ANDERMATT: Tiefe Einblicke in den Urner Palast

Alle Welt weiss, dass das neue Luxushotel Chedi in Andermatt mit Stil und Ausgefallenem nicht geizt. Aber wie lebt es sich in diesem Traumschloss, wie schläft, wie isst man da? Unsere Autorin hat es ausprobiert – ein Bericht aus dem Innenleben des neuen Vorzeigehauses der Zentralschweiz.

Flurian Valsecchi
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Das 33 Meter lange Schwimmbecken. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das 33 Meter lange Schwimmbecken. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Viel gelesen – und viel gehört – haben wir vom «The Chedi». Da ist die Rede vom «Chalet mit Tempelbereich» («Die Zeit») oder von «Hüttenzauber im XXL-Format» («Wochenspiegel ARD»). Und in der «New York Times» schaffte es das neue Hotel sogar in die berühmten «Places to Go in 2014». Kurz vor Weihnachten wurde das 5-Sterne-Deluxe-Hotel in Andermatt eröffnet, nun haben wir das «Chedi» getestet.

Der erste Schritt ins «Chedi» verrät die wohl grösste Stärke dieses Hauses. Hier wird nicht geklotzt mit viel Gold, Glitzer und üppigem Schnickschnack. Es ist die Grosszügigkeit, die einen in Staunen versetzt. Nur zwei Eckdaten: Das Hotel hat eine Fläche von 56 000 Quadratmetern. Die Raumhöhen im Erdgeschoss, wo sich Bars und Restaurants befinden, betragen eindrückliche 5 Meter. Eleganz verleihen dem Hotel die Materialien. Das «Chedi» ist ein gutes Stück Natur – gearbeitet wurde mit viel Holz (Wildeiche, gebeizte Eiche und Nussbaum) und Stein (Belgian Blue, schwarzer Portoschiefer und weisser Granit).

Und trotzdem sorgt das Interieur dafür, dass man sich nicht wie in einer Turnhalle fühlt. Überall sind kleine Nischen zum Verweilen eingerichtet. Es gibt eine Lounge, eine Après-Ski-Bar (wo sich auch Einheimische hintrauen) sowie ein Zigarren- und ein Weinzimmer. In Letzterem kostet die teuerste Flasche stolze 17 000 Franken.

