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ANDERMATT: Oberste Preisklasse ist begehrt

60 Prozent der verfügbaren Wohnungen im Tourismusresort sind verkauft oder reserviert. Die Wünsche der Kunden unterscheiden sich je nach Nationalität.
Anian Heierli
Franz-Xaver Simmen, CEO der Andermatt Swiss Alps AG, vor fertiggestellten Häusern des Ferienresorts. (Bild: Sven Aregger / Neue UZ)

Franz-Xaver Simmen, CEO der Andermatt Swiss Alps AG, vor fertiggestellten Häusern des Ferienresorts. (Bild: Sven Aregger / Neue UZ)

Anian Heierli

Seit gut zwei Jahren gehören Bagger, Kräne und Bauarbeiter in Andermatt zum Dorfbild. Die Pläne des ägyptischen Investors Samih Sawiris für das Tourismusresort nehmen immer mehr Form an. Diverse Apartmenthäuser sind bereits fertiggestellt, andere werden gerade gebaut oder befinden sich in konkreter Planung. Parallel dazu rückt der Immobilienverkauf in Andermatt voran: «60 Prozent der Wohnungen, die auf dem Markt sind, haben wir verkauft oder sind reserviert», sagt Christof Birkhofer, Immobilienverantwortlicher bei der Andermatt Swiss Alps AG (ASA). «Unser selbst gesetztes Ziel haben wir damit erreicht. Aber wir wollen das natürlich noch steigern.»

Bild: Grafik: Oliver Marx/ Neue LZ

Bild: Grafik: Oliver Marx/ Neue LZ

Andere Länder, andere Vorzüge

Zum Tourismusresort gehören heute unter anderem fünf Apartmenthäuser (siehe Grafik). Die Häuser Gämse, Hirsch und Steinadler sind bezugsbereit, das Haus Biber wird in den kommenden Wochen übergeben, «Schneefalke» befindet sich seit Oktober 2015 im Bau. «Für uns ist wichtig, dass das Projekt voranschreitet», betont Birkhofer. «Da sind wir auf einem guten Weg.» Noch in diesem Winter werden die ersten Einheiten im Residenzbereich des Hotels The Chedi den Käufern übergeben. Und auch im nächsten Jahr soll das Resort weiter wachsen. Im besten Fall ist Ende 2016 das fünfte Apartmenthaus Schneefalke fertig. Es stehen aber auch 25 Grundstücke für exklusive Chalets und zwölf Chedi-Penthouses zum Kauf bereit, die der Kunde individuell gestalten kann.

Doch wer kauft für eine halbe Million Franken eine 1,5-Zimmer-Wohnung oder für mehrere Millionen ein exklusives Chalet? «Über 50 Prozent unserer Kunden sind Schweizer», hält Birkhofer fest. «Der Rest ist international verteilt.» Darunter seien Interessenten aus dem europäischen, arabischen und asiatischen Raum. Die Kundenwünsche gehen gemäss Birkhofer je nach Nationalität auseinander: «Für Schweizer ist es ganz wichtig, dass sie viel Freiheiten erhalten.» Deshalb hätten Erreichbarkeit und eine flexible Nutzung bei ihnen hohe Priorität. «Dagegen will ein ausländischer Kunde möglichst wenig ‹Kopfschmerzen›», so Birkhofer. «In der Regel wünscht er, dass wir seine Immobilie managen respektive den kompletten Service wie beispielsweise die Reinigung übernehmen.» Zudem bevorzugen Schweizer tendenziell grössere Wohnungen. Der ausländische Kunde, der keinen Platz für Dinge wie Putzmittel braucht, ist dagegen eher an kleineren Immobilien interessiert. Laut Birkhofer sind Apartments im untersten sowie im obersten Preissegment am stärksten gefragt.

Wünsche werden berücksichtigt

Der Verkauf von Immobilien für bis zu 1,2 Millionen Franken läuft am besten. Aber auch mehrere Millionen teure, zweistöckige Dachwohnungen sind beliebt. In den Apartmenthäusern, die fertiggestellt sind, ist nur noch eine der Dachwohnungen verfügbar. «Eine geringere Nachfrage haben wir dagegen bei Wohnungen in der mittleren Preisklasse mit ganz hochwertigen Materialien, die teurer als 1 Million Franken sind, aber trotzdem nicht mehr als 3,5 Zimmer haben», so Birkhofer. «Hier sprechen wir klar ein geringeres Marktsegment an.»

