Urner pendelt über den Atlantik: «An den Jetlag gewöhnt man sich nie»

Der 43-jährige Christoph Arnold ist Geschäftsführer und Besitzer der Arnold AG in Schattdorf. Seine beiden Wohnsitze liegen 6500 Kilometer auseinander. Dies nicht ganz freiwillig.

Markus Zwyssig
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Die Holzfällerjacke verrät es: Christoph Arnold befindet sich auf diesem Bild in Kanada. (Bild: PD)

Die Holzfällerjacke verrät es: Christoph Arnold befindet sich auf diesem Bild in Kanada. (Bild: PD)

Über dreissig Mal überquert er jedes Jahr mit dem Flugzeug den Atlantik. Christoph Arnold pendelt manchmal alle zwei Wochen zwischen der Schweiz und Kanada. Der 43-jährige schweizerisch-kanadische Doppelbürger macht das nun schon seit bald 5 Jahren. Geplant war das alles aber nicht, als Arnold 2004 in Kanada zu arbeiten begann.

Gelernt hat Arnold ursprünglich Heizungs- und Sanitär­monteur, und zwar bei seinen Verwandten bei der Arnold AG in Schattdorf. Nach der Lehre und der Berufsmittelschule bildete er sich am Technikum in Horw zum Heizungs- und Lüftungsingenieur weiter. Sein erster Arbeitstag bei Landis und Stäfa in Luzern war besonders: Just an diesem Tag wurde das Unternehmen von Siemens aufgekauft.

Er war Chef von bis zu 2000 Mitarbeitern

Arnold war Projektleiter bei Siemens, später leitete er die ganze Region. Dann kündigte er bei Siemens Schweiz, denn er wollte im Ausland arbeiten. Er erhielt das Angebot, für Siemens in Kanada tätig zu sein. 2004 reiste er in den Grossstaat im Norden des ame­rikanischen Kontinents. Angedacht war ein Einsatz von zwei bis drei Jahren. Dann lernte Arnold seine künftige Frau kennen. Sie bezogen ein Haus in Toronto, in der Nähe der Niagarafälle. Die Frau hat drei Kinder in die Ehe gebracht. Arnold stieg beruflich die Karriereleiter hoch und war am Schluss für den Industriesektor in Kanada verantwortlich. Er war Chef von 2000 Mitarbeitern und fühlte sich sehr wohl dabei.

Masseneinwanderung vereitelt Familienglück

Dass er in die Schweiz zurückkommen und bei seinem einstigen Lehrbetrieb, der Arnold AG in Schattdorf, einsteigen würde, hatte er nicht vorgesehen. 2011 kam der Anruf: Sein Vater und sein Onkel standen kurz vor der Pensionierung. Es fehlte jedoch ein Nachfolger. Zusammen mit seiner Frau fällte Arnold den Entscheid, wieder in der alten Heimat zu arbeiten und die Tradition weiterzuführen.

Auf den 1. Januar 2014 wurde er Geschäftsführer und Besitzer der Arnold AG mit 40 Mitarbeitern. Geplant war, dass in absehbarer Zukunft auch seine Familie mit ihm in die Schweiz kommt. Einen Strich durch die Rechnung machte ihm die Masseneinwanderungs-Initiative: Seine Frau hätte zwar zu ihm ziehen können, die Kinder jedoch nicht. Die Frau blieb mit der Familie in Kanada.

So begann für Christoph Arnold ein besonderes Pendlerleben: 200 Tage im Jahr ist er in der Schweiz am Arbeiten. Die restliche Zeit verbringt er in Kanada. Unabdingbar sind für Arnold die Mitarbeiter in der Firma, auf die er sich verlassen kann. Der zeitliche Rhythmus hat sich gut eingespielt. «Maximal zwei Wochen zu warten, bis ich wieder da bin, ist für die Kunden meist okay.» Zudem habe er gute Mitarbeiter in der Firma, das ist für Arnold denn auch das Erfolgsrezept. «Sie halten die Fahne hoch», sagt er. Arnold ist auf beiden Seiten des Atlantiks viel am Telefon und online. «Ich bin voll ins Tages­geschäft integriert», sagt Arnold. Er wisse, was im Geschäft los sei und habe Einblick in sämtliche Informationen.