03.10.2014: Am Freitag ist mit dem Bau des Apartmenthauses Biber begonnen worden. Es ist dies das vierte Apartementhaus im Tourismusresort der Andermatt Swiss Alps AG des ägyptischen Investors Samih Sawiris. (Bild: Keystone)
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Nachdem die Baubewilligung Anfang September vorlag begann der Generalunternehmer, die Strüby Holzbau AG von Seewen, unmittelbar mit den Vorbereitungsarbeiten, welche jetzt mit dem Baustart in die intensivste Phase übergeleitet wurden. (Bild: Keystone)
Hier entsteht das Haus Biber (Bild: Keystone)
Wie die Andermatt Swiss Alps AG am Freitag mitteilte, verfügt das Apartementhaus Biber dereinst über 22 Einheiten mit 2.5- bis 3.5-Zimmern und Verkaufspreisen ab 630'000 Franken. (Bild: Keystone)
Robert Fellermeier anlässlich des Baustarts des neuen Apartmentshauses Biber. (Bild: Keystone)
Das Luxushotel «Chedi», so wie es sich am 9. Dezember präsentiert: 104 Zimmer, Residenzen und Suiten, verschiedene Restaurants, ein 2400 Quadratmeter grosser Spa-Bereich und 140 Angestellte. (Bild: Keystone)
Eine Verwöhnoase ist das 2'400 Quadratmeter grosse Spa im The Chedi Andermatt.
Neben dem 35 Meter langen Indoor Pool bietet die Bäderlandschaft mit finnischer Sauna,
Dampfbad und Hamam Highlights für Erholungssuchende. (Bild: Keystone)
Restaurant im Chedi (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Schwimmen mit Ausblick: Bis 2014 dauern die Innenausbau- und Fertigstellungsarbeiten an den benachbarten Residenz-Gebäuden noch an. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Nach dem Skiausflug sollen sich die Gäste an 201 Cheminées wärmen können. (Bild: PD)
Privater Essensbereich mit exklusivem Weinkeller. (Bild: Keystone)
Die teuerste Flasche Wein kostet gegen 17'000 Franken. (Bild: Keystone)
Relaxen nach dem Bad im Pool. (Bild: Keystone)
22'000 Lampen leuchten die edlen Räume aus. (Bild: Keystone)
Ein Standardzimmer (Bild) kostet 550 Franken pro Nacht inklusive Frühstück, eine Deluxe-Suite 950 Franken. Letztere können auch gekauft werden. Der Preis liegt bei rund 1,7 Millionen Franken. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Samih Sawiris am Montag im neuen Luxushotel in Andermatt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Reception des neuen Luxushotels «Chedi» (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Blick auf das Hotel «The Chedi» inmitten von Andermatt. (Bild: Keystone)
Lounge im «Chedi»: Im Endausbau wird die gesamte Anlage 169 Residenzen, Suiten, Hotelzimmer und Penthäuser umfassen und rund 300 Millionen Franken gekostet haben. (Bild: Keystone)
Lounge im «Chedi» (Bild: Keystone)
Das Hotel «The Chedi» in Andermatt wird am 9. Dezember offiziell eröffnet. (Bild: PD)
Innenraum der Damen-Toilette. (Bild: Keystone)
Massage-Raum im Spa-Bereich. (Bild: Keystone)
Mansour Memarien posiert in einer der vielen Küchen im Hotel «Chedi». (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Blick in den Spa-Bereich. (Bild: Keystone)
Bild: PD
Schlüsselübergabe in Andermatt: Alain Bachmann, General Manager im «Chedi», Robert Fellermeier, CEO des Andermatter Resorts und Investor Samih Sawiris (von links). (Bild: PD)
Der ägypische Investor Samih Sawiris trifft zur Eröffnung des Hotels «Chedi» in Andermatt ein. (Bild: Keystone)
Skikeller mit eigener Reparatur-Werkstätte im «Chedi». (Bild: Keystone)
Tag der offenen Türe am 1. Dezember im Hotel The Chedi in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
04.09.2013: Robert Fellermeier, Geschäftsführer der Andermatt Swiss Alps AG, der Andermatter Gemeindepräsident Roger Nager sowie der Leiter der Bauabteilung, Alfred Achenbach (von links), nahmen den Spatenstich vor. (Bild: PD)
Auf dem Golfplatz stehen bereits Toiletten in Form von Golfbällen. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
04.09.2013: Das Hotel The Chedi wird am 6. Dezember eröffnet. (Bild: PD)
04.09.2013: Skistar-Manager Bo Halvardsson unterwegs mit weiteren Projektverantwortlichen am Nätschen. (Bild: PD)
Blick aus dem Apartmenthaus. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Bild: Keystone
21. Juni 2013: Samih Sawiris besucht das Richtfest der ersten beiden Apartmenthäuser des Andermatt Swiss Alp Resorts. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Im Beisein der beteiligten Handwerker wurde am Freitag im Rahmen des Richtfests der Richtbaum auf den Giebel gehievt. (Bild: Keystone)