Eines haben aber alle ASA-Immobilien gemeinsam: In jeder Wohnung sind Baumaterialien und Ausstattung hochwertig. Diese reicht vom Echtholz-Parkett übers Cheminée bis hin zur Naturstein- oder Lärchenholzverkleidung. «Wir versuchen frühzeitig, auf die Vorstellungen der Kunden einzugehen», sagt Birkhofer. Auch nach dem Kauf werden die Wünsche von Apartmentbesitzern berücksichtigt. ASA-Mitarbeiter regeln bei Bedarf den Reinigungs-, Wäsche- oder Einkaufsservice. Zudem werden Fachkräfte wie Babysitter, Ski- oder Golflehrer vermittelt. Weiter prüft ein Technikerteam jede Wohnung regelmässig. Kontrolliert werden Raumtemperatur, Wasseranschlüsse und Geräte. Wer in einem der Häuser ein Apartment besitzt, kann dieses über die ASA als Ferienwohnung vermieten lassen. Die Immobilien werden dann im Marketingprogramm der Sawiris-Firma angeboten.

Das Tourismusresort soll dereinst aus sechs Hotels im Vier- und Fünfsternbereich, 500 Apartments in 42 Häusern, 42 The Chedi Residences, zwölf The Chedi Penthouses, rund 100 Gotthard Residences und 25 individuell geplanten Chalets bestehen. Ob und wie schnell Investor Samih Sawiris seine Wohnungen verkaufen kann, ist auch von der Entwicklung der neuen Skiarena Andermatt-Sedrun abhängig.

Harzt der Verkauf in Andermatt?

Für Claudio Saputelli, Chefanalyst für Immobilien bei der UBS, sind die Verkaufszahlen der
Andermatt Swiss Alps AG (ASA) nicht berauschend: «Wenn 60 Prozent der Wohnungen verkauft wurden oder reserviert sind, ist das an der unteren Grenze», erklärt der Experte. In Zeiten des Immobilienbooms seien solche Wohnungen teilweise bereits ab Katalog zu 100 Prozent verkauft worden.

Doch weshalb gehen gerade Wohnungen im unteren und im ganz hohen Preissegment besonders gut weg? «Im niedrigen Segment ist die Nachfrage am grössten, denn es gibt einfach nicht so viele reiche Kunden», so Saputelli. «Bei Objekten, die weniger als 1 Million Franken kosten, ist die Nachfrage noch immer sehr robust.» Auf der anderen Seite lasse sich gerade auch Exklusivität gut verkaufen: «Man hat zwar insgesamt eine kleinere Nachfrage. Aber es gibt Leute, die genau diese Exklusivität wollen und suchen», so Saputelli. «Wer beispielsweise eine einzigartige, exklusive Dachwohnung in einem Mehrfamilienhaus erwirbt, ist in der Regel gut betucht.» Bei dieser Kundschaft entscheide nicht primär der Preis. Laut dem UBS-Analysten ist der Verkauf im mittleren Preissegment am schwierigsten, «weil hier die Interessenten einerseits kritischer sind und andererseits auf dem Markt eine grössere Konkurrenz herrscht».

Kaufen, um zu repräsentieren

Michael Trübestein, Wirtschaftsprofessor und Immobilienexperte an der Hochschule Luzern, sieht den Verkauf in Andermatt positiver: «Durch den Frankenschock und aktuell die Flüchtlingskrise gibt es Unsicherheiten am Markt. Von daher sind 60 Prozent im speziellen Teilmarkt Tourismusresort durchaus okay», sagt er. «Seit zwei Jahren ist feststellbar, dass Vermarktungszeiten in diesem Teilbereich stark zunehmen.» Auch für Trübestein ist es nicht verwunderlich, dass Wohnungen im niedrigen und hohen Preissegment am schnellsten verkauft werden: «Die ganz wohlhabenden Käufer nutzen exklusive Standorte etwa zu Repräsentationszwecken. Dagegen interessieren sich Personen für das ‹günstige› Segment, welche die Wohnung möglicherweise zur Zweitnutzung planen.» Im mittleren Segment habe man dagegen ein dritte Nachfragergruppe, die zwar wohlhabend ist, aber genau abwägt, wo investiert wird, und Konkurrenzprojekte analysiert: «So überlegen sie sich zum Beispiel, ob sie nicht lieber anderswo eine Wohnung kaufen.»

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