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ANDERMATT: «Zweifler wird es weiterhin geben»

Er stammt aus Realp und ist neuer CEO der Andermatt Swiss Alps AG: Franz-Xaver Simmen spricht über Erwartungen, Hürden und die Vision von Sawiris.
Sven Aregger
Franz-Xaver Simmen vor den Apartementhäu-sern Gemse, Steinadler und Hirsch (von links). Fast 60 Prozent der Wohnungen sind verkauft. (Bild Sven Aregger)

Franz-Xaver Simmen vor den Apartementhäu-sern Gemse, Steinadler und Hirsch (von links). Fast 60 Prozent der Wohnungen sind verkauft. (Bild Sven Aregger)

Franz-Xaver Simmen, wie gut fahren Sie Ski?

Franz-Xaver Simmen: Ziemlich gut. Ich bin in Realp aufgewachsen und schon als kleiner Bub auf den Ski gestanden. In Zukunft werde ich auch wieder vermehrt mit meinen Kindern auf den Pisten unterwegs sein.

Zwischen Andermatt und Sedrun entsteht das grösste Skigebiet der Zentralschweiz. Nach jahrelanger Planung wird es nun konkret: Als erstes Projekt wird am Gurschen eine Sechsersesselbahn gebaut. Was bedeutet dies für das Projekt Andermatt Swiss Alps?

Simmen: Die Skigebietsverbindung ist matchentscheidend, wir müssen den Wintergästen qualitativ hochstehende Skiinfrastrukturen bieten. Derzeit ist die jüngste Bahn am Nätschen rund 20 Jahre alt. Veränderungen drängen sich also auf.

Für die Skiarena war ein aufwendiges Bewilligungsverfahren nötig. Skilegende Bernhard Russi fragt sich, ob die bürokratischen Hürden für solche Projekte nicht zu hoch sind.

Simmen: Die Vorgaben sind tatsächlich extrem anspruchsvoll. Einerseits hat das einen sachlichen Grund: Der Bund hat erstmals in einem integrativen Verfahren ein Gesamtprojekt genehmigt. Anderseits mussten wir die vielfältigen Anliegen der involvierten Parteien berücksichtigen, vor allem der Umweltverbände. Heute ist es nicht mehr einfach, Bewilligungen für neue Skianlagen zu erhalten. Gerade wenn sie Leitungen, Speicherseen und neue Pisten umfassen, wie wir es am Gütsch und Oberalp geplant haben.

Auf Intervention der Umweltverbände wurde das Projekt reduziert. Können Sie mit dem Kompromiss leben?

Simmen: Das vorliegende Gesamtprojekt ist eine gute Lösung. Wir sind überzeugt, dass wir eine moderne und attraktive Skiarena realisieren können. Die Umsetzung ist ein laufender Prozess. So optimieren wir stetig auch die Detailplanung. Beispielswiese müssen wir noch im Detail festlegen, wo die Pisten exakt verlaufen oder wie die Bergstationen ausgestattet werden.

Der Baubeginn für die Skianlagen soll das Interesse am Tourismusresort in Andermatt weiter ankurbeln. Steigt die Nachfrage?

Simmen: Seit wir den Baustart der Bahn Gurschen–Gurschengrat kommuniziert haben, verzeichnen wir mehr konkretes Interesse an unseren Wohnungen. Allerdings ist dieses erste Projekt nur eine Ersatzanlage, die Verbindung mit Sedrun steht noch nicht. Mit jeder weiteren Anlage wird das Kundeninteresse zunehmen.

Und gleichzeitig verstummen die Zweifler?

Simmen: Zweifler wird es geben, bis alle Anlagen gebaut sind, da müssen wir realistisch bleiben. Aber die Leute sehen nun vor Ort, dass wir es nicht bei der Planung belassen, sondern dass tatsächlich die Bagger auffahren und die Anlagen gebaut werden.

Als gebürtiger Realper kennen Sie Land und Leute im Urserntal. Für die Andermatt Swiss Alps AG ist das fast wie ein «Sechser im Lotto», wie sie verlautete. Spüren Sie Druck?

Simmen: Ein gewisser Druck ist sicher vorhanden. Die Erwartungen an einen Einheimischen sind höher, als wenn ein ausländischer Manager das Unternehmen führen würde. Viele Urschner versuchen, auf den Zug aufzuspringen.

Inwiefern?

Simmen: Sie kommen mit Wünschen und Anliegen direkt zu mir. Das ist auch in Ordnung, denn wir wollen das Projekt gemeinsam mit den Einheimischen entwickeln. Wir streben eine Win-win-Situa-tion an.

Wie gehen Sie mit den Anliegen um?

Simmen: Ich rede offen und ehrlich mit den Leuten. Ich höre mir alle Bedürfnisse an und erläutere im Gegenzug die Pläne und Sichtweise des Unternehmens. Klar ist, dass sich nicht alles von heute auf morgen realisieren lässt.

Als Manager legen Sie Wert auf unternehmerisches Denken und Handeln. Was heisst das konkret für die Entwicklung des Resorts?

Simmen: Investor Samih Sawiris hat in Andermatt eine Langzeitvision initiiert. Das Projekt ist auf Jahrzehnte, wenn nicht sogar auf Jahrhunderte, ausgelegt. Sawiris hat ein Ziel und verfolgt es beharrlich. Eine solche visionäre Haltung findet man weltweit nicht bei vielen Unternehmern. Das beeindruckt mich. Aus unternehmerischer Sicht sehe ich es als meine Pflicht, weitsichtig, nachhaltig und im Interesse der Stakeholder zu handeln. Lösungen auf die Schnelle gehören nicht zu unserer Unternehmensphilosophie.

Aber als Manager wissen Sie auch, dass letztlich die Bilanzen stimmen müssen. Was ist ausschlaggebend für den Erfolg des Tourismusresorts?

Simmen: Es muss uns gelingen, eine kritische Grösse zu überschreiten, sei es bei der Anzahl Hotels, Häuser und Betten auf dem Podium oder beim Ausbau der Skianlagen. Wichtig ist, dass wir langsam profitabel werden, zum Beispiel über Vermietungen und Verkäufe von Wohnungen. Nur so sind wir in der Lage, das Projekt weiter voranzutreiben. Wir können nicht nur viel Geld in schöne Bauten stecken, sie müssen letztlich auch kostendeckend betrieben werden. Bis das Projekt aber die erwarteten Dividenden bringt, braucht es Durchhaltewillen, Ausdauer und Geduld der Investoren.

Wir wissen bereits, dass Sie ein guter Skifahrer sind. Wie steht es mit Golf?

Simmen: Leider bin ich kein besonders guter Golfer, obwohl ich seit langem Mitglied des Golfclubs Andermatt-Realp bin.

Da drängt sich ein Training auf dem 18-Loch-Golfplatz im Resort auf.

Simmen: Stimmt, aber mehr als zwei Löcher habe ich aus Zeitgründen noch nicht geschafft. Ich habe mir jedoch vorgenommen, den ganzen Platz noch in diesem Herbst zu meistern.

Der gelernte Bauingenieur Franz-Xaver Simmen (39) ist seit 1. Juni neuer CEO der Andermatt Swiss Alps AG, die das Tourismusresort in Andermatt realisiert. Zuvor war er in einer Führungsposition für die Schindler Aufzüge AG tätig. Simmen ist verheiratet und Vater von vier Buben. Er lebt mit seiner Familie in Altdorf.

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