ANDERMATT: Tourismuschef führt Narren an

Heute wird Tourismusdirektor Flurin Riedi zum Fasnachtsprinzen Elve­linus gekrönt. Darauf ist er stolz. Riedi übernimmt aber auch zahlreiche Pflichten.

Anian Heierli
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Die Rolle des Andermatter Fasnachtsprinzen Elvelinus scheint wie für Flurin Riedi gemacht. (Bild Urs Hanhart)

Die Rolle des Andermatter Fasnachtsprinzen Elvelinus scheint wie für Flurin Riedi gemacht. (Bild Urs Hanhart)

Flurin Riedi (34) steht mit stolz geschwellter Brust im knöcheltiefen Schnee. Um seinen Hals hängt eine massive Goldkette. In der Hand hält er ein Zepter, mit dem er feierlich winkt. Ein Anblick, bei dem jeder sofort weiss: Dieser Mann ist wichtig. Und zweifelsohne ist Riedi eine äusserst wichtige Person. Immerhin regiert er ab sofort im Urserntal. Als neu gewählter Fasnachtsprinz Elvelinus gibt er unter den Narren den Ton an. Seine Inthronisation von heute Abend bildet den Auftakt zur Andermatter Fasnacht, die bis zum Güdeldienstag am 9. Februar dauert.

Zeitpunkt kommt überraschend

«Die Wahl zum Prinzen Elvelinus ist für mich eine grosse Ehre», betont Riedi. «Dieses Amt macht mich stolz, und ich nehme es gerne an.» Es sei eine Chance, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und das Gesellschaftliche zu pflegen. Riedi hat damit gerechnet, dass er irgendwann zum Fasnachtsprinzen gekrönt wird. Dennoch kommt der Zeitpunkt für ihn überraschend: «Schon mehrmals hat man Anspielungen gemacht, dass ich das Ehrenamt übernehmen könnte», sagt er. «Trotzdem habe ich nicht erwartet, dass es mit der Wahl derart schnell geht.»

Mittlerweile arbeitet Riedi seit zwei Jahren als Tourismusdirektor von Andermatt – ein Beruf, der Parallelen zum Prinzenamt aufweist. «Als Elvelinus sollte man eine offene, kommunikative Person sein, die Freude an der Bevölkerung mitbringt», erklärt er. «Es braucht jemanden, der gerne unter Leuten ist und den Kontakt und Austausch pflegt. Und genau diese Eigenschaften brauche ich auch als Tourismusdirektor.»

Alle ziehen an einem Strick

Wenn Riedi über seine Arbeit spricht, leuchten seine Augen. Schnell wird klar, dass er mit Herzblut bei der Sache ist. Sein engagiertes Mitarbeiterteam und er hätten in den vergangenen Jahren einiges für die Ferienregion Andermatt geleistet. «Wir haben das Destinationsmanagement aufgebaut und die internen Prozessabläufe reorganisiert», sagt Riedi. «Wir mussten eine Basis für die Tourismusentwicklung schaffen.» Das sei insbesondere durch die Förderungen von Kooperationen passiert. Konkret zwischen den Gemeinden, dem Kanton, der Andermatt Swiss Alps AG und der Skiarena Andermatt-Sedrun, aber auch den kleineren nicht unwichtigeren Leistungsträgern der Ferienregion. Für Riedi ist es das A und O, dass alle Partner an einem Strick ziehen. «Als Tourismusbüro versuchen wir, auch im Bereich Service Hand zu bieten», erklärt er. Darunter fallen etwa Schulungen und Workshops. Diese werden in den Bereichen Onlinevertrieb, Angebotsgestaltung, Tourismussensibilisierung und Marketing angeboten und richten sich an Hotels, Gastrobetriebe und Wohnungsvermieter. So überrascht es nicht, dass das Tourismusbüro Andermatt unter Riedis Leitung bereits das Qualitätsgütesiegel Q2 des Schweizer Tourismusverbands für besondere Dienstleistungen erhalten hat.

Seniorenfasnacht als Highlight

Engagieren will sich Riedi auch als Fasnachtsprinz. Sein Terminplan ist in den närrischen Tagen gut gefüllt. Zu Elvelinus’ Pflichten gehören das Leiten der Fasnachtsgesellschaft, Besuche von Gaststätten, Masken- und Kinderbällen sowie die Seniorenfasnacht. «Gerade die Seniorenfasnacht ist für mich besonders wichtig», betont Riedi. «Die Gespräche mit der älteren Generation sind immer wieder spannend. Ich geniesse Geschichten, die schildern, wie es früher gewesen ist.»

«Morgenstreich war das Grösste»

Dieses Interesse für ältere Mitmenschen kommt nicht von ungefähr. Flurin Riedi ist in Wassen aufgewachsen. Und dort leiteten seine Eltern das Altersheim. «Deshalb bin ich von klein auf mit dem Alter in Kontakt gekommen», erinnert er sich. Auch die Begeisterung für die Fasnacht wurde ihm in die Wiege gelegt. «Als Kind war die Katzenmusik am Morgenstreich für mich immer das Grösste», erinnert er sich. Auch später als Jugendlicher sei er während der Fasnacht gerne in Andermatt, Altdorf oder sogar Luzern gewesen. «Mittlerweile verbringe ich die Tage aber vorwiegend in Andermatt.» Heute steht für ihn aber mehr das Gesellige und weniger die Party im Vordergrund. Die wilden Zeiten sind vorüber. Riedi verbringt seine Freizeit am liebsten in der Natur. Der ehemalige Semi-Profi-Mountainbiker steigt noch heute regelmässig aufs Velo oder ist im Winter regelmässig auf der Skipiste anzutreffen.

Anian Heierli