Andermatt
Zehn Jahre mehr Zeit fürs Tourismusprojekt – Spezialregelung für ausländische Investoren gilt bis 2040

Die Ausnahme von der «Lex Koller» wurde verlängert. Das Tourismusprojekt kann davon noch bis 2040 profitieren.

Florian Arnold
Merken
Drucken
Teilen

Das Tourismusprojekt Andermatt Swiss Alps gilt in vielerlei Hinsicht als Vorzeigevorhaben. Was als visonäre Idee von Samih Sawiris begann, ist heute zu einem augenfälligen Teil realisiert. Zum Gelingen beigetragen haben gerade auch Ausnahmeregelungen. So ist Andermatt als einzige Destination in der Schweiz von der so genannten «Lex Koller» ausgenommen. Diese schränkt den Erwerb von Ferienimmobilien für ausländische Käufer ein. Der Bundesrat hat im Jahr 2006 die Ausnahme bis 2030 bewilligt. Dies, «um der Region nach dem Rückzug verschiedener Bundesbetriebe eine wirtschaftliche Neuorientierung zu ermöglichen», wie es in einer Medienmitteilung des Bundes heisst.

Samih Sawiris an einem seiner ersten Auftritte in Andermatt 2006.

Samih Sawiris an einem seiner ersten Auftritte in Andermatt 2006.

Bild: Archiv UZ

In grossen Schritten vorwärts

Nun wird die Ausnahmeregelung um zehn Jahre verlängert. Die Befreiung von der Bewilligungspflicht wurde vom Bundesrat auf Gesuch hin bis Ende 2040 angesetzt. Andermatt Swiss Alps (ASA) begrüsst den Entscheid des Bundesrates. «Dieser Schritt erlaubt es dem Unternehmen, die Destination Andermatt Swiss Alps im vorgesehenen Umfang zu realisieren und die wirtschaftliche Entwicklung der Region weiter zu stärken», heisst es in einer offiziellen Stellungnahme.

Nach dem «Chedi» entsteht durch das Tourismusprojekt dieses Jahr bereits das dritte Hotel.

Nach dem «Chedi» entsteht durch das Tourismusprojekt dieses Jahr bereits das dritte Hotel.

Bild: Urs Hanhart

Laut ASA-Sprecher Stefan Kern ist das Tourismusprojekt bis heute zu einem guten Drittel realisiert. In den kommenden fünf Jahren soll ein weiterer Drittel entstehen. Auch dieses Jahr steht sehr viel auf dem Plan. Aktuell befinden sich sechs Mehrfamilienhäuser im Bau, und mit zwei weiteren soll noch im Frühling begonnen werden. Gestartet wird im Sommer mit dem dritten Hotel nach dem The Chedi Andermatt und dem Radisson Blu. Unter welchem Label das Hotel neben der Nationalstrasse einst laufen wird, steht noch nicht fest. «Momentan befinden wir uns in der Schlussphase der Planung», sagt Kern. Mitte Jahr wird man auf dem Bauplatz mit Vorbereitungsarbeiten beginnen.

Nachfrage ist entscheidend

Im Frühling wird auch mit der Erweiterung des so genannten Podiums begonnen. «Das wird uns drei weitere Jahre beschäftigen», sagt der ASA-Sprecher. Auf dem Podium gibt es Platz für weitere 15 Mehrfamilienhäuser. Doch wann wird Andermatt Reuss schliesslich fertig sein? «Das lässt sich aktuell nicht abschätzen», gibt Kern zu verstehen. «Am Schluss hängt es von der Nachfrage nach Ferienimmobilien ab.»

Diese Nachfrage war auch ein Grund, weshalb die Realisierung zu Beginn etwas ins Stocken kam. Damals hing dies mit der Finanzkrise 2008 zusammen. Später war das Mutterunternehmen Orascom vom «Arabischen Frühling» betroffen, sodass weniger stark investiert werden konnte. «Zudem musste sich die Destination Andermatt zuerst einen Namen machen.» Nachdem etwa der Golfplatz realisiert war und die Skiinfrastruktur verbessert wurde, sei Andermatt in den Köpfen der Käufer angekommen - womit auch die Nachfrage stieg. Momentan sei das allgemeine Interesse von Investoren an Ferienimmobilien gross. Gerade in der Coronakrise schienen viele nach Sicherheiten Ausschau zu halten, wie dies weltweit im Finanzsektor zu beobachten war.

Andermatt im Winter.

Andermatt im Winter.

Bild: Heinz Baumann

Urner Regierung stolz auf Entwicklung in Andermatt

«Auch die Regierung ist sehr erfreut über den Entscheid», sagt Justizdirektor Daniel Furrer. «Der Bundesrat hat die Befreiung von der Lex Koller damals staatspolitisch begründet», weiss er. Vor dem Tourismusprojekt hatte der Kanton Uri rund 1400 Arbeitsplätze verloren, hauptsächlich Bundesarbeitsplätze von Armee und SBB. Für Uri wurden mit dem Tourismusprojekt Entwicklungsmöglichkeiten gesehen, die man auch mit Ausnahmeregelungen unterstützen wollte. «Die Entwicklung hat tatsächlich stattgefunden», sagt Furrer. Rund 1000 Arbeitsplätze seien durch das Resort geschaffen worden. Und Andermatt sei heute der grösste Zahler in den innerkantonalen Finanzausgleich. «Das Resort ist darüber hinaus wichtig für die Entwicklung des ganzen Gotthardgebiets und stärkt diese auch», sagt der Justizdirektor. Er und mit ihm die Gesamtregierung glauben fest an die Realisation des kompletten Projektes. «Ich bin sehr zuversichtlich, denn bereits wieder befinden sich weitere Vorhaben in der Pipeline für die Baueingabe.» Denn trotz Befreiung von der Lex Koller müssen die einzelnen Projekte jeweils ein übliches Baubewilligungsverfahren durchlaufen.