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ANDERMATT: Über die Entwicklung des Skisports in Uri: Von Schneeschuhen zum Skilaufen

Der Ski eroberte von Norwegen aus die schneereiche Welt. Der neue Sport war anfänglich noch ein Skilaufen. Massgebend beteiligt an der Entwicklung des Skisports in Uri waren die Fortwache in Andermatt und der Skiclub Gotthard Andermatt.
Rolf Gisler-Jauch
Nebst Skifahrern wurde das Strassenbild in Andermatt durch Pferde mit Schlitten geprägt. Auf der linken Seite das Klublokal des Ski-Klubs Gotthard. (Bild: Privatarchiv Karl Iten, Staatsarchiv Uri)

Nebst Skifahrern wurde das Strassenbild in Andermatt durch Pferde mit Schlitten geprägt. Auf der linken Seite das Klublokal des Ski-Klubs Gotthard. (Bild: Privatarchiv Karl Iten, Staatsarchiv Uri)

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Der Gang durch den Schnee war bis in den Ausgang des 19. Jahrhunderts nicht ein Vergnügen, sondern ein Muss. Es wurden hierfür Schneereifen und Fassdauben verwendet. Beide hatten den Zweck, dass man auf den notwendigen Wegen nicht in dem tiefen Schnee versank. Die Vorgänger der heutigen Schneeschuhe bestanden aus einem Holzreifen und einer Trittfläche, die aus einem Geflecht aus Schnüren mit Lederriemen und Eisendraht verstärkt war. Schneeschuhe gebrauchte der Bauer, der in entlegenen Ställen das Vieh zu besorgen hatte. Auf Schneeschuhe waren sodann vor allem die Soldaten der Gotthardfestung angewiesen.

Neues kam dann aus Norwegen. Das Wort Ski bedeutet im Norwegischen «Scheit» (gespaltenes Holz) oder Schneeschuh. Die langen Bretter ermöglichten ein rasches Fortkommen durch Gleiten über die Schneefläche.

Militär tat sich schwer mit Anschaffung von Ski

Schauplatz Gotthardfestung in Andermatt zu Beginn des Jahres 1892: Der für die Ausrüstung zuständige Instruktionsoffizier hatte vom Skilaufen im Schwarzwald erfahren. Er erhielt zudem davon Kenntnis, dass dort auch das Militär mit Schneeschuhen ausgerüstet und ausgebildet werde. Das veranlasste Hauptmann René Geelhaar, bei höherer Stelle um die Erlaubnis nachzusuchen, sechs Paar Ski bestellen zu dürfen.

Fast ein Jahr lang ging nichts, bis das Gesuch schliesslich doch bewilligt wurde. Es wurden in der Folge weitere 200 Paar Ski angeschafft. Die Festungswächter erwiesen sich in kurzer Zeit als lernfähig. Man fuhr nicht nur die Hänge blitzschnell hinunter, sondern ging am Abend auch regelmässig auf den neuen «Schneeschuhen» nach Hospental zum Abendschoppen. Vom Jahre 1899 an wurde bei den Sicherheitswachen Andermatt und Airolo wöchentlich während der Wintersaison ein bis zwei Stunden Skifahren angeordnet.

Die heimliche Leidenschaft des Glarners Christof Iselin

Szenenwechsel, Glarus ennet des verschneiten Klausenpasses: Im zivilen Bereich traten einige unternehmungslustige junge Leute auf, die sich von den unvermeidlichen Misserfolgen als Anfänger nicht abschrecken liessen und entschlossen waren, das Skifahren richtig zu lernen. Ein solcher «Springinsfeld» war der Glarner Christof Iselin. 1869 in Glarus geboren, besuchte er die Kantonale Industrieschule in Lausanne und übernahm dann das väterliche Lederhandelsgeschäft. Anfang der 1890er-Jahre machte er die ersten Skilaufversuche. Er fertigte sich ein paar originelle, sehr primitive Ski an und machte damit bei finsterer Nacht oder im Schneegestöber Probefahrten, um sich nicht dem Gespött seiner Mitbürger auszusetzen. Zwei seiner Freunde folgten seinem Beispiel, wandten sich jedoch vom neuen Sport bald wieder ab. Iselin aber liess nicht locker und rief in der Schweiz wohnende Norweger zu Hilfe. Als 24-Jähriger gründete er 1893 in Glarus den ersten Skiklub der Schweiz. 1904 regte er die Gründung des Schweizerischen Skiverbandes (heute Swiss-Ski) an. Doch nicht nur im Winter war er von Pioniergeist beseelt, so nahm er 1929 an der Weltumrundung mit dem Luftschiff Graf Zeppelin teil.

Zurück in Andermatt: In den 1880er-Jahren wurden im Rahmen der damals vom Hotel Bellevue angebotenen Winterkur für Lungenkranke erste Wintersportaktivitäten wie Schlitteln und Eislaufen angeboten und rege genutzt. Am Tag betrieben die Gäste ausgiebig alle möglichen Arten von Wintersport, liefen auf dem hoteleigenen Eisfeld, spielten Curling und Hockey. Nach dem Programm auf dem Eisfeld konnten sich die Gäste auf kleinen Schlitten oder per Ski, dem sogenannten Skijöring, von einem Pferd nach Hospental auf einen Umtrunk in den «Meyerhof» ziehen lassen.