16.04.2013: Blick in den zukünftigen Pool des «The Chedi». (Bild: Keystone)
16.04.2013: Ein Weinschrank im Musterzimmer im «The Chedi». (Bild: Keystone)
16.04.2013: Blick in ein Musterzimmer im «The Chedi». (Bild: Keystone)
Ein Musterzimmer im «The Chedi». (Bild: Keystone)
16.04.2013: Die Aussenarbeiten im «The Chedi» laufen weiter. (Bild: Keystone)
Die ersten Drinks werden schon Mitte April 2013 serviert. (Bild: Keystone)
Neben dem «The Chedi» (nicht im Bild) wird fleissig gearbeitet. (Bild: Keystone)
Asiatische Touristen überqueren die Strasse vor dem «The Chedi», das am 6. Dezember eröffnet wird. (Bild: Keystone)
16.04.2013: Stolz stellt sich der ägyptische Investor Samih Sawiris vor «The Chedi». (Bild: Keystone)
13.01.2013: Der Rohbau des «The Chedi» ist längst fertig. (Bild: Keystone)
26.11.2012: Die Villa ist bis zum Rohbau fertiggestellt. (Bild: Keystone)
26.11.2012: Richtfest für die 1. Villa des Swiss Alps Resorts von Samih Sawiris. (Bild: Keystone)
Richtefest am 26. November für die 1. Villa. (Bild: Keystone)
Richtefest am 26. November für die 1. Villa. (Bild: Keystone)
Richtefest am 26. November für die 1. Villa. (Bild: Keystone)
Richtefest am 26. November für die 1. Villa. (Bild: Keystone)
Richtefest am 26. November für die 1. Villa. (Bild: Keystone)
Ein grosser Schritt fand am 8. Mai im Tourismusresort in Andermatt statt: der Spatenstich für die erste Villa. Unternehmer Samih Sawiris (mitte) mit den Schaffhauser Unternehmer Giorgio Behr und seine Frau Anne-Marie. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)
Entlang der Furkareuss sollen in den kommenden Jahren weitere Villen gebaut werden. (Bild: Andermatt Swiss Alps)
Insgesamt sind 25 Parzellen dafür vorgesehen. (Bild: Andermatt Swiss Alps)
Eine Villa ist ab 8 Millionen Franken zu haben. «Nach oben ist der Preis aber offen», so Alain Gozzer, Sprecher der Andermatt Swiss Alps AG. (Bild: Andermatt Swiss Alps)
So soll die Villa von Giorgio und Anne-Marie Behr nach der Fertigstellung aussehen. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)
Auch Samih Sawiris strahlte über beide Ohren. «Der Spatenstich der Villa ist ein wichtiger Meilenstein», sagte der Ägypter. «Jetzt läuft das Projekt in Andermatt so gut, dass ich meine Leute arbeiten lassen kann. Nun kann ich mich hier ein bisschen zurücklehnen und mich um anderes kümmern.» (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)
Am 14. Februar präsentiert Samih Sawiris sein erstes Musterzimmer im Hotel «The Chedi». (Bild: Keystone)
Am 14. Februar präsentiert Samih Sawiris sein erstes Musterzimmer im Hotel «The Chedi». (Bild: Keystone)
Am 14. Februar präsentiert Samih Sawiris sein erstes Musterzimmer im Hotel «The Chedi». (Bild: Keystone)
Das Medieninteresse am 14. Februar war gross. (Bild: Keystone)
Am 14. Februar präsentiert Samih Sawiris sein erstes Musterzimmer im Hotel «The Chedi». (Bild: Keystone)
Samih Sawiris im Keller des Chedi. (Bild: Keystone)
Im Dezember 2011 ruhen die Arbeiten beim «The Chedi». (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Blick vom Oberalppass auf die Talebene mit Andermatt und dem markanten Hotelbau links vom Bahnhof. (Bild: PD / ASA / E.T. STUDHALTER)
Stefan Baumann (Josef Baumann AG), Max Germann (Germann & Achermann AG), Heidi Z'graggen (Urner Regierungsrätin), Samih Sawiris, Roger Nager (Gemeindepräsident von Andermatt) und Akira Moreno (Vice President Development & Pre-Opening Services General Hotel Management Ltd) stossen am 9. November auf die Aufrichte an. (Bild: PD / ASA / E.T. STUDHALTER)
Blick vom Oberalppass auf die Talebene mit Andermatt und dem markanten Hotelbau links vom Bahnhof. (Bild: PD / ASA / E.T. STUDHALTER)
Blick vom Oberalppass auf die Talebene mit Andermatt und dem markanten Hotelbau links vom Bahnhof. (Bild: PD / ASA / E.T. STUDHALTER)
Die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen, Samih Sawiris, Präsident von Orascom und der Andermatter Gemeindepräsident Roger Nager stossen auf die Aufrichte an. (Bild: PD / ASA / E.T. STUDHALTER)
Blick auf die Baustelle im Sommer 2011. (Bild: PD)
Die Baustelle am 20. April 2011. (Bild: PD)
Bild: PD
Baustellenrundgang am 8. Juli 2011 (Bild: Bruno Arnold/Neue UZ)
Baustellenrundgang am 8. Juli 2011 (Bild: Bruno Arnold/Neue UZ)

