ANDERMATT: Studie beweist: Sawiris bringt Andermatt in Schwung

Das Urserntal hat sich positiv entwickelt. Im Auge behalten muss man aber die Immobilienpreise und die Verschuldung der Gemeinden.

Urs Hanhart
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Andermatt und das Urserntal haben vom Bau des neuen Tourismusresorts profitiert. (Bild Urs Hanhart)

Andermatt und das Urserntal haben vom Bau des neuen Tourismusresorts profitiert. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

Vor zehn Jahren gab Investor Samih Sawiris seine Pläne bekannt, in Andermatt ein Tourismusresort realisieren zu wollen. Seither ist einiges gelaufen, und das Urserntal steht im Fokus nationaler und internationaler Medien. Die Berichterstattung schwankt zwischen optimistischem Wohlwollen und genereller Kritik. Nun hat die Urner Kantonalbank (UKB) eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie sich das Urserntal wirtschaftlich entwickelt hat. Beleuchtet wurde der Zeitraum zwischen 2005 und 2014. Beauftragt mit dieser Studie, die einen Realitätscheck erlauben soll, wurde die Ecoplan AG mit Sitzen in Altdorf und Bern.

Im harten Umfeld gut behauptet

Gestern präsentierten Urs Traxel, Vorsitzender der UKB-Geschäftsleitung, und Matthias Amacher von der Ecoplan AG im Rahmen einer Medienkonferenz in Andermatt die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse aus dieser Studie. Am­acher betonte: «Unser Fazit ist, dass die meisten wirtschaftlichen Indikatoren eine positive Tendenz aufweisen. Die Logiernächte folgen dem ausgebauten Hotelangebot mit einer erfreulichen Zunahme. Im Einklang mit der Nachfragesteigerung in der Hotellerie zeigen auch die Umsatz- und Beschäftigungszahlen in der Tourismusbranche generell nach oben. Die Studie beweist, dass sich das Urserntal und das Tourismusresort in den Jahren 2005 bis 2014 trotz hartem Wettbewerbsumfeld gut behauptet haben.» Amacher wies darauf hin, dass auch die so genannten Skierdays – so die Fachbezeichnung eines Tagesbesuchs einer Person im Skigebiet – parallel zur Zahl der Logiernächte verlaufen und seit 2011 kontinuierlich angestiegen seien. Zudem habe sich mit dem Wachstum der Tourismusbranche auch die Bevölkerungszahl positiv entwickelt. Laut Studie ist die Zahl der im Urserntal Beschäftigten markant von 958 (2005) auf 1250 (2014) gestiegen. Andermatt verzeichnete ein Plus von 40 Prozent. In Hospental und Realp kam es zu einer Stabilisierung.

Immobilienpreise sind explodiert

Je nach Sichtweise gibt es aber weniger erfreuliche Aspekte. Amacher dazu: «Ein Effekt, den es weiterhin kritisch zu beobachten gilt, ist die Preisentwicklung bei den Immobilien, denn im Vergleich zum übrigen Kanton Uri wie auch zur Schweiz sind die Preise für Eigentumswohnungen in Andermatt überdurchschnittlich angestiegen.» Letztere haben sich seit 2005 verdoppelt, was die Studienverfasser auf die hohe Nachfrage und die gesteigerte Attraktivität des Standorts Andermatt zurückführen. Im gesamten Kanton Uri sind die Immobilienpreise im gleichen Zeitraum um 50 Prozent nach oben gegangen, gesamtschweizerisch um 60 Prozent.

Im Auge zu behalten gilt es gemäss Amacher auch die Finanzen der öffentlichen Hand: «Bezüglich des weiteren Verlaufs des Selbstfinanzierungsgrads und der Nettoverschuldung der Gemeinden empfiehlt sich eine aufmerksame Beobachtung. Insbesondere die Gemeinde Andermatt trägt zahlreiche Investitionsprojekte und betreibt einen grossen Koordinationsaufwand, was kostentreibend wirkt.» Auf der anderen Seite seien jedoch die seit 2005 kontinuierlich steigenden Steuereinnahmen positiv zu werten. «Insgesamt sind die Finanzen der Gemeinden grundsätzlich gesund», so Amacher, «gewisse Punkte wie die Nettoverschuldung pro Kopf gilt es zu beobachten, erscheinen uns jedoch nicht als kritisch.»

UKB-Chef Traxel zieht aus der Studie ein erfreuliches Fazit. Im Urserntal habe das erwünschte ökonomische Wachstum eingesetzt. «Es lohnt sich, eine Investition hier oben zu prüfen. Ein gutes Fundament ist vorhanden», sagte Traxel. «Ich bin überzeugt, dass das Urserntal eine grosse Zukunft hat. Zwar ist das Entwicklungstempo nicht so hoch, wie man es vor einigen Jahren gerne gesehen hätte. Aber es geht stetig vorwärts, und das nicht nur beim Tourismusresort. Es handelt sich um keinen Hype, sondern um eine nachhaltige positive Entwicklung.» Gemäss Traxel beabsichtigt die UKB, diese Studie künftig periodisch weiterzuführen und zu aktualisieren. Bei der Erhebung der Daten setzten die Studienverfasser auf einen Methodenmix, in dem statistische Daten und eine kleine Umfrage bei Betrieben vor Ort einander gegenüberstanden.