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Angelo Kelly, meine erste grosse Liebe

Redaktorin Carmen Epp über jugendliche Schwärmereien.
Carmen Epp
Carmen Epp.

Carmen Epp.

«Angelo, I love you!»: An das Plakat, das ich 1995 beschriftete, erinnere ich mich noch gut. Genau so wie an das Konzert im Hallenstadion. Auf den Schultern eines Mannes schwenkte ich – zehn Jahre alt – das Plakat in die Höhe, in der Hoffnung, Angelo möge es lesen und meine Liebe erwidern. Dieser langhaarige Blondschopf mit der Engelsstimme hatte mir den Kopf verdreht. Stundenlang sass ich vor dem Kassettenspieler oder vor dem Fernseher und sog alles auf, was ich über ihn zu sehen und zu hören bekam.

Meine Liebe zu Angelo blieb natürlich unerwidert. Wahrscheinlich war ich im Hallenstadion zu weit entfernt von der Bühne, als dass er mein Plakat hätte lesen können. Oder er hatte nur Augen für eines der anderen tausend Mädchen im Publikum. Damals verdammte ich meine Mutter dafür, dass sie nicht wollte, dass ich in der vordersten Reihe stand. Trotz des ersten heftigen Herzschmerzes, der mir daraufhin blühte, bin ich meiner Mutter heute dankbar. Andernfalls würde ich nämlich heute jeden Morgen einen kleinen Schock kriegen, wenn ich das, was aus Angelo wurde, neben mir im Bett liegen sähe. Während andere Jungs aus pubertären hässlichen Entlein zu schönen Schwänen wurden, ging Angelo leider den umgekehrten Weg.

Trotzdem habe ich der Kelly Family ein Stück Liebesglück zu verdanken. Kurz nach der Schmach um die unerwiderte Liebe am Kelly-Family-Konzert erhielten wir neue Nachbarn: eine Musikerfamilie aus Weltenbummlern, darunter ein Junge mit langen blonden Locken. Überzeugt, dass da die Kelly Family inkognito in unserer Nachbarschaft eingezogen war, schrieb ich dem blond gelockten Jungen einen Liebesbrief. Dass er den Brief erwidern würde, hatte ich nicht erwartet. Bis er eines Tages an unserer Haustür klingelte. Da musste ich feststellen, dass er zwar nicht Angelo Kelly, aber mindestens genau so herzig war. Und so kam ich schliesslich doch noch zu meiner ersten – richtigen – Liebe. Dafür, lieber Angelo, liebe ich Dich noch heute.

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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