ANDERMATT: Grosses Rätseln um das Sportzentrum

Gemäss gut unterrichteten Quellen ist Andermatt aus dem Rennen um das Schneesportzentrum. Die Urner Regierung sieht das anders.

Florian Arnold
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So könnte das Schneesportzentrum in Andermatt aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So könnte das Schneesportzentrum in Andermatt aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

von Florian Arnold

Andermatt galt als heisser Kandidat für ein nationales Schneesportzentrum. Jetzt drohen sich die Hoffnungen in Luft aufzulösen. Zwar liegt bis dato kein Entscheid des Bundesrats vor, wie das Bundesamt für Sport (Baspo) auf Anfrage mitteilte. Doch in Bundesbern kursiert das hartnäckige Gerücht, dass Andermatt bereits aus dem Rennen sei. Laut gut unterrichteten Quellen aus Militär und Politik werde nun dem Standort Lenzerheide der Weg geebnet.

Huber macht Manko aus

Die Urner Nationalrätin Gabi Huber bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass ihr aus verschiedenen Quellen das Ausscheiden von Andermatt zugetragen worden sei. Huber moniert: «In meinen Augen wurde der Prozess seitens der Urner Regierung eher suboptimal geführt. Auch wenn das sicher nicht allein ausschlaggebend ist, mangelte es insbesondere auch an der Zusammenarbeit mit den eigenen Bundesparlamentariern.» Dem Kanton Uri sei plötzlich signalisiert worden, dass Andermatt entweder auf die Karte Armee oder Schneesportzentrum setzen müsse und es beides nicht gebe. «Spätestens dann hätte man alle Register ziehen müssen», so Huber. Diese Ansichten teilen mehrere Quellen aus militärischen und politischen Kreisen, die unsere Zeitung kontaktiert hat.

Der Obwaldner Nationalrat Karl Vogler drückt es diskret aus: «Ich habe nichts vernommen, das darauf hindeutet, dass Andermatt noch eine reelle Chance auf das nationale Schneesportzentrum haben könnte.» Die besten Chancen räumt auch er der Lenzerheide ein. Vogler, der für den Standort Engelberg kämpft, glaubt aber, dass auch eine Lösung mit mehreren Standorten ins Auge gefasst werden könnte. «In Engelberg ergibt sich mit der Sportmittelschule die Möglichkeit, Synergien zu nutzen.» Der Standort in Obwalden sei nur schon durch die zentrale Lage attraktiv und würde viele Anforderungen an die Infrastruktur erfüllen. «Sobald die konkreten Pläne im Parlament vorliegen, werde ich mich nochmals für Engelberg engagieren», hält Vogler fest.

Etwas Hoffnung schüren die Aussagen von Matthias Aebischer, dem Präsidenten der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft, Bildung und Kultur. Ihm sind die Gerüchte bis dato fremd. Der Berner Nationalrat hatte sich in der Kommission für die Motion von Christian Lohr eingesetzt, der mindestens drei Schneesportzentren in der Schweiz fordert. «Sollte es so sein, dass das Baspo nun ausschliesslich auf die Karte Lenzerheide setzt, würde ich mich persönlich auch für den zusätzlichen Standort Andermatt einsetzen», sagt Aebischer. «Für eine Berner Schulklasse bringt es nichts, wenn es nur ein Zentrum auf der Lenzerheide gibt. Schneesportzentren sollten für alle Schweizer Jugendlichen erreichbar sein.»

Baumann fordert Engagement

Kämpferisch gibt sich der Urner Ständerat Isidor Baumann. «Noch ist nichts entschieden», betont er. Die Gerüchte seien jedoch ernst zu nehmen. «Augen auf und Engagement», rät Baumann. «Es bleibt für mich ein Ziel, dass Andermatt seinen Anspruch auf das Schneesportzentrum geltend machen kann.» Die Argumentation, dass Andermatt bereits die Armee habe und deswegen kein Schneesportzentrum bauen könne, findet Baumann falsch. «Die Lösungsfindung, wie beides nebeneinander bestehen könnte, ist noch nicht abgeschlossen.» So sieht das auch die Urner Regierung. «Andermatt steckt noch genauso im Bewerbungsprozess wie alle anderen Standorte», sagt Bildungsdirektor Beat Jörg. Seines Erachtens liegen gar Anzeichen vor, dass Andermatt doch noch das Rennen machen könnte. Jörg macht klar, dass die Regierung ein Nebeneinander von Armee und Schneesportzentrum begrüsst. «Wir zeigen in unserem Bewerbungsdossier auf, dass sich Synergien ergeben.» Allerdings müsste sich die Armee längerfristig von der Kaserne Altkirch zurückziehen. «Die Einheiten der Armee wird man aber an anderen Standorten im Urserntal unterbringen können», so Jörg. Dies bestätigt auch Sicherheitsdirektor Beat Arnold, der im engen Kontakt mit der Armeespitze steht. «Die Armee hat immer wieder signalisiert, dass sie am Standort Andermatt beziehungsweise Urserntal festhalten will», sagt Arnold. Allenfalls sei vorstellbar, dass die Armee auf die Kaserne Altkirch verzichte. «Die Gerüchte zeigen, dass das Schneesportzentrum ein grosses Thema ist», so Arnold. «Unter Umständen werden Informationen falsch interpretiert.» Arnold kann sich aber auch vorstellen, dass die Gerüchte gezielt gestreut wurden, um Verunsicherung auszulösen.

Das Baspo rechnet noch dieses Jahr mit einem definitiven Entscheid des Bundesrats.