ANDERMATT: Dieses Trio will Hobbysportler anspornen

Die Sommersaison wird mit einem bunten Strauss an Aktivitäten eingeläutet. Rad-Doppelolympiasieger Fabian Cancellara stellt sich dabei einer ganz speziellen Herausforderung. Auch Linda Indergand und Bernhard Russi sind in Andermatt anzutreffen.

Urs Hanhart
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Linda Indergand, Bernhard Russi und Fabian Cancellara (von links) bei der Streckenbesichtigung. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 31. Mai 2017))

Linda Indergand, Bernhard Russi und Fabian Cancellara (von links) bei der Streckenbesichtigung. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 31. Mai 2017))

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Sportprominenz vom Feinsten tummelte sich gestern im Luxushotel «Chedi» in Andermatt. Namentlich handelte es sich um Fabian Cancellara, Doppel-Olympiasieger im Zeitfahren und mehrfacher Weltmeister, Bernhard Russi, Abfahrts-Olympiasieger und -weltmeister, sowie Linda Indergand, MTB-Weltmeisterin in der Disziplin Eliminator und erfolgreiche Olympiateilnehmerin in Rio im vergangenen Jahr. Das Trio war zugegen, um für ein Radsport-Wochenende, das am 24. und 25. Juni über die Bühne gehen wird, die Werbetrommel zu rühren.

Einerseits handelt es sich um die Premiere zur neuen Veranstaltungsreihe «Chasing Cancellara», bei dem sich Hobby-Radsportler im Rahmen eines Zeitfahrens auf den Oberalppass mit Fabian Cancellara messen können. Andererseits gastiert auch noch der Swiss Bike Cup, eine der wichtigsten Rennserien Europas, erstmals in Andermatt. Dort werden voraussichtlich mehrere Weltklasse-Mountainbiker an den Start gehen.

Viele Belgier erwartet

«‹Chasing Cancellara› ist ein super Format. Dadurch erhalte ich Gelegenheit, etwas an meine Fans zurückzugeben und gleichzeitig den Breitensport zu fördern», sagte Fabian Cancellara. Maximal 333 Fahrer bekommen am Sonntagvormittag Gelegenheit, auf der 10,66 Kilometer langen Bergstrecke im Fernduell gegen den ehemaligen Radprofi anzutreten. Viele werden dabei extra aus Belgien anreisen, wo es einen grossen Cancellara-Fanclub gibt. Wer es schafft, die Radikone zu schlagen, wird mit einem Fabian-Cancellara-Bezwinger-Zertifikat geehrt. «Ich bin froh, dass wir nicht den steileren und viel längeren Furkapass hinauffahren müssen. Mit meinem im Vergleich zu den Bergflöhen hohen Körpergewicht ist dies jeweils eine Tortur», meinte der Berner augenzwinkernd und fügte an: «Der Oberalp hat dank der flacheren Passagen im oberen Teil für jeden etwas zu bieten. Besonders erfreulich ist, dass die Passstrasse während des Rennens für den Verkehr gesperrt wird.» Cancellara wirkt selber in der Organisation der neuen Veranstaltungsreihe mit, die in diesem Jahr mit einem weiteren Zeitfahren in Villars und der Finalveranstaltung in Lugano fortgesetzt wird.

Sommerpotenzial besser nutzen

Zu den Herausforderern von Cancellara wird auch Bernhard Russi gehören. Allerdings hat die Andermatter Skilegende keine allzu guten Erinnerungen an den Oberalp, wie er gestern mit einem Lächeln verriet: «Während meiner Karriere als Skirennfahrer habe ich diesen Pass immer wieder trainingshalber in Angriff genommen. Bis ganz nach oben bin ich jedoch nie gekommen. Für mich dürfte vor allem der steile erste Kilometer der härteste werden.» Zu den beiden Radsportanlässen sagte Russi: «Ich finde es fantastisch, dass es gelungen ist, diese Veranstaltungen ins Urserntal zu holen. Das gibt einen willkommenen Input für die Förderung als Sommerdestination. Unsere Gegend ist geradezu prädestiniert als Eldorado für Radsportler.»

Bei «Chasing Cancellara» nicht antreten wird Linda Indergand. Die Silenerin, die heuer auch in der Disziplin Cross Country in die Weltspitze vorgestossen ist, wird sich ganz auf das Swiss-Bike-Cup-Rennen konzentrieren, bei dem am Samstag die nichtlizenzierten Biker und am Sonntag die lizenzierten Fahrer auf die Rundstrecke gehen werden. «Ich freue mich riesig darauf, quasi vor der eigenen Haustür ein derart bedeutendes Rennen bestreiten zu dürfen, und werde alles daransetzen, vor dem heimischen Publikum einen Podestplatz herauszufahren», betonte Indergand. Noch ist nicht klar, wie gut die Besetzung sein wird, zumal Ende Juni viele Spitzenfahrer Höhentrainingslager absolvieren.

Nach der Präsentation im «Chedi» machte sich das Sportlertrio auf, um die Zeitfahrstrecke zu besichtigen. Dabei traf es vor dem Eingang zum Hotel zufällig auf Samih Sawiris, der sogleich bewundernde Blicke auf das Hightech-Rennrad des Olympiasiegers warf. Als Cancellara dem Investor verriet, dass sein ultraleichter Carbon-Drahtesel einen Wert von 15 000 Franken hat, kam dieser aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er liess sich von der Radlegende die technischen Feinheiten des auf Windschlüpfrigkeit getrimmten Renners genau erklären.

Ein bunter Auftaktstrauss

Am letzten Juni-Wochenende finden in Andermatt nicht nur die beiden Radveranstaltungen statt. Es ist noch viel mehr los. Dazu sagte Tourismusdirektor Flurin Riedi: «Wir läuten die Sommersaison mit einem bunten Strauss an Aktivitäten ein. Das möchten wir auch in Zukunft so handhaben.» Konkret lädt das Tourismusresort zu einem Tag der offenen Tür ein. Zudem wird auch noch das Andermatt Swiss Alps Classic eröffnet. Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke, die Postauto-Alpenpässe-Rundfahrten, die historische Reisepost und Sasso San Gottardo haben an diesem Wochenende ebenfalls ihren Saisonstart. «Das ist ein erlebnisreicher Auftakt», so Flurin Riedi.