ANDERMATT: Samih Sawiris muss sich weiter gedulden

Der Ausbau der Skiarena Andermatt-Sedrun verzögert sich. Grund ist das aufwendige Verfahren. Mit zwei Bahnen soll aber bald begonnen werden.

Anian Heierli Anian Heierli
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Bild: Quelle: A. Rohweder / Grafik: Jn, mop

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In diesem Sommer sollten die ersten Baumaschinen auffahren. Bauherrin Andermatt-Sedrun Sport AG (ASS) mit Investor Samih Sawiris will die Skiarena Andermatt-Sedrun in Angriff nehmen. Die erste Stufe Gesamtprojekt ist seit Mai 2014 genehmigt, Aufträge sind teilweise vergeben, Seilbahnbauer gefunden und Geld vorhanden. Es fehlen einzig die Bewilligungen für die Bauaufträge. 17 Anlagen und 48 Detailprojekte gehören zur geplanten Skiarena, deren Baustart sich seit 2013 verzögert. Noch im vergangenen Jahr hat die Bauherrin kommuniziert, man wolle 2015 eine Gondelbahn mit Mittelstation, drei Sessellifte und einen Trainerlift bauen. Mittlerweile ist von zwei Sesselliften und Beschneiungsanlagen die Rede.

Silvio Schmid, CEO der ASS, geht davon aus, dass die Sechsersesselbahn Oberalp–Calmut samt Beschneiungsanlage, die Sechsersesselbahn Gurschenalp–Gurschen sowie die Beschneiungsanlage an der Talabfahrt Gemsstock in diesem Sommer gebaut werden können (siehe Grafik). «Wenn wir die nötigen Bewilligungen wie erwartet im Frühling erhalten, sollten die beiden ersten Sesselbahnen im Winter 2015/16 betriebsbereit sein», sagt Schmid.

Herausforderung für alle Beteiligten

Ein sportliches Ziel. Doch das Bauen an sich ist nicht das Problem. «Die Schwierigkeit liegt beim äusserst komplexen Verfahren», betont Schmid. «Wir müssen 1500 Umweltauflagen erfüllen und 48 Detailprojekte abarbeiten.» So hat es bis heute in der ganzen Schweiz nie ein Seilbahnprojekt in dieser Grösse gegeben. «Das ist für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung, auch für das Bundesamt für Verkehr und die NGOs», betont Schmid. Das Bundesamt prüft die einzelnen Anlagen und erteilt Bewilligungen.

Insgesamt dürften gut 200 Millionen Franken in die Skiarena fliessen. Für die erste Etappe werden 130 Millionen Franken benötigt. Daran beteiligt sich der Bund mit einem Darlehen von über 40 Millionen, der Kanton Uri mit 5 Millionen und Graubünden mit 3 Millionen Franken. Die verbleibenden 82 Millionen Franken übernimmt Samih Sawiris, der mit seiner Firma Andermatt Swiss Alps (ASA) das Tourismusresort in Andermatt realisiert.

Verhandlungen mit Skistar sistiert

Die Aufträge für die Liftanlagen sind an die Seilbahnbauer Bartholet (Flums), Garaventa (Goldau) und Leitner (Italien) vergeben. Dagegen sind die Gespräche mit dem schwedischen Skigebietbetreiber und potenziellen Investor Skistar sistiert. «Da der Ausbau sicher einige Jahre dauert, ist der ganze Prozess noch lange nicht vorbei. Deshalb besteht momentan weder für uns noch für Skistar eine Dringlichkeit», sagt ASA-Sprecher Markus Berger. «Skistar ist aber noch immer in der Pole-Position.» Die Verhandlungen mit Skistar dürften aber erst weitergehen, wenn die neuen Gastrobetriebe im Skigebiet entstanden sind.

Hochalpin, sonnig und schneesicher

Der zähe Projektverlauf vermag die Laune von Silvio Schmid nicht zu trüben. Sobald er über die fertige Skiarena spricht, ist der Direktor in seinem Element. «Es wird für jeden Wintersportler geeignete Anlagen geben», sagt er. So gibt es schon heute am Gemsstock schneesichere, anspruchsvolle Hänge, wogegen der Nätschen einfachere, sonnigere Pisten zu bieten hat. Besonders freut sich Schmid auf das Gebiet am Schneehüenerstock (2773 Meter über Meer), das komplett neu erschlossen wird. «Der Schneehüenerstock liegt im hochalpinen Bereich. Die Hänge sind sonnig und gleichzeitig schneesicher», so Schmid. In Sedrun wiederum sei das Skigebiet familienfreundlich. Und dort gebe es auch einen Park für Freestyler.

Die ASS will also ein breites Publikum ansprechen. «Auf den Pisten werden Lagergäste aus Sedrun auf Andermatter 5-Stern-Touristen treffen», so Schmid. Noch will der Direktor nicht verraten, wie viele Pistenkilometer das überkantonale Wintersportgebiet einmal haben wird. Von der Grösse her wird es wohl in den hinteren Rängen der Schweizer Top-Ten liegen, etwa vergleichbar mit Crans-Montana.
 

Anian Heierli