ANDERMATT: Urschner nehmen es mit dem Teufel auf

Der Bau der ersten Brücke in der Schöllenenschlucht im Kanton Uri ist Kern des Andermatter Freilichtspiels 2013. Die Luzerner Autorin Gisela Widmer hat daraus mehr gemacht als nur den sagenhaften Pakt mit dem Teufel neu erzählt.

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Viel Rauch und Schall an der Vorpremiere des Freilichtspiels «Tyyfelsbrigg» in Andermatt. (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Viel Rauch und Schall an der Vorpremiere des Freilichtspiels «Tyyfelsbrigg» in Andermatt. (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Das Freilichtspiel «Tyyfeslbrigg» hat am Donnerstag neben der Militärkaserne in Andermatt in Uri Vorpremiere gefeiert. Es ist ein zweistündiges pompöses Spektakel in Urner Dialekt vor einer schroffen Felskulisse mit 70 Schauspielern, einigem Witz und Tempo.

«Tyyfeslbrigg» ist die vierte Produktion des Kulturforums Andermatt Gotthard. Es setzt im jüngsten Werk wiederum auf den Mythos Gotthard und die Geschichte am Berg der Mitte im Land der Mitte. Dieses mal gibt es jedoch mehr Sagenhaftes zu sehen als in den bisherigen Produktionen «Gotthardposcht» (2005), «D'Gotthardbahn» (2007) und «Suworow» (2010).

Sagen als Leitmotiv

Leitmotive für das Stück sind die Sagen rund um die Teufelsbrücke, um den Teufelsstein sowie den Uri-Stier. Autorin Gisela Widmer will aber auch an den Gotthard als Gründungsmythos für die Schweiz und an die Ursprünge des Alpentransits erinnern.

Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Bild: Keystone / Urs Flüeler
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Bild: Florian Arnold / Neue UZ
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Regisseur Livio Andreina gibt Anweisungen. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
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Bei der Probe am 7. Juni: Ausstatterin Anna Maria Glaudemans Andreina hilft bei der Anprobe der Kostüme. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
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Auch der bekannte Kabarettist Emil Steinberger und dessen Frau Niccel liessen sich die Premiere nicht entgehen. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Warten gespannt auf die Premiere: «Tyyfelsbrigg»-Autorin Gisela Widmer und Clown Dimitri. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Der OK-Präsident der Andermatter Freilichtspiele, Christoph Gähwiler, begrüsst alt Bundesrat Christoph Blocher. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Prominentes Polittrio; von links: Landesstatthalter Heidi Z'graggen, die höchste Schweizerin, Maya Graf, und Landammann Josef Dittli. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)
Urs Traxel, Direktor des Hauptsponsors UKB, und der Andermatter Gemeindepräsident Roger Nager (links) amüsieren sich. (Bild: Bruno Arnold / Neue UZ)

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In den Sagen gebe es viele Auslassungen. Es habe sie dabei interessiert, was nicht erzählt werde, sagte Gisela Widmer an der Vorpremiere gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Das Gotthard-Massiv machte das Tal eng und die Menschen klein. Für ihr Fortkommen mussten sie die Berge, Schluchten und die tosende Reuss überwinden. Der Bau der ersten Brücke in der Schöllenenschlucht war für die Talgemeinschaft mit der Schicksalsfrage verbunden: Gibt es für sie einen Fortschritt ohne Seelenverlust?

Theater im Theater

Das Freilichtspiel ruft zu Beginn die Sage von der Teuefelsbrücke in Erinnerung. Demnach liessen die Urschner die erste Brücke vom Teufel bauen und versprachen ihm als Lohn eine Seele. Schnippisch schickte das Dorf aber einen «gottlos zänkischen Ziegenbock» über die Brücke. Erzählt wird der Auftakt in der Manier eines einfachen Dorftheaters - als Theater im Theater mit Blasmusik.

Danach kommt das Liebespäärchen Beni und Nina ins Spiel. Die junge Frau beschwört in der Gegenwart den Teufel herauf und verschwindet in Schall und Rauch. Die Suche nach seiner Freundin führt Beni ins Urschner Tal in die Zeit vor dem Bau der ersten Brücke.

Dilemma bis zum Schluss

Von Beni zum Brückenbau gedrängt, hadert die Dorfgemeinschaft lange, wen sie über die Brücke jagen und dem Teufel als Lohn für den Brückenbau opfern soll. Letztlich lösen die Urschner ihr Dilemma, das die Spannung bis zum Schluss bildet, mit einer simplen Weisheit.

Neben einigem Tiefgang gibt es beim Freilichtspiel vom Luzerner Regisseur Livio Andreina auch Slapstik zu sehen. Damit dürfte Andreina auch jüngere Zuschauer ansprechen.

In der aufwändigen Ausstattung von Anna Maria Glaudemans Andreina rauscht vor einer steilen Naturkulisse die aufgebaute Reuss, und auch der künstliche Teufelsstein ragt Meterhoch in den Himmel. Farbe bringen die aufwändigen Kostüme von rund 130 Figuren.

Flammen und Feuerwerke

Für die Dramaturgie ist auch Stimmkünstler Bruno Amstad aus Kriens LU besorgt. Mit seiner Stimme, einigen wenigen Instrumenten und viel Elektronik erzeugt er verschiedene Stimmungen. Überraschende Pyro-Effekte sorgen dafür, dass es hin und wieder knallt, und bis in die Zuschauerränge raucht und stinkt.

Unter den Darstellern sticht der Appenzeller Manuel Kühne hervor. Der einzige Berufsschauspieler des Ensembles mimt den Teufel mit leidenschaftlichen Grimassen und bösem Ostschweizer-Dialekt.

Die Autorin des Stücks, der Regisseur sowie die Ausstatterin sind ein eingespieltes Team. Widmer, Andreina und seine Frau realisierten bereits mehrere Projekte gemeinsam, etwa die Luzerner Freilichtspiele «Sommernachtstraum» (2007), «Dr. Faustus» (2009) und «Romeo und Julia» (2011).

HINWEIS
Das Freilichtspiel «Tyyfelsbrigg» von Gisela Widmer wird vom 12. Juli bis 31. August in Andermatt aufgeführt Weitere Informationen: www.tyyfelsbrigg.ch