ANDERMATT: Ein Klassikfestival in den Urner Alpen

Kammermusik vom Feinsten: Musiker Jörg Conrad lanciert im Sawiris- Resort ein Osterfestival – und er plant noch Grösseres.

Urs Mattenberger
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Hier werden 2015 die Konzerte des ersten «Swiss Chamber Music Circle» stattfinden: Initiant Jörg Conrad (69) in der Pfarrkirche Andermatt. (Bild: PD)

Hier werden 2015 die Konzerte des ersten «Swiss Chamber Music Circle» stattfinden: Initiant Jörg Conrad (69) in der Pfarrkirche Andermatt. (Bild: PD)

«Die Urner stehen wie eine Mauer hinter einem, wenn sie ihre anfängliche Skepsis abgelegt haben», schwärmt Jörg Conrad. Der ehemalige Solotrompeter des Luzerner Sinfonieorchesters weiss, wovon er spricht. Nachdem er in Adelboden drei Jahre lang ein Kammermusikfestival aufbaute, hat er nun Pläne im viel grösseren Stil für Andermatt.

Bereits fest steht das jetzt publizierte Programm für das erste Festival des «Swiss Chamber Music Circle» (siehe Box) – ein Osterfestival, das namhafte Solisten mit jungen Ensembles verbindet. Als Star wirkt Reinhold Friedrich mit – als Trompeter eine Galionsfigur des Lucerne Festival Orchestra. Die Kammerensembles sind Preisträger wichtiger Schweizer Wettbewerbe. Die jüngste Generation vertreten die Luzerner Sängerknaben, die an Karfreitag Bachs Johannes-Passion aufführen – in der akustisch vorzüglichen Pfarrkirche Andermatt, in der alle Konzerte stattfinden.

Akzent auf Stars und junge Musiker

Stars und junge Musiker – beide sind für Conrads Festival-Pläne zentral. Die Initialzündung gab das im Aufbau befindliche Resort von Samih Sawiris, das im aufstrebenden Andermatt die nötigen Voraussetzungen schafft. Dazu gehören dereinst das potenzielle Konzertpublikum der Resort-Gäste ebenso wie ein Konzertsaal mit 450 Plätzen, der 2017 im Hotel Radisson Blu eröffnet werden soll. «Samih Sawiris stellt eine Infrastruktur zur Verfügung, die auch durch Initiativen vor Ort gefüllt werden soll», sagt Conrad dazu. Und überzeugte eben die Urner Regierung, Andermatter Hoteliers und Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft von seinen Plänen für ein Klassikfestival in Uri, wie das breit abgestützte Patronatskomitee zeigt. Eine anfängliche Skepsis betraf die Nutzung der Kirche, die die liturgischen Aktivitäten über Ostern nicht tangieren darf.

Ebenso wichtig ist Conrad der Akzent auf junge Musiker. «Die Frische, die sie mit ihrem Engagement in den Konzertbetrieb einbringen, ist unglaublich», schwärmt er. Nutzen will er das für einen Wettbewerb, der in seiner Art einmalig ist, einen internationalen Contest für Kammerformationen mit bis zu 15 Musikern. Dieser soll auch dem «kopflastig ausgebildeten» Schweizer Musikernachwuchs Impulse geben: «50 Prozent der Orchesterstellen in der Schweiz werden mit Musikern aus dem Ausland besetzt. Das liegt auch daran, dass unsere Studenten zu wenig mit internationaler Konkurrenz in Kontakt kommen.» Dem will der Wettbewerb auf höchstem Niveau abhelfen. Symbolisch dafür steht die Anfrage ans Lucerne Festival, wonach die Wettbewerbssieger zusätzlich zum Preisgeld (10 000 Franken) in Luzern auftreten könnten. Entsprechende Gespräche stehen an.

Ehrgeizige Zukunftspläne

Aber für die Zukunft hat Conrad noch viel weiter gehende Pläne. Wenn der Konzertsaal in Andermatt eröffnet wird, könnte der «Music Circle» unter der Geschäftsführung von Danièle Florence Perrin zur Plattform werden für Gastkonzerte selbst von Sinfonieorchestern – bis hin zu Sawiris’ erklärtem Traum, dereinst in Andermatt eine Formation der Berliner Philharmoniker zu hören? «Das ist nicht ausgeschlossen», erläutert Conrad die bestehende Zusammenarbeit mit der «Andermatt Swiss Alps», die den Bau von Sawiris’ Resort betreibt. «‹Swiss Alps engagiert sich neben der Urner Regierung und diversen Stiftungen bereits finanziell für das Projekt und hat im Falle eines Erfolgs weitergehende Beiträge in Aussicht gestellt» – auch für zusätzliche Konzerte das ganze Jahr hindurch, wie sie Conrad vorschweben.

Woher aber kommt in einer 1200-Einwohner-Gemeinde wie Andermatt der Publikumserfolg, solange das Resort im Aufbau ist? Auch da geht der «Music Circle» neue Wege: Ein Viererteam der Hochschule Luzern – Wirtschaft übernimmt als Studienprojekt das Marketing für das Osterfestival 2015, das Besucher auch aus dem Raum Zürich oder Bern ansprechen soll.