AMSTEG: Mit Neat-Know-how «Uristier» erobern

In der Kantine Gotthard Nord im Grund gehen Ende Januar definitiv die Lichter aus. Geschäftsführer Bruno Arnold nimmt eine neue Herausforderung an.

Bruno Arnold
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Nach fast fünfzehn Jahren in der Kantine Gotthard Nord in Amsteg zieht es Bruno Arnold nach Altdorf. (Bild: Urs Hanhart (Amsteg, 17. Januar 2017))

Nach fast fünfzehn Jahren in der Kantine Gotthard Nord in Amsteg zieht es Bruno Arnold nach Altdorf. (Bild: Urs Hanhart (Amsteg, 17. Januar 2017))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Seit dem 11. Dezember 2016 donnern die Personen- und Güterzüge durch den rund 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel der Neat. Das Jahrhundertwerk hat auch das Leben des 61-jährigen Bruno Arnold aus Silenen entscheidend geprägt. Ab 2002 hat er nämlich die Kantine Gotthard Nord im Grund in Amsteg geführt, zuerst im Auftrag der Firma Strabag, danach der Transtec Gotthard AG. Arnolds rund 30-köpfiges Team hat aber bis vor kurzem nicht nur gekocht und serviert, sondern auch die 400 im Barackendorf zur Verfügung stehenden Einzelzimmer gereinigt und unterhalten.

Während rund zehn Jahren wurden in Amsteg im Schnitt täglich zirka 500 Personen verpflegt – im Dreischichtbetrieb, an sieben Tagen pro Woche und rund um die Uhr. Während dieser Zeit wurden dort fast 10000 Gerichte und rund 20000 Suppen gekocht, geschöpft sowie von den (hauptsächlich aus Österreich stammenden) Mineuren, Tunnel­arbeitern und Kaderleuten verspeist.

Bis am Schluss rund 300 Leute pro Tag

Ab 2012 gaben sich in Amsteg statt der Strabag-Mineure die Bahntechniker und Installateure der Transtec Gotthard AG die Türklinke in die Hand. Sie waren für die Installation der bahntechnischen Ausrüstung des Gotthard-Basistunnels und der ­beiden Anschlussstrecken im ­Norden und Süden verantwortlich – bis zur vollständigen Übergabe des Bauwerks an die Alptransit Gotthard AG. Bis Anfang 2016 nutzten noch immer rund 300 Leute täglich die Infrastrukturen der Kantine Amsteg.

Die Transtec Gotthard AG wird die Gebäude im Grund in Amsteg in den kommenden Wochen abbrechen. Die Parzelle gehört dem Bundesamt für Strassen (Astra) und wird als Installationsplatz für zukünftige Projekte dienen – unter anderem auch für den Bau der zweiten Röhre am Gotthard. Vorerst wird das Areal in Amsteg aber vom Amt für Betrieb Nationalstrassen benutzt – etwa zum Lagern von Absperrelementen oder Leitschranken.

Neat – auch etwas Ironie des Schicksals

Zurzeit laufen in Amsteg noch letzte Aufräumarbeiten. Ende Januar schliesst Arnold die Kantine Gotthard Nord definitiv. «Mit einem lachenden und einem weinenden Auge», wie er sagt. «Ich habe meinen Job immer gern gemacht, konnte viele neue Freundschaften knüpfen», betont der Geschäftsführer. «Am Anfang war es für uns alle nicht ganz einfach. Der Betrieb musste sich einspielen», erinnert sich Arnold. Er selber hatte bis 2002 mit dem Gastronomiebereich eigentlich nicht viel am Hut.

Er führte ein eigenes Gipsergeschäft, das – Ironie des Schicksals – der Neat weichen musste. «Ich hatte immer ein super Team, das mich unterstützte», erklärt er. «Es war wirklich eine interessante und lehrreiche Zeit für uns alle», sagt Arnold. Und lachend meint er: «Wir haben schnell einmal gemerkt, was die Mineure wollten: am liebsten ein möglichst grosses Stück Fleisch, Teigwaren und Kartoffeln.»

Ohne grössere Zwischenfälle

Was ihn rückblickend besonders freut: «Der Betrieb in Amsteg lief während all dieser Jahre ohne grössere Zwischenfälle.» Er habe es genossen, mit den Neat-Leuten zu plaudern und deren Arbeit bei seinen häufigen Besuchen im Tunnel mitzuverfolgen. Und: «Ich habe mir vor allem ein grosses Know-how im Cateringbereich für Grossanlässe aneignen können.» So hat er etwa in den Tagen und Wochen vor, während und nach den Neat-Eröffnungsfeierlichkeiten in Erstfeld täglich bis zu 1000 Personen verpflegt.

Das in Amsteg erworbene Know-how wird Bruno Arnold künftig in Altdorf nutzen, zusammen mit seiner Frau Antoinette und mit Cyrill Amherd. Denn ihr Unternehmen, die ABC Event und Catering AG mit Geschäftsführer Cyrill Amherd, hat von der Dätwyler-Stiftung den Zuschlag für den Restaurationsbetrieb «Zum Schwarzen Uristier» erhalten (siehe unsere Zeitung vom 13. Januar). ABC steht dabei für Antoinette, Bruno und Cyrill. Unterstützung erhält das eingespielte Trio von Freddy Lang, dem langjährigen Küchenchef der Kantine Gotthard Nord AG. «Der grosse ‹Uristier›-Saal hat enormes Potenzial für Grossanlässe», sagt Arnold. «Wir möchten ihn zum Urner Event-Saal Nummer eins machen – für Anlässe mit bis zu 500 Personen.»

Projekt für sogenannte Co-Working-Arbeitsräume

«Die vorhandenen Gastronomie-Infrastrukturen ermöglichen uns zudem, Cateringaufträge im grossen Stil zu übernehmen.» Die bisherige Brasserie wird zum kleinen «Uristier»-Saal für Anlässe im familiären Rahmen. Werktags wird dort weiterhin eine Mittagsverpflegung angeboten. Das Restaurant im Parterre wird umstrukturiert und erhält ein neues Konzept. Für die Nutzung der Schulungsräume im ersten Stock und des erwähnten Restaurants hat die Dätwyler-Stiftung das Projekt für sogenannte Co-Working-Arbeitsräume lanciert. Die Mieter dieser Räumlichkeiten können dann ebenfalls auf die Dienstleistungen der ABC zählen.