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ANDERMATT: Als die Urner das Skifahren erlernten

Im Urserntal hatte sich das Skilaufen bereits vor dem Ersten Weltkrieg etabliert. Dank dem neuen Sportgerät begann im Hochtal der Wintertourismus. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der Skisport auch im restlichen Urnerland durch.
Rolf Gisler-Jauch
Skiunterricht in Andermatt: Die norwegischen Skilehrer lehrten noch Telemark und Kristiania. In den 1920er-Jahren setzte sich die Arlbergschule durch. Bestandteil davon war auch die Hocke für Schussfahrten. (Bilder: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Skiunterricht in Andermatt: Die norwegischen Skilehrer lehrten noch Telemark und Kristiania. In den 1920er-Jahren setzte sich die Arlbergschule durch. Bestandteil davon war auch die Hocke für Schussfahrten. (Bilder: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Um 1900 war im Winter das gemeinsame Schlitteln mit Kasten- und Hornschlitten ein beliebter Bestandteil des Dorflebens. Es wurden Wettschlitteln für beiderlei Geschlechter organisiert. Der sportliche Teil fand seine Fortsetzung am Abend bei Musik und Tanz. An die Stelle des Schlittelns trat dann nach dem Ersten Weltkrieg immer mehr das Skifahren.

Das Skilaufen wurde immer mehr zum Skifahren und verlangte auf den Abfahrten nach Schwüngen, um die Geschwindigkeit bei den Schussfahrten unter Kontrolle zu halten. In Lehrschriften wurde diese Kunst propagiert: «Nur dem, der die Hölzer zu lenken versteht, bereitet das Tourenfahren Freude. Andernfalls überwiegen die Mühen zu sehr, sind die Anstrengungen zu gross, fällt der Genuss zu dürftig aus. Erste Bedingung beim Erlernen des Skilaufes ist daher, sich mit der Kunst der Schwünge vertraut zu machen.»

Telemark erregt Aufmerksamkeit der Damen

Die norwegischen Skilehrer brachten das Wissen der eleganten Skitechnik mit. Beim Telemark, dessen Name von der gleichnamigen norwegischen Provinz stammt, waren lediglich die Spitzen der Skischuhe durch eine Bindung fixiert. Für die Ebene entwickelte sich daraus die heutige klassische Langlauftechnik. Die Abfahrtstechnik verlangte komplexe, geradezu turnerische Bewegungen. Der Fahrer kniete auf dem bergseitigen Ski, indem er die Ferse des hinteren Fusses hochhob und den Talski nach vorne schob. In den Kurven erfolgte ein Umkanten bei beiden Ski mit gleichzeitig verbundenem Schrittwechsel. Der Telemark brauchte Pulverschnee, um gute Verwendung zu finden. Er wurde als Schön- oder Paradeschwung betrachtet. Wer diesen beherrschte, galt als Könner und wurde bewundert. Als Schluss einer Abfahrt erregte er die Aufmerksamkeit der Zuschauer, hauptsächlich der Damen. Der Telemark mit seinen eleganten und komplexen Bewegungen erfreut sich auch heute noch bei einzelnen Skifahrern an Beliebtheit. Es werden auch Meisterschaften durchgeführt.

Die beschränkte Anwendung war wohl eine der Ursachen, dass dem Telemark der Kristiania (alter Name von Oslo) vorgezogen wurde. Der Kristiania-Schwung verlangte eine parallele Skiführung mit Hauptdruck auf den Absätzen. Aus den Kristiania-Bögen bildeten sich in der Folge der offene oder Scherenkristiania und der Stemmkristiania heraus.

Es musste «rassig» aussehen

Beim Skifahren wurde vor allem auf die gute Haltung geachtet. Als solche galt eine möglichst aufrechte Haltung, auch bei Schussfahrten, wobei es zum guten Ton gehörte, die Füsse nebeneinander zu lassen. Da brauchte es schon besonderer Standfestigkeit, um nicht bei der geringsten Unebenheit im Gelände vorwärts oder rückwärts im Schnee zu landen.

