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ANDERMATT: Prospekt lüftet Geheimnisse von Samih Sawiris

Der Bedarf an frischem Kapital ermöglicht erstmals Einblick in die genaue Finanzsituation von Samih Sawiris beim Feriengebiet Andermatt und beim Luxushotel «The Chedi». Die Betreibergesellschaft hat nämlich eine Anleihe platziert und damit einige Geheimnisse gelüftet.
Samih Sawiris in seinem Luxushoten The Chedi in Andermatt. (Archivbild Neue LZ)

Samih Sawiris in seinem Luxushoten The Chedi in Andermatt. (Archivbild Neue LZ)

Aus den Unterlagen zur Anleiheemission der Andermatt Swiss Alps AG (ASA), welche der Nachrichtenagentur sda vorliegen, geht erstens hervor, dass der ägyptische Oligarch Samih Sawiris mit seinem Entwicklungsprojekt in Andermatt seit 2013 nur Verluste erlitten hat.

So belief sich der Fehlbetrag im ersten Halbjahr 2015 auf rund 7 Millionen Franken, wobei der Umsatz bei 39 Millionen Franken lag. Im Geschäftsjahr 2014 generierten Einnahmen von 108 Millionen Franken einen Verlust in Höhe von rund 13 Millionen Franken. 2013 hat die Gesellschaft einen Jahresfehlbetrag von fast 30 Millionen Franken erwirtschaftet und dies bei einem Umsatz von lediglich 55 Millionen Franken.

Wenig Handfestes

Zweitens sieht die Bilanz laut dem Bondsprospekt nicht gerade rosig aus. So sind die grössten Aktivposten zum Halbjahr 2015 die im Bau befindlichen Arbeiten und das Inventar des Skiressorts. Der Betrag beläuft sich auf rund 240 Millionen Franken und damit auf 50 Prozent der Bilanzsumme. Hinzu kommen Ausgaben des Entwicklungsprojekts in Höhe von 54 Millionen Franken, die ebenfalls aktiviert wurden.

Bei solchen Wertangaben steckt immer die Annahme dahinter, dass das Gesamtprojekt auch zum Fliegen kommt und erfolgreich zu Ende gebracht wird. Der Wert eines Luxusappartements in dieser Region hängt insofern stark davon ab, dass der versprochene Golfplatz, das geplante Schwimmbad und das vollständige Skigebiet fertiggestellt werden.

In diesem Zusammenhang fällt in den Jahresabschlüssen das Testat der Wirtschaftsprüfer auf. Diese machen mit einem separaten Absatz (Emphasis of Matter) auf den Umstand aufmerksam, dass sie signifikante Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss des Andermatt-Projekts haben. Daher wird auch grundsätzlich die langfristige Fortführung des Unternehmens in Frage gestellt. Einen solchen Vorgang gibt es laut Expertenmeinungen absolut selten in den Finanzbüchern von Firmen.

Auf der Passivseite der Bilanz springt neben dem Eigenkapital von 167 Millionen Franken als grösster Posten eine Darlehensverbindlichkeit an Samih Sawiris ins Auge. Diese beträgt rund 152 Millionen Franken und damit rund 32 Prozent der Bilanzsumme. Somit ist das Engagement des Ägypters an der Firma eigentlich deutlich höher als nur die direkte Beteiligungsquote von 51 Prozent. In der Bilanz gibt es zudem Bankverbindlichkeiten und einen Staatskredit in Höhe von zusammen 17 Millionen Franken.

Der Firmenchef von ASA, Franz-Xaver Simmen, der seit einigen Monaten die Betreibergesellschaft leitet, findet diese Ergebnisse nicht überraschend. Andermatt sei schliesslich ein Entwicklungsprojekt und dies produziere anfänglich eben Verluste, erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Alles brauche seine Zeit. Ausserdem müssten Wirtschaftsprüfer alle Risiken benennen und in der Aufbauphase des Projekts gebe es klar noch viele Fragezeichen.

