird jetzt gebaut

Das EWA realisiert am Palanggenbach mit drei Partnern ein neues Laufwasserkraftwerk. In rund zwei Jahren soll es ans Netz.

Urs Hanhart
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Bernhard Furrer, Werner Jauch, Kurt Schuler und Toni Stadelmann (von links) greifen zur Schaufel.

Bernhard Furrer, Werner Jauch, Kurt Schuler und Toni Stadelmann (von links) greifen zur Schaufel.

Bild: Urs Hanhart (Seedorf, 9. Juli 2020),

Etwas mehr als einen Kilometer oberhalb der Mündung in die Reuss fand am Donnerstag, 9. Juli, am Palanggenbach in Seedorf unter Einhaltung der Coronaschutzmassnahmen ein kleines Fest statt. Angestossen wurde auf den Baubeginn für das jüngste Wasserkraftwerk im Kanton Uri.

Zu einer blauen Schaufel griffen beim Spatenstich, nebst Vertretern der beteiligten Bauunternehmen, Werner Jauch, Verwaltungsratspräsident der KW Palanggenbach AG und Vorsitzender der Geschäftsleitung beim Elektrizitätswerk Altdorf (EWA), Toni Stadelmann, Seedorfer Gemeindepräsident, Kurt Schuler, Vizepräsident der Korporation Uri, und Bernhard Furrer von der Aventron AG. Das Lead beim 21-Millionen-Franken-Projekt hat das EWA inne. Die Gemeinde Seedorf, die Korporation und die Aventron AG treten als Partner auf.

Jauch wies in seiner Rede darauf hin, dass die Leistung der Schweizer Wasserkraft im vergangenen Jahr leicht gesteigert werden konnte. Den grössten Anteil daran habe das im November 2019 in Betrieb genommene Kraftwerk Schächen geleistet. «Voraussichtlich werden wir auch in diesem Jahr mit dem Kraftwerk Erstfeldertal wieder ganz vorne dabei sein. Dieses soll nämlich Ende 2020 in Betrieb gehen», sagte Jauch. «2023 soll dann das Kraftwerk Palanggenbach die Urner Fahne hochhalten.» Der EWA-CEO ging auch auf die Coronakrise ein: «Eine Lehre daraus ist sicher, wie wichtig lokale Produktion ist. Die Pandemie hat uns innert sehr kurzer Zeit unsere internationalen Abhängigkeiten und Verletzlichkeiten der Lieferketten vor Augen geführt. Es geht schnell, bis nicht mehr viel geht.» Zum Glück habe man während der Krise stets auf eine gesicherte Stromversorgung zurückgreifen können.

Einheimische Wasserkraft als Trumpf

Das EWA gibt seit einigen Jahren beim Bau von neuen Wasserkraftwerken, aber auch bei der Erneuerung von bestehenden Kraftwerken Gas. Dazu sagte Jauch: «Unsere Stromversorgung basiert auf lokaler Produktion mit unserer einheimischen Wasserkraft. Zu diesem Trumpf sollten wir Sorge tragen.» Allerdings sei die Wasserkraft kein Selbstläufer. Tiefe Strompreise und neue, rasch wechselnde Regularien aus der Politik machten das Klima für neue Investitionen in Wasserkraftwerke schwierig. Die Versorgungssicherheit werde damit künftig ein Problem. Projekte wie das KW Palanggenbach seien daher besonders wichtig. Es sei alles andere als selbstverständlich, dass man im derzeit schwierigen politischen und wirtschaftlichen Umfeld solche Investitionen tätige. Von Seiten des EWA sei man sehr froh, dass man auch bei diesem neuesten Projekt wieder mit zuverlässigen Partnern zusammenarbeiten könne.

Ins neue Kraftwerk investiert die KW Palanggenbach AG rund 21 Millionen Franken. Der grösste Teil davon, nämlich gut 85 Prozent oder 18 Millionen Franken, wird gemäss Jauch in Uri bleiben. Am Bau werden zwischen 40 und 50 Firmen beteiligt sein, ein Grossteil davon aus dem Urnerland. Im Betrieb soll das Kraftwerk, welches Anfang oder Mitte 2023 ans Netz gehen wird, 11,5 Kilowattstunden Strom produzieren. Das reicht für 2600 Haushalte oder die ganze Gemeinde Seedorf. «Wir sparen rund 14'000 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber einem Kohlekraftwerk ein und leisten damit einen wichtigen Beitrag an die Energiestrategie von Bund und Kanton», so Jauch. Darüber hinaus generiere das KW Palanggenbach einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Wasserzinsen zu Gunsten der Korporation Uri bezifferte er auf 90'000 Franken. Darüber hinaus dürften sich der Kanton und die Standortgemeinde über zusätzliche Steuereinnahmen freuen. «Der heutige Spatenstich bietet also gleich mehrere Gründe zum Feiern», freute sich der Sprechende.

Vom Flössen zur Stromproduktion

«Für uns Seedorfer ist der Palanggenbach nicht irgendein Rinnsal, sondern ein prägendes Element von Landschaft und Leben, ein Stück Heimat», sagte Stadelmann. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass dieses Gewässer schon von früheren Generationen genutzt worden sei, wenn auch in ganz anderer Art. Bis etwa 1940 habe man am Palanggenbach das sogenannte Holzflössen betrieben. Jeweils im Frühling seien seinerzeit zugeschnittene «Holzrugel» mit Hilfe der Wasserkraft ins Tal befördert worden. Das Wort «Palanggen» stamme von romanischen Ursiedlern und bedeute Rundholz oder Prügel. «Die Zeit der Flösser ist vorbei. Wir brechen nun auf in eine neue Ära und wollen die unbändige Energie des Palanggenbachs zur Stromproduktion nutzen», so Stadelmann.