Familiäre Termine bleiben aber durch das ständige Hin-und-Her-Reisen ab und zu auf der Strecke. «Dank einer langfristigen Planung versuche ich, die Termine so zu setzen, dass ich möglichst oft dabei sein kann.» Trotzdem komme es vor, dass er an einem Geburtstag, an Ostern, zur Erstkommunionfeier oder an einer Hochzeit in der Verwandtschaft fehle. «Schmerzlich ist es, wenn jemand in meinem Umfeld krank wird oder einen Unfall ­erleidet und ich nicht dabei sein kann», so Arnold. Auch bei einem plötzlichen Todesfall dauere es ein paar Tage, bis er einen Flug nehmen könne.

Er hilft bei Hausaufgaben und bei Alltagsproblemen

Die Kinder sind 16, 18 und 24 Jahre alt. Mit der Familie ist er dank Internet, Facetime und Skype ständig in Kontakt. «Ich helfe bei den Hausaufgaben und beim Lösen der Probleme des Alltags», sagt Arnold. Die Familie unterstützt ihn, wo sie nur kann. So ist Arnolds Frau nur Teilzeit am Arbeiten. «Die Kinder spielen alle Hockey», sagt Arnold. ­Kanada sei sehr gross, und man ­brauche für jeden Weg das Auto. «Meine Frau fährt viel mit den Kindern. Es ist für sie eine Mehrbelastung, wenn ich nicht da bin.» Auf das ständige Kofferpacken hat sich Arnold eingestellt. Für ihn ist Fliegen heute einfacher, als mit dem Zug oder Auto zu fahren. «Es ist eigentlich nichts anderes als ein Arbeitstag für mich, wenn ich zwischen der Schweiz und Kanada hin- und herpendle», sagt Arnold. Er nutzt die Zeit zum Arbeiten am Laptop.

Arnold nimmt alles gelassener als früher. Über Verspätungen regt er sich nicht mehr auf. Eine Nacht einmal unterwegs ­irgendwo zu schlafen, weil es mit einem Flug nicht klappt, macht ihm nichts mehr aus. «Das ist Daily Business», sagt er. «Nur an den Jetlag, daran gewöhnt man sich nie», sagt Arnold. Sechs Stunden liegen die Schweiz und Kanada zeitlich auseinander. «Zwei bis drei Tage und Nächte spürt man die Zeitverschiebung.»

An den beiden Wohnorten nicht ständig auf Achse

So paradox es klingen mag: Alles in allem ist Arnold heute fast ­weniger unterwegs als früher. Sowohl in der Schweiz als auch in Kanada ist er nicht ständig auf Achse. «Wenn jemand für seine Arbeit täglich zwischen Uri und Zürich hin- und herfährt, braucht er auch sehr viel Benzin», macht Arnold einen Vergleich. Abgesehen vom Pendeln zwischen den zwei Wohnorten hält sich Arnold zurück. Für ein verlängertes ­Wochenende von Kanada aus in die USA oder in die Karibik zu fliegen, ist für ihn okay. «Wenn es aber nicht unbedingt sein muss, steige ich nicht in ein Flugzeug», sagt Arnold. Er schätzt die Zeit, die er mit den Kindern in Kanada verbringen kann. Aber auch in Uri fühlt er sich zu Hause.

Das Pendeln zwischen zwei Welten hat er nicht bereut. «Es ist ein Privileg, an zwei so schönen Orten zu wohnen», sagt Arnold. Und: Er würde es wieder machen, gibt sich Arnold überzeugt. «Sicher nicht ein Leben lang, aber für die nächste Zukunft stimmt es für mich.»