Auch, dass die Anleihe nicht wie geplant über 50 Millionen Franken, sondern bei Investoren nur mit 40 Millionen Franken deutlich weniger Anklang gefunden hat, findet er unproblematisch. Schliesslich hatten kritische Stimmen im Vorfeld der Platzierung behauptet, dass ASA gar kein Geld am Kapitalmarkt erhalten werde.

Die Anleihe war unlängst an der Schweizer Börse mit einem Zins von 3,875 Prozent platziert worden, was angesichts der Risiken in den Augen mancher Investoren ein zu tiefer Wert darstellt. Laut Firmenangaben stammen die Geldgeber nicht aus dem Kreis der Familie Sawiris.

Verlust auch beim «The Chedi»

Aus den Unterlagen zur Kapitalaufnahme geht obendrein hervor, dass das Luxushotel «The Chedi» nur mässig läuft. Die Auslastungsquote beträgt 29,5 Prozent. In der Luxushotellerie gelten 50 bis 80 Prozent als übliche Werte. Das Fünf-Sterne-Haus, dass binnen kürzester Zeit bereits den vierten Chef hat, erzielte vom Juli 2014 bis zum Juni 2015 einen Umsatz von 12,6 Millionen Franken, wobei in diesem Zeitraum ein Verlust von 4,2 Millionen Franken entstanden ist.

Auf diese Zahlen angesprochen, erläutert ASA-Firmenchef Simmen, dass das Hotel ganzjährig geöffnet sei und schon allein deswegen etwa die Auslastungsraten deutlich niedriger lägen. Berechne man die Werte nur für die Wintersaison, käme das «Chedi» in Bereiche wie vergleichbare Herbergen. Ein neues Luxushotel brauche am Markt ohnehin 5 bis 8 Jahre an Anlaufzeit, erklärt der Manager.

In den Unterlagen zur Anleihe sind weitere Details interessant. So hat die Gesellschaft derzeit etwa rund 50 Vollzeitstellen. Allerdings verlassen offenbar drei der fünf Mitglieder des Management-Teams die Firma zum Jahresende. Dabei handelt es sich um den Finanzchef Stephan Weber, um den Leiter des Bereiches Immobilien Christof Birkhofer sowie um den Planungschef für die Destination Ihab Morgan. An der Spitze des Unternehmens hatte es mit Simmen auch unlängst einen Wechsel im Chefsessel gegeben.

sda

Der steinige Weg von Samih Sawiris in Andermatt

sda. Bereits seit 2007 versucht der ägyptische Oligarch Samih Sawiris, aus ehemals militärisch genutzten Gebieten ein Mekka für Touristen zu machen. Der Investor will Andermatt dabei nicht nur als Winterdestination entwickeln, sondern auch als Ferienortschaft für das ganze Jahr ausgestalten.

Im Endausbau soll die Feriendestination im Kanton Uri sechs Hotels im 4- und 5-Sterne-Bereich, rund 500 Ferienwohnungen, 25 Chalets, Kongresseinrichtungen sowie eine Schwimmhalle und einen 18-Loch-Golfplatz umfassen.

Neben bürokratischen Hürden oder mühevollen Abstimmungsentscheiden der Bevölkerung erleidet das Projekt immer wieder Rückschläge. So liegen beispielsweise seit Juli 2015 bis zur Erstellung der Anleiheunterlagen allein die Baukosten für die Chedi-Residenzen mit rund 15 Millionen Franken über den geplanten Werten.

Zudem hat eine Firma für ihre Leistungen bei der Andermatt Suisse Alps einen Zusatzbetrag von 8,2 Millionen Franken geltend gemacht. Die Parteien haben sich diesbezüglich mittlerweile auf eine zusätzliche Zahlung von 2,4 Millionen Franken geeinigt, was allerdings das Ergebnis 2016 belasten werde.

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