ANDERMATT: Bernhard Russi zeigt Lara Gut das geplante Skigebiet

Eine Ski- Legende und ein aktueller Ski-Star wandern gemeinsam am Gemsstock. Beide haben eine spezielle Beziehung zu dem Urner Berg.

Elias Bricker
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Gestern Mittag am Gemsstock: Lara Gut und Bernhard Russi gönnen sich eine Pause. (Bild: Elias Bricker)

Gestern Mittag am Gemsstock: Lara Gut und Bernhard Russi gönnen sich eine Pause. (Bild: Elias Bricker)

«Das Schönste am Gemsstock ist, dass man von hier das Tessin sieht», sagte Lara Gut mit einem riesigen Strahlen im Gesicht. Die Tessiner Skirennfahrerin unternahm gestern mit der Urner Skilegende Bernhard Russi und einigen Journalisten eine kleine Wanderung auf dem Gurschen ob Andermatt. Davor fuhren die beiden aber mit der Seilbahn von der Mittelstation Gurschen auf den 2963 Meter hohen Gemsstock. Der Abfahrts-Weltmeister von 1970 wollte der talentierten Sportlerin zeigen, wie sich das Skigebiet in den kommenden Jahren verändern wird. Geplant ist – im Zusammenhang mit dem Tourismusresort von Samih Sawiris in Andermatt –, das Skigebiet am Gemsstock auszubauen. Zudem soll das zweite Andermatter Skigebiet Nätschen-Gütsch mit dem Skigebiet Oberalp-Sedrun verbunden werden. Bernhard Russi und Lara Gut sind die prominenten Markenbotschafter der neuen Skiarena. Denn die beiden haben einen starken Bezug zum Gemsstock.

Lara Gut fuhr hier als Kind JO-Rennen – und war schon damals sehr erfolgreich. Nach ihrem Unfall im Herbst 2009 (sie kugelte sich im Training die Hüfte aus) wagte sie im Februar 2010 am Gemsstock wieder ihre ersten Schwünge im Schnee. «Das war ein gutes Gefühl, nach so vielen Monaten wieder auf den Ski zu stehen», erinnert sie sich. Doch dass sie 2010 hier trainierte, war eher ein Zufall: Die Sportbahnen in Airolo, wo Gut normalerweise trainierte, standen damals wegen finanzieller Probleme still. «Seither war ich nur noch selten am Gemsstock», gesteht Gut. «Denn im Winter bin ich eben immer an den Rennen.» Dafür wurde nun eine Piste nach Lara Gut benannt – jene, auf der sie früher bereits JO-Rennen bestritt.

Auch der Andermatter Bernhard Russi hat am Gemsstock vor mehreren Jahren eine eigene Piste erhalten: den Bernhard-Russi-Run. Der Olympiasieger von 1972 hat früher viel auf dieser Strecke trainiert. «Während der Lehre als Bauzeichner musste ich oft nur bis Mittag arbeiten. Dann ging es ab auf den Gemsstock.» Regelmässig fuhr Russi damals im steilen Gelände neben der Piste. «Vielleicht haben mich gerade diese Fahrten zu einem guten Abfahrer gemacht.» Russi hat die ganze Entwicklung des Skigebiets miterlebt. Als er zur Schule ging, stand hier noch kein Lift. Als Zwölfjähriger machte er erstmals eine Skitour auf den Gemsstock. «Das war extrem streng», erinnert sich Russi.

Jetzt, mehr als fünfzig Jahre später, prägt er die Weiterentwicklung des Skigebietes wesentlich mit. Als Verwaltungsrat der Sawiris-Firma Andermatt Swiss Alps hat er vor allem eine beratende Funktion. «Dabei kann ich extrem viel lernen», sagt er. Denn bis jetzt habe er ausschliesslich Rennstrecken und nicht Pisten für Touristen geplant.

Weltcup ist kein Thema

Auf dem Gletscher am Gemsstock werden aber auch künftig vor allem die besseren Skifahrer unterwegs sein – trotz aufwendigem Ausbau. Die weniger starken Fahrer werden das sonnige Gebiet Nätschen-Gütsch-Oberalp-Sedrun vorziehen. «Am Gemsstock sind die Bedingungen für Skirennfahrer eigentlich ideal», so Russi. «Hier können sie in schwierigem und ganz steilem Gelände optimal trainieren.»

Am Gemsstock gibt es zudem eine FIS-Piste, auf der auch internationale Rennen durchgeführt werden könnten. Trotzdem sagt Bernhard Russi: «Weltcup-Rennen wird es hier nie geben.» Denn hier oben sei einfach nicht die nötige Infrastruktur vorhanden. Russi: «Weltcup-Rennen finden heute nur noch in Dörfern statt.»