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ANDERMATT: Auch Nagers Nachfolge soll künftig das Volk beruhigen

Roger Nager trat sein vollamtliches Gemeindepräsidium als Nicht-Politiker an. «Daran bin ich gewachsen», sagt er rückblickend.
Florian Arnold
Roger Nager, Gemeindepräsident Andermatt: «Das Modell könnte auch anderswo in Uri Erfolg haben.» (Archivbild Keystone/Urs Flüeler)

Roger Nager, Gemeindepräsident Andermatt: «Das Modell könnte auch anderswo in Uri Erfolg haben.» (Archivbild Keystone/Urs Flüeler)

Andermatt stellt die Weichen für die Zukunft. Mit seiner Wahl in den Regierungsrat muss Roger Nager, der erste 100-Prozent-Gemeindepräsident im Kanton Uri, sein Amt in Andermatt niederlegen. Dass Nagers Nachfolger wiederum vollamtlich arbeiten soll, wurde an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Donnerstag vorgestellt (siehe unsere Zeitung vom 1. April).

«Für mich persönlich war es das Beste, was mir passieren konnte», bilanziert Nager. Er sei als Nicht-Politiker ins Gremium gekommen und an seiner Aufgabe gewachsen. Aber auch für die Gemeinde sei der Schritt richtig gewesen. «Ohne vollamtlichen Gemeindepräsidenten wäre Andermatt heute nicht da, wo es ist.» Nager betont: «Ich bin nicht professioneller als ein Gemeindepräsident, der das in der Freizeit tut. Aber wir haben Strukturen geschaffen, die es ermöglichen, schneller Entscheide herbeizuführen und effizienter zu arbeiten.»

2009 vom Volk bestimmt

Die Entwicklungen rund um das Tourismusresort von Samih Sawiris zwangen die Urschner Gemeinde, über die Bücher zu gehen. «Dass sich die Arbeitsbelastung für den Gemeinderat derart steigern würde, konnte man nicht voraussehen», erinnert sich Nager. Schliesslich sei ein Vollamt des Gemeindepräsidenten praktisch unumgänglich gewesen. Neben dem Amt in der Privatwirtschaft eine leitende Position in der Gemeindeexekutive wahrzunehmen, sei so nicht mehr möglich gewesen. 2009 sagten die Andermatter an der Gemeindeversammlung schliesslich Ja zum 100-Prozent-Pensum. Bis zum Amtsantritt von Nager am 1. Januar 2011 blieb somit genügend Zeit, um die Organisation hochzufahren.

Während der Gemeindepräsident fortan das Tagesgeschäft erledigte, konnte sich der Rest des Rats auf strategische Überlegungen beschränken. Ausserdem sei die Gemeinde unternehmerischer geworden, führt Nager aus. «Auf diese Weise wurde es möglich, dass wir neue Dienstleistungen anbieten konnten.» So wurde etwa die Gemeindeverwaltung von Hospental in derjenigen von Andermatt integriert – was wiederum Geld in die Gemeindekasse brachte.

Doch vor allem wurde Nager zu einer zentralen Person beim Aufbau des Tourismusresorts. Und diese Rolle soll auch der neue Gemeindepräsident beibehalten. «Das Tourismusresort ist wie ein Kind, das begonnen hat zu laufen», zieht Nager einen Vergleich. «Das kann man nicht einfach losschicken, sondern man muss es begleiten.»

Nager sah sich als ruhigen Pol

Bei der Andermatt Swiss Alps AG, die das Resort realisiert, kommt es immer wieder zu Personalwechseln. Nager erlebt nun schon den fünften CEO. «Mit neuen Leuten bespricht man oftmals Dinge, die man mit anderen schon besprochen hat», gibt Nager zu bedenken. «Darum ist es von Vorteil, wenn von unserer Seite her Kontinuität geschaffen wird. Das wirkt sich auch auf die Bevölkerung beruhigend aus.» Die Bevölkerung war aber nicht vollends überzeugt von Nagers Vollamt. Im Vorfeld der Wiederwahl 2014 war es zu einer Kampagne gegen ihn gekommen: Mit anonymen Schreiben wurde die Andermatter Bevölkerung aufgefordert, Nager nicht mehr zu wählen. Ein Vollamt sei «nicht mehr vertretbar», da die wichtigsten Arbeiten im Zusammenhang mit dem Tourismusresort weitgehend abgeschlossen seien. Das sei für Andermatt «finanziell nicht mehr tragbar». «Die Aussagen auf den Flugblättern entsprachen damals nicht den Tatsachen, und sie tun es auch heute noch nicht», sagt Nager. «Es kommt noch viel auf die Gemeinde zu. Einige Projekte sind noch am Laufen, diese gilt es zu begleiten.» Nager stellt aber auch fest: «In der Bevölkerung ist mittlerweile auch eine gewisse Besorgnis vorhanden, wie es weitergeht, wenn ich nicht mehr Gemeindepräsident bin.» Er betont aber: «Wir werden alles daransetzen, dass wir dieselbe Qualität seitens der Gemeinde weiterhin sicherstellen können.»

Risiko schwingt mit

Wäre ein vollamtlicher Gemeindepräsident auch anderswo in Uri ein probates Mittel? «Ich bin überzeugt, dass dieses Modell auch in anderen Gemeinden Erfolg haben könnte», sagt Nager. Er gibt aber zu bedenken: «Es braucht einfach Leute, die bereit sind, das Risiko einzugehen, dass sie allenfalls nach vier Jahren abgewählt werden.» Denn in einem politischen Amt sei man nie ganz sicher. «Wenn kurz vor der Wahl etwas passiert, für das man unter Umständen gar nicht verantwortlich war, kann das einem den Job kosten.»

Für ein Vollamt müsse auch die Entlöhnung stimmen, betont Nager. «Das muss es der Gemeinde wert sein.» Er selber hatte während seiner zweiten Amtsperiode ein Jahressalär von 150 000 Franken. «Das war innerhalb des Lohngefüges der Gemeinde eine angemessene Entlöhnung», sagt Nager. Innerhalb der Gemeinde Andermatt sei man wie ein Privatunternehmen organisiert. Somit trage der Präsident als Chef die Gesamtverantwortung, und dies solle entsprechend entschädigt werden.

Dass es in anderen Gemeinden aber ausschliesslich am Lohn scheitere, glaubt Nager nicht unbedingt. «Es gibt sicher Leute, für welche die Entlöhnung eine wichtige Rolle spielt. Aber es braucht vor allem Leute, die bereit sind, sich voll für die Gemeinde zu engagieren und dafür ihren bisherigen Job aufzugeben.»

Florian Arnold

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