In den 1920er-Jahren kam dann die wegleitende Skitechnik aus dem Nachbarland Österreich. Die Arlbergschule beinhaltete eine Skifahrtechnik und Schulungsmethode, die 1922 von Hannes Schneider (1890-1955) gegründet wurde. Diese alpine Skitechnik umfasste eng-spuriges Fahren, Schwünge in Vorlage, Steilhangtechnik, Stemmbogen und eine dem alpinen Gelände angepasste Fahrweise. Man fuhr mit der Rotation des Beckens. Besonders deutlich war das beim Pflugbogen, aber auch beim Stemmbogen erkennbar. Das Gesäss drehte deutlich über den Aussenski hinaus. Der Stil wirkte «rassig»: Hocke und Vorlage waren Trumpf. Die revolutionär wirkende Abfahrtstechnik hatte Erfolg. Die Technik wurde vereinheitlicht. Damit wurde auch die wichtigste Voraussetzung zur Breitenentwicklung und Volkstümlichkeit des Skisportes erfüllt.

Die Entwicklung des Skisports wurde nun auch im restlichen Kanton wahrgenommen und überall, wo Schnee lag, gab es Mutige, die an «abhältiger» Lage, den neuen Sport ausprobieren wollten. So nahmen an den Skikursen in Andermatt vereinzelt auch Einheimische aus dem Urner Unterland teil. Als im Winter 1903/04 drei «Stäger» an einem Skikurs in Andermatt teilnahmen, erfuhr dies das ganze Dorf. Am Schluss des Kurses schien das Können schon so gross gewesen zu sein, dass die wackeren Skipioniere den Rückweg von Andermatt nach Amsteg auf den Ski bewältigen konnten. Um diesem Ereignis die richtige Publizität zu verschaffen, wurde die Ankunft telegrafisch gemeldet. Fast das ganze Dorf begab sich auf die Plattibrücke, um bei der Einfahrt der Sportler dabei zu sein.

Der Skitourismus hat Mühe in Schwung zu kommen

Der Erste Weltkrieg hatte einen doppelzüngigen Einfluss auf die Verbreitung des Skisports in Uri. So erreichte im Urserntal der Skiclub Gotthard im Jahre 1914 vor dem Kriegsausbruch einen Höchststand von 220 Mitgliedern. Dann erfolgte der Rückschlag, sodass die Mitgliederzahl bis zum Jahre 1923 ständig sank und ihren Tiefpunkt von 91 Klubmitgliedern erreichte.

Nach vier Kriegsjahren erholte sich in den 1920er-Jahren langsam das Reisegeschäft, erfuhr aber durch die Weltwirtschaftskrise erneut einen herben Rückschlag. Erst Mitte der 1930er-Jahre erlebte das Hotelgewerbe wieder einen Aufschwung. Dieser bestand jedoch nicht mehr im Sportaufenthalt, sondern immer mehr im Tagestourismus. Die beiden Grand Hotels mussten geschlossen werden: das Grand Hotel Danioth 1936 (2008 abgerissen) und das Hotel Bellevue 1939 (1986 gesprengt).

Der Erste Weltkrieg deckte aber auch auf, wie wichtig der Ski-Soldat im Gebirge war. Viele Urner erlernten im Aktivdienst das Skifahren und waren interessiert, dieses nach der Einkehr des Friedens als Freizeitsport weiter zu betreiben. In den Urner Dörfern taten sich Gleichgesinnte zusammen, mancherorts kam es zur Gründung von weiteren Skiclubs (Gurtnellen-Wassen 1917, Unterschächen 1924). Eine Gründungswelle fand in den 1930er-Jahren statt, wo gleich zehn neue Skiclubs gegründet wurden. Die Urner Skiclubs organisierten nun Skikurse, die zum Teil auch abends bei Flutlicht stattfanden. Mit Skikursen für die Kleinen versuchte man, die Jugend für den Skisport zu begeistern.