03.10.2014: Am Freitag ist mit dem Bau des Apartmenthauses Biber begonnen worden. Es ist dies das vierte Apartementhaus im Tourismusresort der Andermatt Swiss Alps AG des ägyptischen Investors Samih Sawiris. (Bild: Keystone)

Lampen wie Skulpturen

Für Gemütlichkeit sorgt vor allem das aufwendige Lichtarrangement. Lampen stehen hier wie Skulpturen in den Gängen. An den Wänden hängen vielerorts keine Gemälde, sondern beleuchtete Holzplatten. Es dominieren Braun- und Beigetöne. Dieses Haus hat Stil.

Auffallend sind die vielen Kissen, die sich in allen Variationen wohl überlegt auf Sesseln und Sofas reihen. Überall flackern Cheminées – 194 Stück gibts im ganzen Hotel.

Im «Chedi» ist der Weg das Ziel. Immer wieder fragen Gäste im Erdgeschoss, wo sich die Toiletten befinden. Und von der Suite zum Spa-Bereich zu finden, kommt einem Zufallstreffer gleich. Aus ästhetischen Gründen sonnenklar: Schilder hätten die schönen Wände nur verschandelt. Doch es verwundert nicht, dass überall Gäste in Begleitung eines Angestellten unterwegs sind. Fragt man nach dem Weg, wird man gleich sehr freundlich an den Zielort geführt, den Weg dorthin zu erklären, wäre bestimmt aufwendiger.

Beobachtet man Investor Samih Sawiris, wie er sich durch sein «Chedi» bewegt – halb Gast, halb Geschäftsmann, denkt man –, so wird schnell klar: Er fühlt sich hier so wohl, als wärs seine eigene Stube. Wer diese Grosszügigkeit weniger gewohnt ist, geht darin leicht verloren.

Obwohl auch die Zimmer (44 Zimmer und 60 Suiten) mit bis zu 145 Quadratmetern kleine Wohnungen sind, sind sie so eingerichtet, dass man sich wohl fühlt. Auch wenn die Stimmung etwas gar dunkel geraten ist. Im Zimmer zählt man übrigens 20 Kissen, 10 davon allein auf dem Bett. Eine Reisejournalistin aus Amerika kommentiert das so: «Endlich ein Hotel, wo man auch mal ein bisschen im Zimmer Ferien machen möchte.» 650 bis 3000 Franken kostet eine Nacht – je nach Saison und Komfort.

Besonders die Techniker unter den Gästen werden begeistert sein. Jeder Gast bekommt ein iPad in die Hand gedrückt, mit dem man das ganze Zimmer steuern kann – Licht, Klima, Lautstärke von TV und Radio – und das in allen Räumen. Zum Glück gibts auch überall die gewohnten Schalter an den Wänden. Klingelt das Personal an der Tür, erschrickt man, weil der Besucher via Kamera auf dem iPad eingeblendet wird, man kann automatisch die Tür öffnen oder den Gast abweisen. Allmählich findet man Gefallen an diesem Ding; es ist schon praktisch, wenn man vom Bett aus die zwei verschiedenen Arten von Jalousien rauf- und runterfahren kann. Aber nachdem man zum dritten Mal per Computer den (Gas-)Kamin angezündet und wieder ausgeblasen hat, legt man das iPad zur Seite.

Der Pool misst 33 Meter

Das «Chedi» ist ein Hotel zum Drinnenbleiben. Das Draussen kann warten. Das ist auch dem Spa- und Wellnessbereich zu verdanken: Das Schwimmbad ist 33 Meter lang und so konstruiert, dass man das Gefühl hat, gleich in die Lounge reinzuschwimmen, ein tolles Gefühl, für die, die im Wasser sind. Auch hier wieder überall bequeme Sofas und Betten. Grosszügige Saunas, Whirlpools, Dampfräume und Fitnesscenter sind selbstverständlich. Erst nach einer Massage – zum Beispiel nach altbalinesischer Methode – kehrt man für kurze Zeit zurück nach Andermatt; durch die Lamellen am Fenster sieht man die dicken Schneeflocken vom Himmel fallen.

Sushi statt Raclette

Im «Chedi» – dahinter steht der Hotelbetreiber GHM aus Singapur – gibt man sich so international, dass man sogar mit dem Schweizer Personal englisch spricht und es beide Seiten erst gar nicht merken. Auch beim Essen setzt sich die Reise in die Ferne fort. Ganz klar ist es nicht, wieso ausgerechnet ein japanisches Restaurant eingerichtet wurde. Es gibt viele Variationen von Sushi, Tempura und Sashimi. Das Essen ist schlicht wunderbar.

