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ANDERMATT: Riskante Arbeit unter Lawinenhängen

Die Strassen sind wieder schneefrei. Der tiefst gelegenste Urner Pass ist geräumt. Doch die grösste Herausforderung steht den Räumungsarbeitern noch bevor.
Anian Heierli
Die Maschinisten der Räumungsequipe Ursern haben in der vergangenen Woche mit vier Fräsen den Oberalppass geräumt. Nun folgen der Gotthard, die Furka und der Susten. (Bild Urs Hanhart)

Die Maschinisten der Räumungsequipe Ursern haben in der vergangenen Woche mit vier Fräsen den Oberalppass geräumt. Nun folgen der Gotthard, die Furka und der Susten. (Bild Urs Hanhart)

Anian Heierli

Auf der rechten Strassenseite liegt der zugefrorene Oberalpsee. Links steigen Berghänge steil nach oben. In den vergangenen Tagen sind hier auf rund 2000 Metern Höhe grössere und kleinere Schneebretter abgegangen. Es taut. Der Frühling kommt. Und dennoch liegt der Schnee am Rand der frisch geräumten Strasse noch immer bis zu 2,5 Meter hoch. Es ist laut. Vier Schneefräsen kämpfen sich einen Weg durch die weisse Wand. Der Oberalppass wird geräumt.

Die Urner Arbeiter sind am Montag in Andermatt gestartet, die Bündner in Tschamut. Getroffen hat man sich auf der Passhöhe am Grenzverlauf. So ist jeder Kanton für seine Passseite verantwortlich.

So wenig Schnee wie selten

«Dieses Jahr verläuft das Räumen rasch und problemlos», sagt Ambros Müller, Leiter der Räumungsequipe Rotte Ursern. «So wenig Schnee habe ich hier oben erst einmal in 20 Jahren erlebt.» In der Regel liege Anfang April noch die doppelte Schneemenge. Trotzdem haben die Arbeiten in diesem Jahr nicht früher gestartet als sonst. Aus gutem Grund: «Die Chancen, dass im April noch ein- bis zweimal Schnee fällt, stehen gut», sagt Müller.

Der 59-jährige Routinier weiss, wovon er spricht. Müller ist seit zwei Jahrzehnten für die Passräumung zuständig und kennt die Urner Alpen und den Schnee bestens. Während seine vier Maschinisten die Fräsen lenken, schweift sein Blick prüfend über die Berghänge. Selbst wenn wenig Schnee liegt, darf er die Lawinengefahr niemals unterschätzen. Als Leiter trägt er bei Unglücken die Verantwortung. «Die Sicherheit ist das A und O», betont er. «Wir müssen uns aufeinander verlassen können.» Sein Team sei an Lawinensuchgeräten ausgebildet und wisse, wie eine Bergrettung durchgeführt werde. Die Hälfte von Müllers Männern ist zudem Mitglied in der Rettungskolonne des Schweizer Alpen-Clubs (SAC). «Risiken dürfen bei unserem Job nie absichtlich eingegangen werden», sagt Müller. «Die Natur gibt den Takt an.» Darauf aufbauend müsse er die richtigen Entscheide treffen. In seinem Team habe aber jeder ein Mitspracherecht.

Mit blauem Auge davongekommen

Faktoren, die zu Lawinenniedergängen führen können, sind: grössere Mengen Neuschnee, starke Erwärmungen und Regen oder ein schlechter Schneeaufbau. «Bei Schneefällen oder Wärmeeinbrüchen kann die Situation rasch kippen», warnt Müller. Das weiss er aus Erfahrung. Die Natur habe ihm schon mahnend den Finger gezeigt. «Genau an der Stelle, an der ich jetzt stehe, ist vor rund 10 Jahren unerwartet eine Nassschneelawine niedergegangen», erinnert er sich. Müller hatte damals unmittelbar nach der Strassengalerie vor der Urner Passhöhe gearbeitet und ging auf die andere Seite des Portals, um Maschinen zu betreuen. Kurz darauf löste sich dort, wo er kurz zuvor war, eine Lawine. «Damals hatten wir die Situation unterschätzt», sagt er. Zum Glück sei unter seiner Führung aber noch nie ein grosses Unglück passiert.

Absolute Konzentration gefragt

Müller und sein Team müssen nicht nur die Situation stets im Auge behalten, auch das Führen der grossen Maschinen verlangt absolute Konzentration. «Bei Fehlern kann die Fräse stecken bleiben oder im schlimmsten Fall sogar kippen», sagt Markus Lussmann (50). Der gebürtige Silener ist seit 12 Jahren dabei und darf als der Erfahrenste, die grösste Fräse lenken. Seine «Rolba 1500» der Marke Zaugg hat 420 PS und ist der Stolz der Equipe. «Auf die Fräse sind auch die Bündner etwas neidisch», scherzt Teamleiter Müller. Diese räumen ihre Passseite mit einer schwächeren «Rolba 600».

Gefräst wird von oben nach unten

Für eine saubere Strassenräumung braucht es jedoch mehrere Maschinen. Der Schnee wird von oben nach unten abgetragen. Deshalb fährt man zuerst mit einem kleineren Raupenfahrzeug die Schneewand etwas hinauf und fräst die oberste Schicht weg, bevor dann die grösseren Maschinen den Rest erledigen. Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan. Nachdem die Strasse schneefrei ist, kommt ein zweites Team, dass die Felsen sichert und Steine entfernt. Anschliessend werden Leitplanken und Signalisationen angebracht. Würde man diese im Winter montiert lassen, drohten Witterungsschäden.

Ambros Müller und seine Maschinisten haben noch alle Hände voll zu tun. Als tiefst gelegenster Pass steht der Oberalp jeweils zuerst auf dem Programm. Nun folgen der Gotthard, die Furka und der Susten (siehe Kasten). «Kein Problem», sagt Müller. Er schätzt seine Arbeit. Vor allem auf Furka und Susten freut er sich. «Diese Pässe sind die anspruchsvollsten», erklärt er. «Und das macht mir am meisten Spass.»

Gegen Ende Mai ist Gotthardpass offen

UriAH. An diesen Tagen sollen die Urner Pässe laut Behörden öffnen. Alle Termine sind provisorisch. Je nach Wetter kann die Öffnung eine Woche früher oder später erfolgen:

  • Oberalppass: Die Öffnung ist auf den 26. April vorgesehen.
  • Klausen- und Gotthardpass: Diese Pässe sollen am 20. Mai freigegeben werden.
  • Furkapass: Die Wintersperre soll am 6. Juni aufgehoben werden.
  • Sustenpass: Am 10. Juni ist die Öffnung zwischen Wassen und Innertkirchen vorgesehen.

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