ANDERMATT: «Es lohnt sich, niemals aufzugeben»

Die 45-jährige Silvia Schweizer hat sich nach einem Unfall in ein normales Leben zurückgekämpft. Nun hat sie in ihrem Vortrag eine wichtige Botschaft bereit.

Urs Hanhart
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Silvia Schweizer will mit ihrem Vortrag anderen Menschen Mut machen. (Bild Urs Hanhart)

Silvia Schweizer will mit ihrem Vortrag anderen Menschen Mut machen. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

Den 15. Februar 2009 wird Silvia Schweizer nie mehr vergessen. An diesem Tag zog sich die heute 45-Jährige bei einem Horror-Skiunfall am Nätschen diverse schlimme Verletzungen zu. Bei einem Absturz über ein sieben Meter hohes Bord auf eine Traverse erlitt sie einen Beckenbruch, einen Trümmerbruch eines Rückenwirbels, eine Schulterluxation, verbunden mit dem Abriss sämtlicher Bänder, und einen Bruch des Brustbeins. Ihre Beine spürte sie nicht mehr.

Die gebürtige Untertoggenburgerin, die 1999 aus beruflichen Gründen in den Kanton Uri gezogen war, wurde ins Unispital Zürich geflogen und musste sich dort einer achtstündigen Operation unterziehen. Ihre Nerven im Rückenmark waren stark geschädigt. Die Diagnose lautete «inkomplette Paraplegie». Nach zwei Wochen wurde Schweizer dann ins Paraplegiker-Zentrum Nottwil verlegt. Die Ärzte machten ihr keine grossen Hoffnungen, je wieder laufen zu können. Vor allem gegenüber ihrem Lebenspartner Res Gnos äusserten sie sich diesbezüglich sehr skeptisch. Doch es kam ganz anders.

Glück im Unglück gehabt

«Die Option Rollstuhl hat es für mich nie gegeben», erinnert sich Schweizer. «Für mich war immer sonnenklar, dass ich wieder auf die Beine komme.» Zur Verblüffung der Ärzte erzielte die Patientin während der dreieinhalbmonatigen Rehabilitation schnell grosse Fortschritte. Den Rollstuhl konnte Schweizer tatsächlich wieder beiseiteschieben. Nottwil verliess sie auf den eigenen Füssen.

«Es kommt selten vor, dass Patienten mit einer inkompletten Paraplegie wieder laufen können», weiss die Erstfel­derin mittlerweile. «Insofern habe ich grosses Glück gehabt.» Allerdings hat Schweizer seit ihrem Unfall vom Beckenbereich abwärts die Oberflächensensibilität völlig verloren. Nur etwas Tiefensensibilität ist noch vorhanden. Berührungen spürt sie nicht mehr. Auch in den Füssen hat sie fast kein Gefühl mehr. «Beim Laufen geht jetzt alles nicht mehr so schnell wie früher. Ich steuere meine Beine und Füsse über den Kopf», erklärt sie. Das habe man sich folgendermassen vorzustellen: «Wenn ich zum Beispiel auf Eis ins Rutschen gerate, nehme ich das erst wahr, wenn ich es sehe», erklärt die kaufmännische Angestellte. Bei grosser Kälte muss die gebürtige Ostschweizerin jeweils extrem aufpassen. Weil sie ihre Füsse kaum spürt, besteht die Gefahr von Erfrierungen.

Einen Traum erfüllt

Vor ihrem Unfall betrieb Schweizer viel Sport. Sie nahm unter anderem erfolgreich an Laufveranstaltungen und Mountainbike-Rennen teil. «Während meiner langen Rehabilitation war es immer mein grosser Traum, irgendwann wieder über Langlaufloipen zu gleiten», sagt die Wahlurnerin. «Diesen Traum konnte ich mir mittlerweile erfüllen.» Sie ist nun wieder regelmässig auf Langlaufski unterwegs. «Zudem geniesse ich es jetzt mehr denn je, mich bewegen zu können.» Schweizer fährt inzwischen auch wieder Rennvelo sowie Mountainbike und geht oft wandern. Sogar Hochtouren hat sie wieder absolviert. Einzig Joggen und Skifahren darf sie nicht mehr. Das wäre zu belastend für ihren Rücken.

Nerven spielen verrückt

Die 45-jährige Frau hat gelernt, mit den Schmerzen, von denen sie immer wieder heimgesucht wird, zu leben. «Manchmal verspüre ich ein Surren in den tauben Körperteilen. Dann spielen die Nerven eine Party», erklärt sie. «Es ist so, als würde man mit einem Elek-tro­draht bei einer Kuhweide in Berührung geraten.» Aber das gehöre eben zu einer Paraplegie.

Mentale Stärke im Zentrum

Am kommenden Samstag um 19.30 Uhr hält Schweizer in der Aula des Bodenschulhauses in Andermatt einen Vortrag unter dem Titel «Der Glaube an die eigene Kraft kann Berge versetzen». Organisiert wird diese Veranstaltung von Meyers Sporthaus in Zusammenarbeit mit der Frauengemeinschaft Ursern. Zur Deckung der Unkosten gibt es eine Türkollekte. Die Referentin erzählt von ihrem schweren Skiunfall, der Zeit in der Uni-Klinik und vom Aufenthalt im Paraplegiker-Zentrum Nottwil.

«Ich möchte nicht unbedingt meine Geschichte in den Mittelpunkt stellen», betont Schweizer. Ihr Ziel sei es, den Menschen im Publikum, die ähnliche Schicksalschläge erlebten, Kraft und Hoffnung zu geben. «Ich möchte ihnen vermitteln, dass es sich lohnt, zu kämpfen und nie aufzugeben, und dass es möglich ist, mit mentaler Stärke viel zu erreichen.»

HINWEIS

Der Vortrag im Bodenschulhaus in Andermatt beginnt am Samstag, 20. Februar, um 19.30 Uhr.