Viel grösser angelegt ist das Restaurant mit vier Schauküchen – von traditionellen europäischen Gerichten bis zur asiatischen Küche. Ein Menü-Beispiel: Der erste Gang ist ein Duett von Stubenküken und Hummer mit Mandelmousse, Walliser Aprikosen und Tonkabohne, als zweiter Gang folgt ein Black Cod auf Estragon-Safran-Nage mit Babylauch und Glasnudeln, und zum Dessert gibts eine Zabaglione mit einem Orangen-Beeren-Kompott. Im «Chedi» wird ein Frühstück angeboten, von dem man sich für den ganzen Tag ernähren kann und trotzdem nur einen Bruchteil des Angebots probiert hat.

Fondue und Raclette gibts im «Chedi» übrigens nicht, dazu empfiehlt man den Gästen die Wirtshäuser im Dorf. Und trotzdem dreht sich das ganze «Chedi»-Restaurant um den Käse – oder besser um einen riesigen, durchsichtigen Käsekühler, der mitten im Raum bis ganz oben hochsteigt. Der teuerste Laib, ein Parmigiano, kostet 1500 Euro.

Gearbeitet wird, wenns keiner sieht

Sympathisch ist einerseits, dass die Portionen nicht – wie so oft in der Sterneküche – vor allem fürs Auge kreiert sind, sondern dass man auch tatsächlich satt wird davon. Andererseits nimmt man es beim Dresscode entspannt. Erwünscht ist «gepflegte Freizeitkleidung» – Sawiris trägt wie immer keine Krawatte, man tut es ihm gleich. Dass es keine Tischtücher gibt, ist Konzept. Grösster Luxus: Den Damen stellt man neben dem Stuhl diskret ein «Schemeli» hin, damit die Handtasche nicht auf dem Boden liegen muss. Der Begriff «Chedi» kommt aus dem Thailändischen und steht für einen zentralen Tempelbereich. Dementsprechend werden die Gäste in diesem Tempel betreut und dementsprechend wird gearbeitet – nämlich dann, wenns keiner sieht. Legt man im Spa-Bereich ein benutztes Frotteetuch auf einen Sessel, ist es im gleichen Augenblick schon verschwunden, stattdessen liegt ein warmes, trockenes Tuch da. Es ist fast unheimlich. Doch bald freut man sich, wenn Heinzelmännchen immer wieder das Zimmer aufräumen und für die Nacht einen – letzten internationalen – Gruss auf einer Karte hinterlassen: «Wishing you sweet dreams.»

Auslastung: Viele Schweizer Gäste

Hoteldirektor Alain Bachmann strahlt. «Das vergangene Wochenende waren wir, einmal mehr, ausgebucht», sagt er gegenüber unserer Zeitung. Und weil die Wochenenden so beliebt sind, wurde sogar ein Mindestaufenthalt von zwei Tagen für die Wochenenden eingeführt.

Zwar gibt die GHM-Hotelgruppe, zu welcher das «Chedi» in Andermatt gehört, keine Zahlen zum Geschäftsgang bekannt. Doch Bachmann versichert: «Wir sind mit der Auslastung sehr zufrieden.» Diese liege über den Erwartungen, auch zu den «Randzeiten». Für die ersten Monate sei man von einer Auslastung von durchschnittlich 35 Prozent ausgegangen, diese wurde laut Bachmann übertroffen. Interessanterweise wollen vor allem Gäste aus dem Inland im «Chedi» übernachten. Der Hauptteil der Gäste, gut 50 Prozent, kommt aus der Schweiz, gefolgt von Deutschen, Italienern und Engländern. Im Weiteren stammen sie aus dem Mittleren Osten, aus Afrika, Russland und Asien.

Ein Aufenthalt im «Chedi» hat auch seinen Preis. Die aktuellen Tarife liegen bei 1000 Franken für ein Deluxe-Zimmer (52 m2) und bei 2000 Franken für eine Deluxe-Suite (zirka 100 m2). Nach den Fasnachtsferien im März sinken die Preise wieder auf 650 Franken für ein Deluxe-Zimmer und auf 1300 Franken für eine Deluxe-Suite. Die Gemsstocksuite (130 m2) kostet in der Hochsaison 3200 Franken, in der Nebensaison zwischen 1800 und 2200 Franken.