Ski-Kilbi findet regen Anklang

Zum Abschluss der Skisaison hielten die Skiclubs am Gotthard (Airolo, Göschenen und Andermatt) auf dem Gotthard-Hospiz alljährlich eine Ski-Chilbi ab. Am Samstagabend gab es «gemütliche Unterhaltung» und am Sonntag Konkurrenzläufe und Skispiele sowie Ausflüge in die Umgebung. Die öffentliche Publikation des Anlasses 1917 blieb nicht ohne Folgen.

Eine Einsendung im «Urner Wochenblatt» stellte zuerst fest, dass sich verschiedene Sportler um die Sonntagsheiligung und die religiösen Pflichten bekanntlich herzlich wenig kümmern würden. Die am Samstagabend auf dem Programm stehende «gemütliche Vereinigung» interpretierte der Einsender in der Weise, dass die Eingeweihten ja wissen würden, was das bedeute, zumal «die Vertretung des schöneren Geschlechts» besonders eingeladen wurde. Der Schreiber schloss seine Einsendung mit der Bemerkung, dass gewisse Leute eben Vergnügen und immer wieder Vergnügen wollen. Sie würden sich auch durch Worte nicht abhalten lassen; aber ihr Verhalten sollte von den ernst und billig Denkenden wieder einmal gekennzeichnet sein.

Ski-Chilbi kontra Skikanonen

Auf sportlicher Ebene entwickelte sich der Skisport. Besonders die jüngere Garde drängte darauf, ihr Können öffentlich an Rennen unter Beweis zu stellen. Die Skiclubs standen vor einer wegweisenden Entscheidung. Skiclubs, welche ihren Mitgliedern die Teilnahme an Skirennen ermöglichen wollten, mussten dem Schweizerischen Skiverband (SSV) beitreten, um an den überregionalen Rennen startberechtigt zu sein.

Vertreter der einzelnen Klubs waren mit Vereinspullover oder Vereinsabzeichen an Inter-Klub-Rennen, am Stoos-Riesenslalom, an den Mythenabfahrten, am Pragellauf oder sogar an den Gotthard-Skitagen in Andermatt am Start. Skiclubs, die diesen Weg einschlugen, gründeten 1958 den Urner Skiverband (USV) und unterhielten eine JO-Sektion zur Förderung junger Talente.

Militärischer Vorunterricht und Aktivdienst

Zur Förderung des Skisports der männlichen Jugend trug vor allem auch der militärische Vorunterricht bei. In den 1930er-Jahren wurde dieser für junge Männer (ab 16 Jahren) zur körperlichen Ertüchtigung und als Vorbereitung auf den Militärdienst eingeführt. Dieser war freiwillig und wurde von einheimischen Sportlern geleitet. Der Bund stellte «Vorunterrichts-Ski» aus den Beständen der Armee zur Verfügung. Es waren dies weisse, meistens recht lange Bretter, noch ohne Kanten. Die Bindung bestand aus einem Backeneisen, welches durch ein Stemmloch geführt und seitlich aufgebogen war. Fixiert wurde der Schuh mittels Lederriemen. Auf einer Tour wurden Hammer und Draht als unentbehrliches Flickzeug mitgeführt. Der Vorunterricht veranstaltete schon früh eigentliche Skitage mit Prüfungen und Wettkämpfen.

Der Skisport war erneut in Schwung gekommen, als der Zweite Weltkrieg diesen auf ziviler Ebene wieder bremste und der militärische Vorunterricht im Aktivdienst seinem eigentlichen Zweck gerecht werden musste.

Skifahrer auf einer Skitour im Urserntal. Da am Samstag noch gearbeitet wurde, war das Skifahren für die meisten Einheimischen nur am Sonntag möglich. (Bild: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

Skifahrer auf einer Skitour im Urserntal. Da am Samstag noch gearbeitet wurde, war das Skifahren für die meisten Einheimischen nur am Sonntag möglich. (Bild: Jean Haemisegger, Staatsarchiv Uri)

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