Kurgäste konnten für 50 Rappen Ski mieten

Am 20. Dezember 1903 wurde der Skiclub Gotthard Andermatt gegründet. Bereits im ersten Winter wurden vier Klubtouren ausgeführt. In Ermangelung von Sportgeschäften beschaffte der Klub Ski, die an Mitglieder (halbtags gratis) und Kurgäste gegen Entschädigung (halber Tag 50 Rappen) ausgeliehen wurden. Die Vermietung trug viel dazu bei, den Skisport in Ursern zu verbreiten. Bereits im ersten Winter hatte der Klub 60 Mitglieder und war somit der fünftstärkste Skiklub der Schweiz. Der SC Gotthard stand in Andermatt am Ort der Gotthardfestungen in enger Beziehung zum Militär. Zwei Jahre nach der Gründung wurden auch die ersten Rennen durchgeführt.

1904 wurde eine Skischule in Andermatt eingerichtet. Es wurden pro Saison zwei bis drei Skikurse mit den norwegischen Skilehrern Leif Berg und Thorleif Björnstadt sowie allmählich von privaten Skilehrern angeboten. Bergführer priesen Skitouren an. Die Skikurse und die attraktiven Skilehrer waren bei den Gästen sehr beliebt. Höhepunkte der Sportwoche waren die vom Skiclub Gotthard veranstalteten Wettkämpfe, wie Skispringen oder Skilaufen. Im Urserntal begann der Skisport – zumindest in der Wintersaison – eine neue wirtschaftliche Grundlage für Teile der Bevölkerung zu schaffen.

Das Skifahren beschränkte sich anfänglich aufs Laufen, auf das Gleiten in ebenem Terrain, aufs Bergaufsteigen und auf möglichst sturzfreie Schussfahrten. Von Schwüngen wusste man so viel wie nichts. Rechtzeitiges Bremsen und Anhalten war deshalb keine einfache Sache. Man fuhr mit nur einem Stock, der noch viel länger und robuster war. Bei den Abfahrten nahm man diesen zwischen die Beine und setzte sich darauf, das hintere Ende als Bremse benützend. Mit den Norwegern und dem Telemark sowie dem Christiania-Schwung kam dann die Eleganz auf die Skipiste und brachte den Skifahrern zwei Stöcke.

Städter gingen zur Kur nach Andermatt

Durch den Wintersport wurde die alpine Landschaft grossflächig vom Tourismus in Besitz genommen. Die Touristen fuhren kreuz und quer die Hänge hinunter, spazierten durch das Dorf und schienen dabei keinerlei Berührungsängste mit der vor kurzer Zeit noch so fremden Alpenwelt mit ihren «Berglern» zu haben. Das Skifahren wurde in wenigen Jahren zum wichtigsten Teil des Wintersports, der sich nun zum alleinigen Reisezweck entwickelte. Die Kur war zum Sportvergnügen geworden, das in der gesunden Bergluft die Gesundheit förderte und für die im Winternebel lebenden, von Rheumatismus und Influenza geplagten Städter Erholung in Gottes freier Natur bedeutete. Andermatt begann sich als beliebter Wintersportort zu profilieren. Die beiden Grand Hotels Bellevue und Danioth führten die Wintersaison ein. Das «Urner Wochenblatt» vermeldete im Januar 1908, dass die ­Hotels im Urserntal alle ausgebucht ­seien.

Das Skilaufen im Gebirge barg Gefahren in sich. Bei einer Patrouillenübung der Festungswache im März 1903 geriet Feldweibel Furrer in ein Schneebrett. Zehn Mann begannen mit ihren Stöcken nach dem Verschütteten zu suchen. Durch drei Brieftauben wurde an den Platzarzt von Andermatt die Unglücksmeldung abgesetzt. Zwei gute Skiläufer begaben sich mit der gleichen Meldung dorthin. Nach 50 Minuten wurde der Verschüttete geortet. In 1,2 Meter Tiefe konnte der Kopf des Verschütteten blossgelegt werden. Ihm wurde ein guter Schluck Cognac verabreicht. Feldweibel Furrer konnte lebend gerettet werden. Die rechte Schulter war ausgerenkt, ein Fuss verstaucht. Er wurde in Decken und in entbehrliche Kleidungsstücke gebettet. Vier Mann blieben bei ihm. Mit den übrigen wurde die Patrouillenübung fortgesetzt. Der Platzarzt mit der Rettungsmannschaft war – von den Brieftauben informiert – bereits am Eingang des Unteralptals unterwegs, als die zwei Meldefahrer ihm begegneten.

Der Krieg setzte dem Sportvergnügen ein Ende

Der Wintersport brachte dem Urserntal ertragreiche Zeiten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 blieben die Stammgäste aus England jedoch auf einen Schlag aus. In den Kriegsjahren wurde das Urserntal zeitweise sogar vollständig für jeglichen Privatverkehr gesperrt. Ausländer erhielten keine Bewilligung für Skitouren im Festungsgebiet. Die Hotels standen leer, einzelne Etagen mussten ganz geschlossen werden, und statt Touristen beherbergten sie immer mehr Militärs. Die fröhliche Stimmung beim Skisport war Bestandteil verflossener Zeiten.

Skifahrer vor dem Hotel Drei Könige und Post sowie dem Gasthaus Sternen in Andermatt. Mit den Ski wurde damals vor allem gelaufen und ein einzelner Stock benutzt. (Bild: Privatarchiv Karl Iten, Staatsarchiv Uri)

Skifahrer vor dem Hotel Drei Könige und Post sowie dem Gasthaus Sternen in Andermatt. Mit den Ski wurde damals vor allem gelaufen und ein einzelner Stock benutzt. (Bild: Privatarchiv Karl Iten, Staatsarchiv Uri)

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