ANDERMATT: Andermatt setzt auf neue Trendsportart

Jetzt erhalten Sportler ein neues Angebot: Im Tourismusresort werden Trails für Fatbiker gebaut, und die exotischen Velos gibts bald zur Miete.

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Die grossen Reifen der Fatbikes greifen sogar auf Schnee, Schotter und Sand. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Die grossen Reifen der Fatbikes greifen sogar auf Schnee, Schotter und Sand. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Sulziger Schnee, Pfützen und Schlammlöcher: Zurzeit ist ein Spaziergang auf dem Winterwanderweg Andermatt–Realp mit grosser Mühe verbunden. Um nicht auszurutschen, müssen Fussgänger auf den steilen Passagen genau auf ihre Schritte achten. Sie staunen deshalb, wenn plötzlich Sportler auf Velos mit überdimensional dicken Reifen an ihnen vorbeirauschen.

Ein Bike für jedes Gelände

Diese exotischen Velos heissen Fat­bikes, und fast nichts bringt sie ins Wanken: Die extrem belastbaren Fahrräder passen sich dank ihrer grossen Reifen an beinahe jedes Gelände an. Deshalb bleibt ein Fatbike auch dort in der Spur, wo Mountainbikes versagen. Für sie, die modernen Velos, sind selbst Schnee, Schotter, Schlamm und Sand kein Problem mehr. In den USA sind Fatbikes voll im Trend. Dagegen sieht man die exotischen Vehikel in der Schweiz fast nie. Doch das soll sich bald ändern.

«Das Interesse an Fatbikes hat im vergangenen Jahr zugenommen», sagt Leo Püntener (62), Bikespezialist bei Andermatt-Urserntal Tourismus. Deshalb setzt das Tourismusresort nun auf die geländetauglichen Velos. Geplant sind Kurse, geführte Touren, beschilderte Trails und ein Mietservice. «Möglich, dass in Andermatt bereits in diesem Sommer die ersten Fatbikes gemietet werden können», sagt Püntener. «Spätestens in der nächsten Wintersaison steht das neue Angebot dann aber sicher zur Verfügung.»

Ansturm auf Pilotprojekt

Um den neuen Trend gut vorbereitet einzuführen, wurden in Andermatt in den vergangenen Tagen und Wochen erste Pilotprojekte mit Fatbikes durchgeführt. Die Veranstalter machen geführte Touren. «Und obwohl wir im Vorfeld kaum Werbung machten, haben sich in einer Woche 23 Personen aus Luzern, Zug, Zürich und Uri angemeldet», so Püntener. Die Teilnehmer seien durchs Band begeistert. Auch unsere Zeitung durfte vergangene Woche die neue Sportart ausprobieren. Zusammen mit Leo Püntener und einigen Bike-Enthusiasten gings auf den Winterwanderweg Andermatt–Realp. Dazu stellten die beiden Sportgeschäfte Velo Infanger (Erstfeld) und Snowlimit (Andermatt) die Velos zur Verfügung. Fazit: Fatbiking braucht etwas Übung, ist aber einfach zu lernen und macht garantiert grossen Spass.

Ein Fatbike fährt sich anders als ein normales Bike. Die massiven, bis zu 4,8 Zoll breiten Reifen weisen nur wenig Druck auf, weshalb die Bikes ungewohnt stark federn. So entsteht auch auf unebenem Boden ein ruhiges Fahrgefühl. Der Reifendruck variiert je nach Gelände zwischen 0,3 und 0,5 Bar. Zum Vergleich: Der Reifen eines Mountainbikes hat einen Luftdruck von 1,8 bis 2,5 Bar, und bei Rennvelos sind es sogar 7 bis 9 Bar.

Nichts für lange Bergtouren

Die weichen Reifen fressen sich regelrecht ins Gelände. Sogar im Schneematsch ist ein Bergauffahren möglich, ohne dass die Räder den Halt verlieren und durchdrehen. Wer dagegen auf der Strasse oder halbwegs befestigten, trockenen Wegen aufwärtsfahren will, ist mit einem klassischen Mountainbike sicher besser bedient. Denn diese brauchen im Vergleich zum Fatbike weniger Kraft, da sie meist leichter sind und härtere Reifen haben. Etwas mehr Übung braucht das Bergab- und Kurvenfahren. Dabei ist es wichtig, mit dem Oberkörper nach vorn zu lehnen, um Druck auf den Vorderreifen zu geben. Ansonsten besteht das Risiko, dass der Pneu wegdriftet. Dieses Vorbeugen braucht zwar Mut, doch nach wenigen Minuten hat man den Dreh raus. «Geübte Biker können direkt aufs Fatbike umsteigen», erklärt Püntener. Unerfahrenen empfiehlt er dagegen zuerst eine Instruktion oder eine geführte Tour.

