An seinem Auto kleben gleich zwei Uristiere

Alois Kluser arbeitete 44 Jahre lang bei der Bahn. In seinem Leben ist er viel herumgekommen, die Liebe zum Urnerland ist aber geblieben.

Christian Tschümperlin
Merken
Drucken
Teilen
Alois Kluser mit den beiden Uristieren am Heck seines Fahrzeuges. (Christian Tschümperlin, 5. Juli 2019, Altdorf)

Alois Kluser mit den beiden Uristieren am Heck seines Fahrzeuges. (Christian Tschümperlin, 5. Juli 2019, Altdorf)

Graue Seat gibt es wie Sand am Meer. Darum hat sich Alois Kluser gleich zwei Uristier-Kleber aufs Auto geklebt. Schön symmetrisch, je einer links und rechts des Autokontrollschilds. «Den grauen Seat mit den beiden Uristieren am Heck erkennt jeder», meint der ehemalige SBB-Beamte aus Emmen. Er hat sie vor über zehn Jahren angebracht. «Man soll immer noch sehen, dass ich Verbindungen ins Urnerland habe.»

Um diese Verbindungen aufzudecken, muss man eine kleine Zeitreise unternehmen. Kluser war 44 Jahre lang bei der Bahn. Stationiert war er in Hochdorf, Hitzkirch, Baldegg, Seon und so weiter. «Frei verfügbarer Beamter hiess das damals», so Kluser. Begonnen hat aber alles in Sisikon. Dort fing der gebürtige Schattdorfer im Jahr 1964 eine Stationslehre an. An das erste Telegramm auf der Bahnstation kann sich Kluser noch gut erinnern: «Ich musste einen Extrazug an der Tafel anschlagen.» Und dann war da noch das erste Telefon, das er auf der Sisiger Bahnstation entgegennahm: «Als Landei kam ich da schon etwas ins Schwitzen», sagt Kluser – und lacht.

Später wurde der heute 73-Jährige nach Leuzigen versetzt. «Da kam mit dem Regionalzug regelmässig ein Milchwagen, den wir abkoppeln mussten», so Kluser. Mit dem «Stationstraktörli», dem sogenannten «fahrenden Gartenhäuschen», einem Diesel-Zweiachser, habe man dann den Milchwagen abtransportiert.

Mechanische Stellwerke sind Tempi passati

Zuletzt war Kluser in Steinen stationiert. «Dort hatten wir noch ein mechanisches Stellwerk.» Einen roten Hebel für das Signal und einen blauen für die Weichen. Aber: «Das sind Tempi passati.» Heute werden die Weichen von Chiasso bis Goldau von Pollegio am südlichen Ende des Gotthard Basistunnels aus gesteuert. Und das Sisiger Stationsgebäude wird mittlerweile als Gemeindekanzlei genutzt. Klusers Geschwister wohnen in der ganzen Schweiz. Er hat einen Bruder am Bielersee, eine Schwester in Wohlen, einen Bruder im Zürcher Oberland und eine Schwester im Appenzell. Wie es dazu kam? «Das Leben», meint Kluser kurz und bündig. Kluser «ürneret» nicht mehr sehr. Aber: «Wenn ich ins Urnerland telefoniere, schalte ich den Hebel um. Meine Frau weiss dann genau, mit wem ich telefoniert habe.»

Heute gehören Alois Kluser und seine Frau als Mitglieder dem Historischen Verein Uri an. «Wir sind mit unseren Enkelkindern oft im Museum», sagt er. «Sie haben eine Wahnsinnsfreude daran.» Als der Museumsabwart sie einmal in die Gotthardpost hineingesetzt habe, da hätten sie gestrahlt wie die Maienkäfer. Und wenn er dann jeweils im Urnerland ist, dann darf für die Heimreise etwas nicht fehlen: Die Silener «Plätz», eine Pastete, die ihn an seine Kindheit erinnert.