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ANDERMATT: Glacier-Express stellt Weichen neu

Immer weniger Touristen fahren mit dem Glacier-Express. Um Gegensteuer zu geben, haben die beiden Eigentümer Matterhorn-Gotthard-Bahn und Rhätische Bahn eine Aktiengesellschaft gegründet.
Matthias Stadler
Die Geschäftsführerin der Glacier Express AG, Annemarie Meyer, und Verwaltungsratspräsident Isidor Baumann gestern auf dem Oberalppass. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (23. August 2017))

Die Geschäftsführerin der Glacier Express AG, Annemarie Meyer, und Verwaltungsratspräsident Isidor Baumann gestern auf dem Oberalppass. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (23. August 2017))

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Der Glacier-Express ist eine Institution im Schweizer Tourismus. Seit 1930 führt er seinen Passagieren die Schönheiten der Schweizer Berglandschaft vor Augen. Er bringt die Gäste während einer achtstündigen Zugfahrt über 291 Brücken von St. Moritz nach Zermatt oder umgekehrt. Dabei wird auch in Andermatt zwischengehalten.

Mitte des vergangenen Jahrhunderts transportierte der Zug rund 20 000 Passagiere pro Jahr. Mit der Eröffnung des Furkatunnels konnte der ganzjährige Betrieb aufgenommen werden, was zu immer mehr Gästen führte. Im Spitzenjahr 2008 waren es deren 260 000.

Doch seither sinken die Passagierzahlen kontinuierlich. Vergangenes Jahr verzeichnete der Glacier-Express, welcher durch die Rhätische Bahn sowie die Matterhorn-Gotthard-Bahn geführt wird, knapp 187 000 Fahrgäste. Ein Grund für den steten Rückgang war die Finanzkrise, welche im Herbst 2008 ausbrach und im Jahr darauf zu einem Rückgang bei den Passagierzahlen führte. Zudem entgleisten im Juli 2010 drei Wagen des Zuges, wobei ein japanischer Tourist starb. Hinzu kommt laut den Verantwortlichen die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015, welche dem Schweizer Tourismus generell zu schaffen mache. Zu guter Letzt gebe es weniger Touristen, die in Gruppen reisen. Vermehrt werden Individualreisende registriert, welche sich anders informieren und ihre Reisen buchen.

90 Gäste feiern die neue Aktiengesellschaft

Der Rückgang soll nun aufgehalten werden. Deswegen handeln die Rhätische Bahn und die Matterhorn-Gotthard-Bahn. Der Glacier-Express wurde in eine eigene Aktiengesellschaft überführt. Diesen Schritt feierten der neue Verwaltungsrat, welcher vom Urner Ständerat Isidor Baumann präsidiert wird, sowie fast 90 Gäste im «Chedi» in Andermatt. Die AG gehört je hälftig der Rhätischen Bahn und der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Ziel ist es, die Neupositionierung des Glacier-Express voranzutreiben. So soll der Zug einheitlich am Markt positioniert werden. Bis heute verkauften beide Bahnen Billette für den Zug.

Annemarie Meyer ist Geschäftsführerin der AG. Sie hat bereits mehrjährige Erfahrung im Tourismussektor. So war sie im Verkehrsverein Saas-Fee tätig, in St. Moritz sowie für Schweiz Tourismus. Ausserdem arbeitete sie für die Fifa und Alinghi. «Früher hat der Reiseleiter die Gäste unterhalten», erklärte sie. Heute gebe es viel mehr Individualtouristen. Auf das damit einhergehende veränderte Buchungsverhalten müsse eingegangen werden. So spielten soziale Medien eine immer wichtigere Rolle. Deswegen ist etwa neu ein Fotohalt auf dem Nätschen geplant. Die Verantwortlichen erhoffen sich mehr «Likes» und Resonanz auf den Internetplattformen, was wiederum zu mehr Gästen führen soll.

Andermatt soll wichtigere Rolle spielen

Geplant ist ebenfalls, dass Andermatt vermehrt als Ausgangspunkt der Reisen gewählt wird. So ist gemäss den Verantwortlichen die achtstündige Fahrt zwischen St. Moritz und Zermatt heute für viele Gäste zu lang. Zwei Züge sollen ab dem Sommer 2018 nicht mehr auf der gesamten Strecke fahren, sondern früher an ihren Ausgangspunkt zurückkehren. Andermatt habe den Vorteil, dass Tagesausflügler nicht den ganzen Tag verplanen müssten, sondern etwa am Morgen noch in Luzern oder Zürich verweilen könnten.

Verwaltungsratspräsident Isidor Baumann betonte: «Andermatt hat verglichen mit St. Moritz und Zermatt die beste Erreichbarkeit. Das gibt Potenzial für den Urner und Zentralschweizer Tourismus. Aber selbstverständlich auch für den Glacier-Express.» Der Präsident des sechsköpfigen Gremiums zeigte sich zudem erfreut, dass die Glacier Express AG ihren Sitz in Andermatt eingerichtet hat.

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