Konflikt mit Wanderern vorbeugen

Doch braucht es den neuen Trend überhaupt? Immerhin kommt es schon heute zu Konflikten zwischen Wanderern und Mountainbikern. «Dieses Konfliktpotenzial wollen wir vorbeugend entschärfen», betont Püntener. «Deshalb wird es für Fatbiker in Andermatt extra ausgesteckte Trails geben.» Einer dieser Trails führt von Andermatt nach Realp und optional weiter nach Tiefenbach. Das entspricht einer Strecke von 8 respektive 16 Kilometern. Ein zweiter Trail soll von der Bahnstation Nätschen hinunter nach Andermatt führen.

«Ich bin selber begeisterter Biker», erzählt Püntener. «Trotzdem fahre ich nicht auf allen Wanderwegen und in Naherholungsgebieten.» Hier appelliert Püntener an die Vernunft und den Respekt der Biker. Und wenn dieser Respekt vorhanden ist, werden die Fatbiker in Andermatt schon bald weitere staunende Blicke ernten.

Anian Heierli

Snow Epic nennt sich das erste Winter-Bike- Festival Europas, das in diesen Tagen in Engelberg stattfindet. (Bild: Nick Muzik)
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Fatbike heisst der neue Trend und kommt aus Amerika. Start zum Rennen: (Bild: Nick Muzik)
120 Teilnehmer aus 20 Nationen haben sich für das Etappenrennen angemeldet. (Bild: Nick Muzik)
Der Engelberger Tourismusdirektor Frédéric Füssenich ist überzeugt: «Das Snow-Epic-Festival bringt uns regionale Wertschöpfung, erhöht aber auch den Bekanntheitsgrad Engelbergs.» (Bild: Marc Gasch)
Von Engelberg als Austragungsort schwärmt Renndirektorin Kati Csak in den höchsten Tönen: «Wir haben eine super Unterstützung von der Gemeinde. Engelberg ist ein idyllisches Dorf, zentral gelegen, die Anbindungen und die Pisten stimmen.» (Bild: Nick Muzik)
Am ersten Tag geht es auf die Fürenalp. Am zweiten Tag gilt es, 800 Höhenmeter hoch zur Brunnihütte zu bewältigen. Am Abend gibt es einen Slalom auf der Klostermatte. Das letzte Rennen über die Gerschnialp soll vor allem Plausch bringen. Auf Trübsee besteht am Wochenende die Möglichkeit, auf Fatbikes eine Proberunde zu drehen. (Bild: Nick Muzik)
Bislang ist die Fatbiker-Community in Engelberg noch recht klein, weiss Frédéric Füssenich. «Sie sind freestylemässig unterwegs, nicht auf Langlaufloipen und Pisten, sondern auf Forststrassen oder auf Wiesen.» (Bild: Marc Gasch)
Stephen Kotze, England (Bild: Nick Muzik)
Frank Barthel, Schweiz (Bild: Nick Muzik)
Riaan Manser, Südafrika (Bild: Nick Muzik)
Gunther Bruderhofer, Deutschland (Bild: Nick Muzik)
Aufwärmen von Bart Brentjens vor dem Rennen. (Bild: Nick Muzik)
Ein Fatbike ist ein Mountainbike mit sehr dicken Reifen und breiterer Gabel, ähnlich wie beim Motorrad. Es kam Anfang der 90er-Jahre in New Mexico und Alaska zum Fahren in Sand oder Schnee auf, setzte sich aber erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren durch. (Bild: Nick Muzik)
In der Schweiz ist die Szene eher klein. Preislich liegt ein Fatbike zwischen 2000 und 6000 Franken. (Bild: Nick Muzik)
«In der Anschaffung kommt es wohl primär als Zusatz-Bike in Frage. Spannend kann es sein bei Strandferien oder wenn in den gebuchten Skiferien wenig Schnee liegt», hält der Stanser Ex-Mountainbike- Profi und Tourenguide Lukas Stöckli fest. (Bild: Marc Gasch)
«Bei tieferem, nassem, windgepresstem oder Bruchharsch-Schnee wird es wohl eher an seine Grenzen stossen. Gerade für Wintertourismusdestinationen sehe ich aber Potenzial», sagt Stöckli. (Bild: Nick Muzik)
Tomas Misser aus Spanien siegt am ersten Tag. (Bild: Marc Gasch)

Snow Epic nennt sich das erste Winter-Bike- Festival Europas, das in diesen Tagen in Engelberg stattfindet. (Bild: Nick Muzik)